Was macht eigentlich Bernhard Lassahn?

Da ist mir beim intellektuellen Bergwandern mal wieder ein fetter Felsbrocken in den Weg gefallen, den ich jetzt versuchen muss mit dem Geologenhammer in handlichen Schotter zu zerlegen.

Es begann damit, dass ich gestern Abend im Bett nach längerer Zeit mal wieder ein kleines Buch zur Hand nahm und darin las. Es handelt sich um „Der Bonsai will das“ von Bernhard Lassahn. 1. Auflage 1989, 60 Seiten. Dieses Buch habe ich vor ca. 30 Jahren vom Autor selbst mit persönlicher Widmung auf meine Anfrage beim Radio hinsichtlich eines seiner Audio-Beiträge unaufgefordert zugeschickt bekommen. Der Sender hatte meine Anfrage offensichtlich an ihn weitergeleitet, was ihn darauf zu dieser sehr persönlichen Geste veranlasste.

Dieses kleine Buch mit 22 „Minis“ befindet sich nun also schon seit 30 Jahren in meinem „Bücherschrank“ und ich habe in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder darin gelesen, obwohl ich alles schon kannte. Ich habe nicht viele gute Bücher, die aber lese ich gerne immer wieder mal und sei es nur einzelne Abschnitte, die mich nachhaltig beeindruckten.

Bernhard Lassahn fiel mir schon in den 1980ern als Wortkünstler in seinen Radio-Minis auf. Noch sehr in Erinnerung (und teilweise als Mitschnitt erhalten) ist ein Lesung von ihm mit solchen Minis, die im Radio, dem damaligen Südwestfunk, übertragen wurde, im Stil ähnlich dem was ein Horst Evers oder eine Marc-Uwe Kling tun. Und nach gestern nach ca. 25 Jahren im Internet fragte ich mich spontan: was macht eigentlich Bernhard Lassahn heute?

Also nach Bernhard Lassahn im Netz gesucht und auch schnell fündig geworden. Er ist natürlich jetzt auch 30 Jahre älter geworden und immer noch 20 Jahre älter als ich, aber er schreibt noch immer. Nicht nur Bücher, sondern auch in Blogs wie z.B. bei achgut.com/autor/lassahn. Zuerst las ich Beiträge von ihm, die sich mit Feminismuskritik und sozialer Gleichmacherei befassten, oder auch mit Dummfragen und konnte darin relativ gut nachvollziehen, warum mich schon vor 30 Jahren seine Beiträge fasziniert hatten.
Ich dachte mir: das was ich mit naturwissenschaftlicher Logik mir erschlossen habe, darauf kommt er mit dem gesunden Menschenverstand und kann es vor allem auch mit passenden Worten beschreiben. Seine politisch unkorrekten Ausführungen in den genannten Artikeln korrespondieren sehr mit meinen zum Unterschied der Geschlechter, Parteien und Wahlen und Genderwahnsinn.

Und dann stieß ich auf seinen Artikel zur Klimaschutzdebatte und dachte noch zuerst, wenn er schreibt:

In Wahrheit wollen die Grünen aber mit der CDU gemeinsam die Sache weiter gegen die Wand fahren.

dass wir auch hier (nicht ganz) zufällig i.S.v. coincidence der gleichen Meinung sind.

Aber dann habe ich mir das von ihm empfohlene, verlinkte Video angesehen und mir ist beinahe die Kinnlade runtergefallen: ein Video, das so auch als AfD-Werbevideo durchgehen kann und in dem von vorne bis hinten der menschengemachte Klimawandel durch Treibhausgasemissionen komplett geleugnet bzw. FUD gestreut wird. Nachdem ich keine diskursive Verbesserung mehr erwartete, habe ich den Rest des Video nur noch grob durchgescannt. Und auf E-Autos wird auch noch undifferenziert bzw. wie im kürzlichen TV-Beitrag des WDR eingedroschen.
Die Kommentare unter dem Lassahn-Artikel liessen auch keine Fehldeutung der klimawandelleugnerischen Intension zu, sowohl von Autor als auch Video. Was als eine „verbesserte“ Version des Rezo-Videos in dem – ganz auf meiner Linie – auch die Grünen ihr Fett wegbekommen sollten, von Lassahn angekündigt wurde, entpuppte sich als das krasse Gegenteil, nämlich einem „AfD-Werbevideo“ (wenn man das Rezo-Video wie Lassahn selbst als „Grünen-Werbevideo“ ansieht, weil er darin CDU/CSU, SPD und AfD stark kritisiert). Da war ich schon geschockt wie jemand nicht unintelligentes auf so billige Polemik hereinfallen kann. Im folgenden ein kurzer Einschub zur Kritik an diesem Video.


Es handelt sich um ein Video von Jasinna auf youtube v=qhBodWEorgY vom 08.05.2019 das mit „Eine kleine CO2 Horror-Geschichte“ betitelt ist. Unhöfliche Länge: über eine Stunde, vergleichbar dem von Rezo.
Das Ganze ist im wesentlichen eine Aneinanderreihung von TV-Schnipseln und Screenshots von Zeitungsartikeln der Mainstreampresse. Die Autorin sucht sich einfach irgendwelche Aussagen, die ihr in den Kram passen heraus und fügt diese „logisch“ aneinander. Eine (selbst-)kritische Hinterfragung der Prämissen findet nicht statt, sondern werden einfach als „wahr“ dargestellt, so wie die der Gegenseite als „Lüge“. Das alles kann nur schwerlich kognitiv, sachlich und wissenschaftlich und selbst journalistisch als akzeptabler Diskurs hingenommen werden. War das Rezo-Video noch mit wissenschaftlichen Fußnoten ohne Ende gespickt, werden hier nur irgendwelche Wetterfrösche im mdr-Fernsehen, Artikel-Schlagzeilen aus Spiegel, Welt&Co., TV-Ausschnitte von mündlichen Anhörungen angeblicher „Experten“ im Bundestag usw. usw. so aneinander gepappt, wie es der Autorin in den Kram passt. Die Argumente der Gegenseite werden auf „Quatsch“-Zitate reduziert. Ernstzunehmende Wissenschaftler der Gegenseite wie z.B. ein Stefan Rahmsdorf kommen in dem Video trotz der Länge mit einer Schnittgeschwindigkeit eines Musikvideoclips, gar nicht zu Wort, von einem Diskurs mit wissenschaftlichem Anspruch ganz zu schweigen. Ein Journalist hätte wenigstens eine Stellungsnahme zu den Vorwürfen eingeholt. Ich kann alle, die zu den vor dem Klimawandel warnenden Wissenschaftlern halten, verstehen, dass ihnen zu einem so polemischen Propaganda-Video, wie es die Erdölmafia fast nicht hätte besser machen können, nicht viel einfällt außer name calling, aber ich finde es ist wichtig, sachlich und auf Metaebene die mangelnde wissenschaftliche und diskursive Satisfaktionsfähigkeit des Videos heraus zu stellen. Denn auch wenn das Video wissenschaftlich nicht ernst zu nehmen ist, politisch muss man es ernst nehmen, denn es hat öffentliche Wirkung, so wie auch das Rezo-Video. Die Kommentare unter dem Video und dem Lassahn-Artikel sprechen Bände, welche Folgen solche rabulistische Desinformation hat.

Ich habe das Video wie schon gesagt mir nicht in seiner unhöflichen Länge angetan, denn es war für mich nicht im geringsten unterhaltsam, sondern eine Beleidigung meines kritischen Intellekts. Da was da angeblich zum „selberdenken“ anregen sollte, war wohl nicht auf eine kritische Rezeption des Videos selbst gedacht, sondern nicht mehr als das unkritische Nachplappern der Halbwahrheiten im Video. Ich tu mir vielleicht das Video noch mal irgendwann in seiner unhöflichen Länge an, aber jetzt hier jede einzelne Lüge und Halbwahrheit herauszuarbeiten ist eine kaum leistbare Arbeit. Z.B. soll der eine „Wissenschaftler“ in der Anhörung der den Treibhauseffekt leugnet von RWE gekauft sein.
Man müsste da eigentlich jede von der Autorin hingerotzte Prämisse hinterfragen und die Hintergründe recherchieren und die vielen wissenschaftlichen und argumentativen Lücken auffüllen. Wenn das jemand machen kann und will, dann hat der meinen Respekt und meine Achtung und ich helfe gerne dabei, wenn ich soll.


Soweit der Einschub. Was mich bei einem Bernhard Lassahn wundert ist, dass ihm seine eigenen Widersprüche zum Video nicht auffallen. Wie soll jemand, der das Rezo-Video „gut“ fand, dieses Jasinna-Video als „Ergänzung“ auffassen, wo es das krasse Gegenteil davon ist? Rezo hat mit keinem Wort den menschengemachten Klimawandel geleugnet und ganz klar hinsichtlich dieser Frage genau das vertreten, was die Wissenschaftler des IPCC oder des PIK wie Stafan Rahmsdorf sagen. Nicht der leiseste Hauch von Klimawandelleugnen ist bei Rezo zu finden. Das Jasinna-Video besteht praktisch nur aus Klimawandelleugnen bzw. -FUD.

„Alles gut“? Oh, nein, Herr Lassahn, nichts ist gut an diesem Video von Jasinna, außer, dass es als abschreckendes Beispiel für die rabulistische Desinformation der Klimawandelleugner dienen kann. Und dass jemand wie Sie, der ob seiner Intelligenz Naivität nicht für sich in Anspruch nehmen kann, dem auf den Leim geht und nicht die krassen, diskursiven Lücken in der Argumentation erkennt, ist schwer enttäuschend.
Es sei denn Ihr Artikel war eine Satire auf die Klimawandelleugner, aber dann sollten Sie vielleicht noch mal Ihren Ratgeber „Wie unterscheide ich Satire von der Wirklichkeit“ lesen. Das einzige was ich bedingt gelten lassen würde, ist die Tatsache, dass Sie zwar eine akademische Bildung haben, aber nicht Naturwissenschaft studiert haben und in der Folge mit fachlich ernstzunehmendem naturwissenschaftlichem Diskurs und dem Erkennen eines solchen nicht kompetent sind. Aber selbst dann sollte Ihnen ein rabulistischer FUD ins Auge fallen oder Sie schweigen besser dazu als sich auf fachfremdes Terrain zu begeben.
Einzig ihre Nachbemerkung:

Ich stelle meine Gedanken zur Diskussion – und bin bereit, mich belehren zu lassen und die Meinung zu ändern

lässt mich etwas hoffen, dass Sie einer Neubewertung dieses Videos von Jasinna nicht vollkommen negativ gegenüber stehen.

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Rezo-Light

Das Original-Video dauert fast eine Stunde.
Es geht auch kürzer, quasi Rezo-light
youtube: h5MJn_Yy7aA&t=49m30s (ca. 5 Minuten)
und das gleiche für die grüne CDU
youtube: SRZ7C01mDRI (nur ca. 3 Minuten)
(Offline Kopien machen, man weiß nie bei youtube)

Eigentlich ist das Rezo-Video eine Beleidigung an den Intellekt:
wie blöd muss man eigentlich gewesen sein, wenn man erst nach dem
Rezo-Video feststellt: „Oh, CDU und SPD sind echt so inkompetent,
korrupt und verlogen? Das ist mir vorher echt nicht aufgefallen …“
Wer, der zwei Augen, zwei Ohren und dazwischen irgendwie ein Gehirn
hatte, wusste das nicht schon vorher? Aber wir sind wohl nicht nur ein
Volk, sondern auch ein dummes Volk von Untertanen, die zu blöd zum
emanzipierten Denken sind und betreutes Denken brauchen.

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Deutschland, das Land der dichten Denker

Anlässlich eines in Telepolis abgedruckten E-Mail Interviews mit dem Autor des Videos „Die Zerstörung der CDU“ und den Reaktionen auf meinen kritischen Kommentar im zugehörigen Forum, muss ich nach längerem Nachdenken doch mal mein Gedanken über den geistigen Zustand dieses Landes in der Mitte Europas in Worte fassen.

Gut. Den Deutschen wurde seit 1848 mit Rohrstock, Befehl und Gehorsam, Pulver und Blei jeglicher demokratischer Geist nachhaltig ausgetrieben. Wir kennen nichts anderes als Feudalismus, Diktatur, Faschismus und bestenfalls einen perfiden Abklatsch von Demokratie. Aber wenn ich mir den Zustand im Jahr 2019 und speziell der vorgeblich intellektuell-kritischen Kräfte in Deutschland ansehe, dann ist das doch sehr beschämend, wie sehr hier noch im politischen Laufställchen und systemunkritisch agiert wird.
Praktisch niemand®™ stellt dieses System mit seinen korrupten, machtzerfressenen Politikern, Parteien, „Qualitätsmedien“, „unabhängigen Justiz“, „freien“ Wahlen und seiner „freiheitlich, demokratischen Grundordnung“ *kotz* in Frage. Drei Tage vor der Wahl zum EU-Parlament schallt es aus allen Ecken wieder „Wählen gehen! Wählen gehen!“ – auch aus dem vorgeblich kritischen Mileu wie o.g. youtube-Vlogger, der aber selbst nicht weiß was er wählen wird.

Wie beschämend dies alles ist, zeigt ein Blick in unsere Nachbarländer. Die Schweiz macht uns schon seit über 150 Jahren vor wie echte (direkte) Demokratie geht. In Großbritannien stimme Schotten über ihre Unabhängigkeit und das ganze Land über den Austritt aus der EU ab. In Frankreich gehen die Gelbwesten für (direkte) Demokratie auf die Strasse und in Katalonien wird in einem spanischen Zentralstaat, der deutlich postfaschistischer geprägt ist und einen vergleichbaren demokratischen Braindrain wie Deutschland hatte, sogar eine Volksabstimmung selbst organsisiert und gegen Polizeigewalt friedlich durchgeführt. Ein deutsche Beobachter der nachfolgenden Schauprozesse gegen die vermeintlich Verantwortlichen für diesen „Aufstand“ bzw. „gewaltsame Erhebung“ konstatiert, dass er sowas, einen selbstorganisierten Volksentscheid, noch nie erlebt habe. Das ist das beschämende Urteil über Deutschland: halb Europa macht uns politisch-emanzipatorisch was vor! Nur wir Boche, Krauts, wir deutschen Michel mit den Schlafmützen kommen nicht aus dem Mustopf raus und reden uns alle miteinander unser System schön. Es sind vorgeblich immer nur einzelne korrupte Politiker, Parteien, Skandale, Amigos. Die „Demokratie“ ist immer nur bedroht, aber wir haben sie ja angeblich „noch“.

Da muss man sich doch eigentlich an den Kopf schlagen und fragen: was geht in diesem Land eigentlich ab? vor allem wenn selbst die von denen man annehmen könnte, dass sie es besser wissen sollten, also das was man als außerparlamentarische Bürger-Opposition bezeichnen könnte und sich im Internet wie jener Vlogger mit Millionen von Klicks profiliert, oder was sich in Foren wie bei Telepolis entsprechend profiliert, wenn selbst jene wenn es um die Systemfrage geht, resigniert abwinken oder sich gar explizit gegen (direkte) Demokratie aussprechen?

Nein, ich verstehe es nicht, wie man sich so seinen Kopf in den eigenen Arsch stecken kann und den letzten Rest von politisch-emanzipatorischer Selbstachtung preis gibt. Was müssen wir Deutschen für ein traumatisiertes Volk sein, dass wir freiwillig und ohne, dass uns jemand die Pistole auf die Brust setzt so kleinmütige Untertanen bleiben, selbst wenn wir auf das System bzw. seine Protagonisten schimpfen?
Vor allem wenn die Opposition in Länder wie im ebenfalls postfaschistisch und durch einen blutigen Bürgerkrieg gezeichneten Spanien uns noch was vor machen.

Der kapitalistische Wohlfahrtsstaat

Ich weiß es nicht. Ich habe nur ein paar Arbeitshypothesen, die aber kein wirklicher Grund sind, aber vielleicht eine Erklärung. Man kann der deutschen Staatsmafia, das korrupte Konglomerat aus Wirtschaft, Politik, Justiz, Verwaltung, Massenmedien und staatlichen bzw. gleichgestellten Institutionen, viel vorwerfen, aber es ist ihr vielleicht wie in keinem zweiten Land in Europa gelungen das Konzept des kapitalistischen Wohlfahrtsstaates zu verwirklichen und die Bevölkerung damit unbewußt einzuschläfern. Der „Kartätschenprinz“ und spätere Wilhelm I. schoss die Demokraten noch einfach nieder. Bismarck begann mit gezielten, staatlichen Wohlfahrtsmaßnahmen den immer wieder aufkommenden politisch-emanzipatorischen Bestrebungen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Adenauer hat das dann in der BRD perfektioniert. Das Ergebnis: ein Volk – oder besser ein größerer Teil davon – geniesst materielle und finanzielle Sicherheit durch staatliche (oder institutionell gleichgestellte) Kranken-, Renten-, Kranken-, Arbeitslosen-, Erwerbsunfähigkeit und sonstige Versicherungen. Insbesondere das linke, intellektuell-kritische, grüne Milieu aus dem die meiste Kritik kommt, lebt weitgehend im Wohlstand. Und Wohlstand macht eben satt. Der Intellekt sagt zwar ständig wie schlecht und korrupt dieses System ist: Klimaschutz, Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit, Kapitalismuskritik, aber das Unterbewußtsein sagt: „Ich habe (materiell) alles. Mir fehlt an nichts. Setz dich hin und genieße“. Und dann nach einer politskandalerfüllten „Monitor“-Sendung sagt der Wohnzimmerrevoluzzer „Na, denen da oben haben sie es aber mal wieder gegeben“. Und lehnt sich zufrieden in seinen Ohrensessel, in der gut geheizten Wohnung oder im Eigenheims im Grünen mit Garage, Pkw und zwei mal im Jahr in den Urlaub fliegen, zurück.
Und jemand der unbewusst so satt ist, der wehrt sich dann auch nicht gegen ein solches System, egal wie kritisch er vom Bewusstsein gegenüber dem Staat eingestellt sein mag und wie laut er auch seiner Kritik am (virtuellen) Stammtisch Luft macht. Der kapitalistische Wohlfahrtsstaat wird ihn sogar noch ermuntern seine Kritik zu äußern und dies sogar noch institutionalisieren wie in Form dieser Politmagazine a la „Monitor“. Jammern ist ok. Nur eins ist „verboten“: Systemkritik und konstruktive Vorschläge wie es besser geht und dafür wohl auch noch auf die Strasse gehen. Und deswegen wird man das in der institutionalisierten Pseudokritik dieser Politmagazine auch nie zu hören bekommen.
Deutschland das Land der dichten, wohlstandsbesoffenen Denker mit dem Brett vor dem Kopf.
Wenn sich o.g. Vlogger die gleiche, aber konstruktive Mühe mit echter (direkter) Demokratie gemacht hätte, wie er sie destruktiv mit der CDU gemacht hat … wenn, ja, wenn … hat er aber nicht und wird er auch nicht. Sturm im Wasserglas. Das Stehaufmännchen CDU wird auch Rezo nicht „zerstören“. Ab Montag wieder: business as usual.
Und ich bin mir auch sicher, dass er mit einem konstruktiven, systemkritischen Video über echte (direkte) Demokratie nicht die Aufmerksamkeit bekommen hätte, wie mit seinem Zerstörer-Video, schon gar nicht von den Systemmedien, die von dieser Systemkatharsis („Monitor“-Syndrom) leben.

Das ist wie gesagt eine Erklärung, keine Rechtfertigung. Ich kann es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren mich derart von diesem System einlullen zu lassen, obwohl ich selbst auch von diesem Wohlstand profitiere. Mir hat 1992 als ich durch einen massenmedialen „Betriebsunfall“ das erste Mal von echter (direkter) Demokratie hörte, niemand zwei mal sagen müssen wie wichtig das ist. Und deswegen werde ich am nächsten Samstag meine Gelbweste mit auswechselbaren Slogans anziehen, in die FuZo gehen und vor den Ständen der Parteien öffentlich symbolisch Wahlzettel verbrennen. Ja, wir können vielleicht nicht viel tun und es ist nicht unwahrscheinlich, dass das System erst aus sich heraus implodieren muss um zu seinem Ende zu kommen.
Aber für mich ist es eine Frage der Selbstachtung in wie weit ich mich zum Deppen und nützlichen Idioten dieses Systems mache oder es gar noch in Schutz nehme und gegen Systemveränderung aktiv anrede wie es nicht wenige Greta-Anhänger tun.
Und dass ich mich am Sonntag nicht an diesem Demokratie-Kasperletheater für Erwachsene beteilige und mich freiwillig selbst entmündige, ist Ehrensache.

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Folgenschwerer Fahndungsplakat-Irrtum des BKA

(dpo) Dem Bundeskriminalamt ist bei der aktuellen bundesweiten Fahndungsaktion nach gesuchten Schwerverbrechern ein folgenschwerer Irrtum unterlaufen. Auf sämtlichen Plakaten wurde vergessen den Schriftzug

„Gesucht! Tot oder lebendig!“

in sieben verschiedenen Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch, Polnisch, Chinesisch, Suaheli) anzubringen, sowie die als Belohnung für die Ergreifung ausgelobte Summe zu vermerken. Lediglich wurde angegeben, welchem Verbrecherband der jeweils Gesuchte angehört.

Der Bundesverband der berufsmäßigen Kopfgeldjäger sieht seine Mitglieder in ihrer ökonomischen Existenz gefährdet, denn aufgrund der nicht vorhandenen Prämienangabe fehle die ökonomische Kalkulationsgrundlage. „Bei bis zu 7.000€ Fall-Unkosten kann das einen ehrenhaften Kopfgeldjäger schon in die Insolvenz treiben, wenn nachher nur 3,50€ dabei herausspringen“, so der Verbandsvorsitzende Karl Laschnikow.

Dem BKA ist dieser Fehler mehr als peinlich. „Wir bemühen uns die fehlenden Fahndungsangaben mit Aufklebern nachzuliefern, haben aber unser Finanzbudget bereits ausgeschöpft“, so ein Sprecher des BKA. Man sei daher auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Jeder Bürger solle doch in seinem Umfeld, die ihm ins Auge fallenden Plakate
„nachrüsten“. Die DIN-A4-Druckvorlagen seien auf der Website des BKA zum herunterladen bereitgestellt. Im Zweifelsfall könnten die Bürger auch selbst erstellte DIN-A4-Vorlagen mit Phantasieprämien erstellen, ausdrucken und überkleben. „Schauen Sie sich einfach die Gaunervisage an und überlegen Sie was es Ihnen wert ist, wenn die hinter Gittern sitzt. Uns ist so ziemlich alles Recht, Hauptsache diese gefährlichen Verbrecher sitzen bald hinter schwedischen Gardinen“, so der BKA-Sprecher.

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Von der Kunst Fragen zu stellen

Wenn wir Fragen stellen ist es nicht immer sinnvoll die letzten 500
Jahre zu betrachten, sondern häufig sinnvoll den Beginn zu betrachten.
Wann fängt sowas in der Menschheit an: arm und reich, Steuern, Armeen.
Wenn man es am Beginn versteht, versteht man den Fortlauf viel besser,
als wenn man die Sachen nur aus unserer Zeitschicht betrachtet.
Deswegen ist Archäologie und Prähistorik nicht nur unterhaltsam,
sondern auch so wichtig.

Der RSS-Feed des Astrodicticum Simplex Blogs rangiert bei mir in der Kategorie „Unterhaltung“. Der Autor jenes Blogs hat in den letzten Wochen in 21 lesenswerten Beiträgen einen Abriß über das wohl ebenfalls lesenswerte Buch der Autoren Harald Meller und Kai Michel über die Himmelsscheibe von Nebra gegeben. Bis zum Ende des letzten Teils war es für mich als studiertem Naturwissenschaftler bloss interessant und unterhaltsam, aber jetzt nicht wirklich wichtig, im Sinne einer gar politischen Relevanz für uns heute. Das hat sich erst geändert als ich mir die „Buchbesprechung“ mit Harald Meller selbst angesehen und -gehört habe, obwohl davor mit TLDR gewarnt wurde. Darin sprach er Dinge an die in den 21 Folgen über das Buch vom Blog-Autor kein einziges Mal angedeutet wurden, auch nicht im Fazit der vorletzten Folge und die die Relevanz für uns heute herstellen und zwar mit einer ganz eigenen Geschichte und zwar der von der Person Harald Meller selbst. Es muss wohl als ein Glücksfall der Geschichte (wie eine ganze Reihe von glücklichen Umständen im Zusammenhang mit der Himmelsscheibe) betrachtet werden, dass ausgerechnet er maßgeblich an der Aufklärung des Mysteriums der Himmelscheibe beteiligt war, auch wenn er die Leistung seiner Mitarbeiter und Fachkollegen über den grünen Klee lobt. Natürlich auch vor dem Hintergrund meiner eigenen Geschichte.

Ich konnte das Buch erst schreiben, als ich wusste wie es funktioniert. Davor hat es sich nicht richtig angefühlt.

Zentraler Punkt von Mellers Aussage ist sein von mir oben angeführtes Zitat. Wie begann das alles? Dank 15 Jahre Forschung über die Himmelsscheibe können wir einen entscheidenden Schritt in der Menschheitsgeschichte besser, ja vielleicht sogar erst so richtig verstehen, nämlich den Schritt vom nomadenhaften Jäger und Sammler zum sesshaften Bauern und bis zur Gründung der ersten Staaten. Denn das Reich von Aunjetitz, dem Reich der Himmelsscheibe in Mitteldeutschland, war wohl der erste Staat in Europa zu einer Zeit wo man bisher dachte, dass es da nur Stämme mit bestenfalls Häuptlingen gegeben hat. Und das ohne Schriftsprache, wo man auch bisher dachte, das ein Staat ohne gar nicht möglich sei, wie die Hochkulturen zur gleichen Zeit in Ägypten und vorderer Orient zu beweisen schienen.
Aber zum Anfang: wie kam es zu diesem Staat? Warum sollen Menschen die 2 Millionen Jahre mehr oder weniger als Gleiche unter Gleichen lebten auf einmal einem Fürsten oder König gehorchen, Steuern zahlen und die Hierarchie eines Staates mit Oberen und Unteren akzeptieren? Bei umherziehenden Jägern und Sammlern ist das auch gar keine Frage, denn da gibt es auch keine besonderen Probleme, die einen Staat notwendig machen. Man zieht umher, bleibt wo es gefällt und wenn alles abgegrast wurde, zieht man weiter. Meller vergleicht das mit unserem heutigen Verhalten im Urlaub.
Das ändert sich mit der Erfindung des Ackerbaus, dem Seßhaftwerden der Menschen und der damit verbundenen Bevölkerungsexplosion. Wer ein gutes Stück Land zum Ackerbau gefunden hat, der muss schnell fürchten, das andere kommen und es ihm mit Gewalt wegnehmen. Und in Mitteldeutschland gab und gibt es immer noch weltweit mit die fruchtbarsten Böden, die Schwarzerden auf denen noch heute der 1000-jährige Roggen angebaut wird und ohne Düngung heute noch der halbe Ertrag erzielt wird, wie mit moderner Düngung. Solche Standorte waren begehrt und jeder Bauer der dort ein Stück Land beackerte musste fürchten, dass andere es ihm wegnahmen. In einer Sippe oder Stammesgemeinschaft gab es natürlich auch Krieger und Häuptlinge zur Verteidigung, die aber einer größeren, marodierenden Bande feindlicher Krieger nicht viel entgegen zu setzen hatten.

Der Staat als Schutzgelderpresser

Der Staat hat immer etwas Mafiahaftes. Der Staat sagt: du kriegst
Schutz, du kriegst klare Regeln, dafür gibst du was ab.
Da gibt man was ab und dann ist es nicht mehr wie vorher:
man wird nicht mehr überfallen, dein Haus wird nicht mehr abgebrannt,
deine Kinder werden nicht mehr abgeschlachtet, du lebst in Sicherheit,
du kannst in Ruhe arbeiten, und du gibst 30% Steuern ab und alles ist
gut. Am Anfang ist das gut.
Das merkwürdige an diesem System: die Abgaben steigen dauernd. Eine
einmal eingeführte Abgabe wird nie wieder zurück genommen z.B.
Sektsteuer, [Ökosteuer, Soli]
Das ist dann ein Problem, denn irgendwann wird ein Punkt erreicht, wo
die Leute unzufrieden werden. Und dann geht es am Ende eines Staates
krachend schief.

Hier kommt nun die Idee des Staates ins Spiel und zwar als Schutzmacht: ein mächtiger Häuptling sammelt eine große Schar von Kriegern und verspricht den Bauern eines Gebietes militärischen Schutz, wenn diese ihm dafür Abgaben zahlen. Der Bauer zahlt 30% seines Ertrages an den Häuptling, dieser bezahlt und ernährt seine Krieger, die den Bauern beschützen, dass dieser in Ruhe arbeiten kann und weder um Haus, Hof, Weib und Kinder fürchten muss. Und wenn man in Sicherheit leben kann, dann findet man auch eine 40-Stundenwoche irgendwann toll. Soweit die Idee, soweit so gut.

Das Wesen des Staates ist, dass man die Leute einsperren kann.
Der Staat ist eigentlich ein Gefängnis.
Das Staatsvolk haut gern ab, weil es natürlich kein Spaß ist ein
ägyptischer Falache [Untertan, Leibeigener, Lohnsklave] zu sein.

Das Problem ist jetzt nur, dass sich der Bauer selbst nun in einer Art Geiselhaft gegenüber dem mächtigen Häuptling, man kann ihn auch schon Fürst nennen, befindet.
Jeder Staat ist nicht nur Schutz, sondern auch eine Art Gefängnis für die Menschen, die sich darin befinden.
Denn der Fürst hat nicht nur die militärische Macht fremde Krieger zu vertreiben, sondern auch die Steuern von den Bauern einzutreiben. Bekannt aus der Robin Hood Saga. Macht und Machtmissbrauch liegen eng beieinander. Steuern und Abgaben vom Fußvolk, das sich nicht wehren kann, werden bis heute immer nur neu eingeführt und erhöht, aber nie abgeschafft.
Grundsätzlich ist das auch noch kein Problem. Ökonomische Spreizungen, aka Schere zwischen arm und reich, interessieren die Menschen nicht, so lange es für den Einzelnen gut reicht.
Aber es führt natürlich zu Unzufriedenheit beim Fußvolk und irgendwann, wenn die Staatsmacht den Bogen überspannt und die Nachteile die Vorteile überwiegen, dann hat das Volk irgendwann die Nase voll und versucht mit den Füßen abzustimmen, sprich abzuhauen.
Das ist natürlich für einen Staat lebensbedrohlich, wenn ihm die Leute davon laufen und er wird alles tun um dies zu unterbinden.

Die ersten Staaten entstehen dort, wo Wasserbaugesellschaften
unglaublich produktiv sein können. Ägypten, vorderer Orient,China, Japan.
Eine Reisbaugesellschaft ist extrem effektiv, aber wo jeder Reisbauer für die Wasserverteilung vom nächsten abhängig ist, ist jeder Teil einer endlosen Kette und wenn der einzelne nicht funktioniert, funktioniert das ganze System nicht. Dadurch ist wirtschaftlich-ökonomisch bedingt, dass man ein winziges Rädchen in allem ist,[ was sich in der ostasiatischen Mentalität noch erhalten hat]. Das ist das Wesen früher Staaten mit unglaublicher Gewalt, Brutalität, Menschenopfer usw.
Bei uns ist das im Prinzip ganz anders, denn jeder Ackerbauer kann anbauen was er will. Es gibt nur Abgaben.
Wenn man jetzt aber einen Staat gründet, kann der Bauer abhauen. Jeder Staat hat ein Problem wenn die Leute weggehen und deswegen versucht man das zu verhindern.
Im alten Ägypten hat man am Nil im Norden und im Süden dicht gemacht und links und rechts gab es nur Wüste.
Aber man kann die Menschen nicht dauerhaft einmauern und einsperren.
Deswegen gibt es einen einfachen Trick: die Menschen müssen zufrieden
sein. Es muss sich für jeden lohnen im Staat zu leben als woanders.

Der Wohlfahrtsstaat ist erfunden.

Wirtschaftswachstum, Innovation, Monopole, Kriege

Es ist der Tod von monopolistischen Systemen, wenn es direkten Kontakt gibt. Das versuchen diese daher zu vermeiden.

Doch wenn man dem Volk mehr lässt, als Fürst aber nicht selbst am Hungertuch nagen will, Armee, Verwaltung und Hofstaat bezahlen muss, gleichzeitig die Bevölkerung durch den Wohlstand explodiert, dann muss der Staat wirtschaftlich prosperieren. Es gibt dann einen inhärenten Zwang zum Wirtschaftswachstum. Durch Ausbeutung der eigenen Ressourcen und Innovation kann man zwar von Innen heraus für Wachstum sorgen, aber das stößt schnell an seine Grenzen, wenn die Ressourcen erschöpft sind und die Innovation ins Stocken gerät oder andere schneller sind.
Da liegt es nahe sich die Ressourcen anderer unter den Nagel zu reißen. Monopole auf Rohstoffe, Waren, Technologien und Handelsrouten eignen sich hierfür sehr gut. Man kann schon sagen, dass mit der Staatenbildung auch der Kapitalismus – in rudimentärer Form – schon erfunden wurde. Oder man holt sich die Ressourcen anderer direkt durch Krieg, was auch zum Teil das Problem der Überbevölkerung löst.
Vor der Staatenbildung hat die Menschheit sich zwar auch schon gegenseitig den Schädel eingeschlagen, aber da war im kleinen Maßstab und praktisch immer um sich einen direkten persönlichen Vorteil zu verschaffen. Mit der Staatenbildung springt die Gewalt zwischen den Menschen auf eine neue Ebene, wo zunehmend von Armeen auf Befehl für abstrakte Ziele gekämpft wird und entsprechend die Gewalt nicht mehr hinterfragt werden darf und so in ihrer Grausamkeit auch auf eine neue Ebene springt.
Die Existenz eines Staates steht und fällt nun damit ob er sich wirtschaftlich über Wasser halten kann. Geht eine wichtige Ressource zur neige, bricht ein entscheidendes Monopol weg oder wird ein Krieg verloren, dann ist ein Staat auch sehr schnell am Ende bzw. wird von einem anderen einverleibt oder zum Vasallen gemacht. Auch in Aunjetitz war dies der Fall, als Bronze vom monopolistischen Handelsgut europaweit zum Allgemeingut wurde und die europäischen Regionen von den Aunjetitzern nicht mehr gegeneinander ausgespielt werden konnten.

Wissen ist Macht

Häuptlinge sind Teil der menschlichen Gemeinschaft.
Charismatische Herrschaft, Könige sind Vertreter Gottes mit göttlicher Legitimation.

Aber noch mal zurück zu den Anfängen des Staates, denn es gehört noch eine Besonderheit dazu, die aus einem Staat einen Staat macht und ihn von der Häuptlingsgesellschaft unterscheidet. In letzterer waren Häuptlinge zwar den anderen übergeordnet, aber doch noch im Wesentlichen Gleiche unter Gleichen. Ein Häuptling hatte keinen besonderen Status und keine besondere Legitimation, außer vielleicht persönlichen Eigenschaften, die ihn als fähigen Kämpfer und Heerführer auszeichneten. Es ist also nicht so einfach Menschen, die Millionen von Jahren in einem egalitären System lebten, davon zu überzeugen, dass ausgerechnet der eine Führer und Fürst sein soll und nicht ein anderer. Meller sinngemäß:

Aunjetitz war eine irrsinnig stratifizierte, hierarchische Gesellschaft:
warum machen die anderen das mit?
Wir leben heute in einem Staat in den wir reingeboren wurden, wo wir seit 2000 Jahren Hierarchisierungen mitmachen, wie Barone, Könige, Bischöfe, Minister, Kanzler. Für uns ist es „normal“ und das lernen wir schon im Schulunterricht, dass bei uns alles „super“ ist und wir an der Spitze einer logischen Bewegung stehen.
Wenn man aber 10-20.000 Jahre zurück geht, stellt man fest: diese Herrschaftsformen sind überhaupt nicht normal. Das Normale ist eigentlich die Zeit vor dem Ackerbauerntum, also Jäger und Sammler. Wir alle kopieren Jäger und Sammlerleben, weil wir dann glücklich sind und zwar wenn wir in Urlaub fahren.
Erst mit der Erfindung des Ackerbauerntum kommt die Maloche auf und am Ende ist man für die 40-Stunden-Woche dankbar.

Dazu muss man wissen, dass wir uns mit Aunjetitz in der Bronzezeit befinden, weit vor dem Beginn moderner Naturwissenschaften. Die Natur, Pflanzen, Tiere, Steine, Berge, das Wetter und der Himmel waren mystisch und von Göttern, Geistern und Dämonen beseelt. Die Menschen zu dieser Zeit wollten sich auch schon die Welt erklären, hatten aber noch nicht die Möglichkeiten, die wir heute Dank moderner Naturwissenschaft haben. Die Weltordnung bestand in einer Ordnung der Götter, die für alles was passierte verantwortlich waren. Wer nun aber Dinge in der Natur überzeugend vorhersagen und deuten konnte, stellte damit unter Beweis, dass er göttliches Wissen besaß und quasi eine ausführende Kraft der Götter war.
Die Himmelscheibe von Nebra bzw. das auf ihr codierte Wissen, diente hierzu. Damit konnten sich Fürsten als göttliche Könige über das Fußvolk erheben und ihrem sozialen Status und ihrem Handeln als solche göttliche Legitimation verleihen. So lange ist das Gottesgnadentum von Kaisern und Königen auch heute noch nicht her.

Dieses Herrschaftswissen ist natürlich nur so lange von Nutzen, solange es das Wissen der Herrschenden bleibt. Das Volk muss dumm gehalten werden, denn sonst ist der (faule) Zauber dahin. Allerdings in einer Gesellschaft ohne Schriftsprache besteht dann das Risiko, dass dieses Herrschaftswissen im Besitz weniger verloren geht. Auch das ist wohl bei der Himmelsscheibe passiert, bis hin zum vollständigen, realen Bedeutungsverlust, dass sie am Ende nur noch als Monstranz umhergetragen bzw. irgendwo angenagelt wurde und dann irgendwann am Ende von Aunjetitz als Opfergabe bestattet wurde.

Das Zusammenleben in Massen hat einen unnatürlichen Aspekt:
99% der Menschheitsgeschichte lebten wir als Gleiche unter Gleichen.
Wenn Herrschaft etabliert wird, muss erklärt werden, warum der eine
alles hat und die anderen nicht. Das kann nur göttlich legitimiert
werden und nicht menschlich.

Bis hierhin habe ich Meller aus der Bücherlesung zusammengefasst wiedergegeben bzw. sinngemäß zitiert. Im Folgenden folge ich seinem Rat einer Spekulation auf hohem Niveau:

Was ist eigentlich menschlicher Geist?
Man braucht keinen Computer, man braucht kein Mikroskop, man braucht (fast) gar nichts und man kann auch ganz „faul“ sein.
Demokrit saß, der Überlieferung nach, im Garten und hat einer Ziege zugeschaut wie sie Gras frisst. Und da hat er sich folgendes überlegt: wenn die Gras frisst und aus dem Gras werden Haare, Hörner und Hufe, dann scheint es so, dass es kleinste Teilchen in dem Gras sind, die umverwandelt werden, denn die Ziege frisst ja nichts anderes. Und aus diesen Teilchen werden Hörner, Hufe und Haare und er nannte diese Teile Atome und hat dann eine Theorie entwickelt wie diese zusammenhalten oder nicht zusammenhalten usw.
Das allerbeste Forschungsinstrument haben wir zwischen den Ohrmuscheln und das sollte man ausnutzen. Und vor allem sollte man nicht alles glauben, sondern immer kritisch nachfragen und ein bissel querulatorisch sein und immer fragen: stimmt das denn wirklich so?
Und erst wenn man eine befriedigende Antwort hat sollte man zufrieden sein.

Damit ist Meller übrigens sehr nahe an George Carlins „Logic“ und „Teach your children to question everything“.

Aber welche logischen Schlüsse lassen sich aus dem bisher gesagten auf unsere heutige Gesellschaft und Staatsordnung ziehen?

  • Der Wunsch frei von Fremdbestimmung als Gleicher unter Gleichen zu leben ist normal und kommt unserer natürlichen Mentalität zur Zeit als Jäger und Sammler wesentlich näher und macht uns glücklich.
  • Die Herrschaft einiger weniger über alle anderen ist nicht normal, auch wenn uns das in den Massentrivilisationsanstalten aka Schule so eingetrichtert wird.
  • Herrschaft einiger weniger über alle anderen kann nicht menschlich, sondern nur göttlich legitimiert werden. Herrscher früherer Zeiten waren immer „Herrscher von Gottes Gnaden“, waren mit Herrschaftswissen ausgestattet, das erforderte das Volk dumm zu halten.

In Zeit der Aufklärung und der modernen Naturwissenschaften befinden sich Gottglaube und Religion allerdings auf dem Rückzug, womit sich ein magisches Legitimationsdefizit für alle Herrschenden auftut. Bislang wird dies noch mit Generalformeln wie „im Namen des Volkes“, „freiheitlich demokratisch Grundordnung“ u.ä. gefüllt, aber je mehr die Menschen diesen faulen Zauber durchschauen, desto offensichtlicher wird das Legitimationsdefizit.

Dank Internet kann sich jeder Mensch potentiell mit potentiell allen anderen Menschen direkt verbinden und austauschen. Die herrschaftsstabilisierenden Monopole der Informationsvermittlung fallen. Die Zensur von Informationen wird zumindest sehr viel schwieriger.

Wir leben heute in Staaten mit blutiger Herrschaftsvergangenheit. Die Weltbevölkerung ist auf ein Ausmaß angewachsen, die es unmöglich macht in einen natürlichen Zustand von Jägern und Sammlern zurückzukehren, wenn man von einem den Großteil der Menschheit vernichtenden, atomaren Weltkrieg absieht. Es wäre auch nicht erstrebenswert sämtliche staatliche Strukturen abzuschaffen um auf das steinzeitliche Niveau der zwischenmenschlichen Interaktion herabzusteigen, sprich, dass du nie sicher sein kannst, dass nicht dein Nachbar oder marodierende Banden deine Kinder töten, deine Frau vergewaltigen, dein Haus anzünden und dich selbst umbringen.

Auch der Kapitalismus mit allen positiven und negativen Folgen ist uns erhalten geblieben. Und die Reichen, die neuen Herrscher, haben immer noch das Problem ihren Reichtum zu legitimieren, weshalb sie sich nicht selten als gottbegnadet sehen und vom Fußvolk abschotten, sich der menschlichen Gemeinschaft entziehen, sich für was „besseres“ halten und zum herrschen auserkoren sehen. Nur dann kann es dort oben auch schon ganz schön einsam werden …

Aber in den Demokratiebestrebungen der letzten ca. 250 Jahre kann man deutlich den Wunsch der Menschen nach einem egalitären Zusammenleben erkennen, wie es schon im französischen liberté, egalité, fraternité zum Ausdruck kommt.
Eine echte (direkte) Demokratie kommt einem solchen Gesellschaftssystem sehr nahe und an dem Punkt möchte ich der Aussage Mellers in der Buchbesprechung widersprechen, wenn er im Zusammenhang mit Herrschaftswissen sagt:

Dauernde Informationsflut, siehe Brexit, ist auch nicht so gut.
Nicht immer ist die direkte Demokratie die Beste, das sehen wir gerade beim Brexit.

Da muss ich Herrn Meller fragen: stimmt das denn wirklich so?
Hier irrt Meller nämlich mMn, denn die Abstimmung über den Brexit und das nachfolgende und anhaltende Durcheinander hatte mit echter (direkter) Demokratie nicht viel zu tun. Es war ein von oben angeordnetes Plebiszit ohne feste Gesetzesvorlage und ohne feste Verfahrensregeln und weder ein fakultatives, noch obligatorisches Referendum, noch ein vom Volk initiierter Volksentscheid. Auch für (direkte) Demokratie braucht es klare, demokratische Verfahrensregeln zu einer Volksgesetzgebung. Diese fehlen in GB. (Direkte) Demokratie besteht eben nicht nur aus eben mal über irgendwas abstimmen, was die Regierung gerade in der Yellow-Press als Schlagzeile gelesen hat.
Ein Fachmann für (direkte) Demokratie ist Herr Meller wohl nicht, sonst hätte er das im Unterschied zur Schweiz leicht erkannt. Und eigentlich hat er mit seiner Forschung erklärt warum die (direkte) Demokratie das für Menschen Normale darstellt und das ist was sie glücklich macht. Und eben nicht die hierarchische Staatsgesellschaft mit charismatischen Herrschern. Deren Zeit ist durch die modernen Naturwissenschaften abgelaufen und wird nur noch durch das Umhertragen inhaltsleerer und sinnbefreiter Montranzen in Form von Generalformeln scheinlegitimiert, so wie am Ende von Aunjetitz die Himmelsscheibe von Nebra. Es wird Zeit auch diese zu beerdigen und zu einem aufgeklärten System von Gleichen unter Gleichen zurückzukehren.

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Der Backfire-Effekt

Kommentar zum Lesch-Video Warum ignorieren wir Fakten? Der Backfire-Effekt

Hallo Herr Lesch, ich weiß ja nicht ob Sie als wissenschaftsjournalistische Allzweckwaffe des ZDF die Kommentare zu Ihren Videos noch selbst lesen oder ob das ein Hiwi für Sie tut oder gleich ganz alles nach /dev/null verschoben wird. Falls das aber irgendwie bei Ihnen ankommt:
Sie machen es sich da mMn zu einfach. Haben Sie auch mal hinterfragt wie diese Überzeugungen in einen Menschen hinein kommen und warum er diese nicht vorher schon kritisch hinterfragt hat? Und warum manche so aggressiv auf andere Meinungen und Ansichten reagieren? Ich will es Ihnen sagen: Ja, es geht um Emotionen. Aber Emotionen verhalten sich nicht irgendwie, mal so oder mal so, sondern gehorchen Gesetzmäßigkeiten, die von der Evolution vorgegeben sind. Und zentral ist in diesem Zusammenhang die negative Emotion, sprich Angst, der Emotion des Überlebens, im Gegensatz zur positiven Emotion, der Liebe, der Emotion des Gedeihens. Beides ist nicht das gleiche nur mit umgekehrten Vorzeichen, sondern prinzipiell unterschiedlich und Angst ist die stärkere der beiden. (siehe „Geist und Gehirn“ Folge „Emotionen – GUT und SCHLECHT“)
Wie kommen nun diese „falschen“ Ansichten in die Köpfe der Menschen?
Einerseits über die positive Emotion des Vertrauens zur eigenen sozialen Gruppe. Der Mensch ist ein hochsoziales Tier, das zum Überleben auf seine soziale Gruppe angewiesen ist, früher noch sehr viel mehr als heute aber genaugenommen ist auch heute ein Mensch alleine in der Natur nicht überlebensfähig. Dies hat eine tiefsitzende Angst vor dem Alleinsein bei Menschen zur Folge. Von der eigenen Gruppe ausgestoßen zu werden, bedeutete früher das Todesurteil. Und das ist auch heute noch in uns drin. Mit dem Vertrauen in die und um die Akzeptanz der eigenen Gruppe bemüht, formen wir unser Weltbild passend zu den in unserer sozialen Gruppe vorherrschenden Ansichten. Wenn jetzt jemand mit was ganz anderem, anderen, neuen Ideen kommt und an diesem Weltbild rüttelt, dann aktiviert er diese Angst von der sozialen Gruppe ausgestoßen zu werden. Entsprechend heftig fällt dann die negative Gegenreaktion, der Backfire-Effekt aus.
Es gibt aber auch noch einen anderen Weg wie „falsche“ Ansichten den Weg in die Köpfe der Menschen finden, auch wieder über Emotionen und auch wieder negative. Nämlich wenn uns jemand enttäuscht und das Vertrauen, dass wir in ihn hatten verspielt. Sie kennen den Spruch: wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht! Gerade Ihr Beispiel mit den Impfgegnern passt hier hervorragend: können Sie sich nicht vorstellen, dass jemand nach Contergan-Skandal, Blutplasma-Skandal mit Auflösung des Bundesgesundheitsamtes, Organspende- und anderen Medizin- und Pharmaskandalen am laufenden Band und 50 Toten jeden Tag(!) durch Ärztepfusch (Hälfte vermeidbar, Zahlen der AOK) gegenüber der Schulmedizin und der Pharmaindustrie hyperkritisch eingestellt ist? Sie werden mir sicher zustimmen, dass ich mir vorgenannte, namentliche Skandale nicht ausgedacht habe. Glauben Sie ernsthaft, dass das ohne Folgen für das Vertrauen der Menschen in die Schulmedizin bleibt?
Wenn das Vertrauen einmal weg ist, dann können sie mit noch so viel „richtigen“ Fakten kommen, ohne Vertrauen werden sie nur die Angst, wieder enttäuscht zu werden, und die entsprechende negative Reaktion ernten. „Once bitten twice shy“ oder auch „Fool me once, shame on you. Fool me twice, shame on me!“ wie es im anglophilen Zungenschlag heißt.
Vertrauen muss hart erarbeitet werden, ist aber mit dem Arsch (Profitdenken, Korruption, Menschenverachtung) sehr viel schneller eingerissen als es wieder aufgebaut werden kann.
Denn ein Sprichwort lehrt: Vertrauen kommt zu Fuß und geht zu Pferd!

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Deutschland auf der Europa-Autobahn

Variation eines alten Witzes:

Deutschland (als Autofahrer) auf der Europa-Autobahn.
Plötzlich eine Durchsage im CO2-Abgas-Radio:
„Achtung! Achtung! Auf der Europa-Autobahn kommt ihnen ein
Tempolimit-Geisterfahrer entgegen“
Autofahrer Deutschland: „Was heißt hier einer? Dutzende!“

Tempolimit Diskussion auf goingelectric

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