Klimaschutzziele: Wir schaffen das … nicht!

oder: warum man nicht versuchen sollte die Realität an eine Ideologie anzupassen.
oder: warum ich trotzdem klimaschutzfreundliches Verhalten persönlichen für sinnvoll halte und im Rahmen meiner Möglichkeiten umweltschädliches Verhalten auch in dieser Hinsicht zu vermeiden versuche.

Falsch zugeordnetes Zitat:

Reichtum ist die leiseste Sache der Welt

Wir alle

Und es geht nahtlos weiter mit Leuten, die versuchen die Realität an ihr Weltbild anzupassen und in der Folge nicht den geringsten Selbstzweifel haben. Nur diesmal nicht ganz so plump und durchsichtig wie der weltbeste(!) Motorenkonstrukteur beim infosperber, sondern mit vielen richtigen, aber leider unvollständigen Beobachtungen und den falschen Schlüssen daraus.

Ich verfolge am Rande auch das Thema Astronomie, so wie damals die Fernsehserie „alpha-centauri“ mit Harald Lesch. Konkret den Astrodicticum Simplex Blog von Florian Freistetter, seines Zeichens promovierter Astronom und seine Serie: „Die neuen Klimamythen„. Insgesamt 13 Teile inkl. Einleitung und Fazit. Vorweg so ganz falsch ist das nicht was er schreibt, allerdings auch nicht ganz richtig bzw. als Astronom scheint er wenig Ahnung von Politik bzw. hier eine ideologisch gefärbte, die großen Verursacher verschleiernde Weltsicht zu haben und Klimaschutzziele sind eben auch und gerade eine politische und soziale Frage. Ich werde jetzt bis auf Teil 12 nicht auf jeden einzelnen Teil en détail eingehen und nur grob zusammenfassen was ich von den jeweiligen Teilen halte bzw. wo ich die Schwachpunkte sehe:

Teil 01: Einleitung
Teil 02: Um die Klimakrise zu lösen, muss das Bevölkerungswachstum gestoppt werden (erscheint am 05.07.2021)

Ein generelles Problem ist, dass Herr Freistetter sich immer die dümmsten Argumente heraussucht und dann ebenso einseitig und mit Scheuklappen dagegen argumentiert, was nicht schwer fällt. Die Frage des Bevölkerungswachstum muss man eigentlich auch so beantworten, dass es nur ein kleiner, vorwiegend sehr reicher Teil der Menschheit ist, der die THG-Emissionen in Vergangenheit und Gegenwart zu verantworten hat. Der größte, ärmere Teil der Menschheit ist nur für einen Bruchteil dessen verantwortlich was die Reichen der Menschheit zu verantworten haben. Und je weiter man nach oben in der Finanzhierarchie geht um so absurder und verschwenderischer wird es, bis hin zu Multimilliardären die eben mal aus Jux und Dollerei sich in den Weltraum schießen lassen. Ganz zu schweigen von einem Staat wie die USA, die sich ein Militär leisten, das den THG-Ausstoß eines ganzen Landes wie Schweden hat. Die soziale Frage, die untrennbar mit der Klimafrage ist, kommt bei Freistetter generell zu kurz.

Teil 03: Kernkraft ist nötig, um die Klimakrise zu bekämpfen (erscheint am 07.07.2021)

Diese Ansichten teile ich weitestgehend. In meinem Blog hier komme ich zu ähnlichen Schlüssen hinsicht der Kernkraftnutzung und ihrem realistischen Anteil am Klimaschutz.

Teil 04: Sternengeschichten Folge 450: Kippelemente im Klimasystem (erscheint am 09.07.2021)

In dem Teil geht es nicht wirklich um Klima“mythen“.

Teil 05: Die Kernfusion wird die Klimakrise für uns lösen (erscheint am 12.07.2021)

Das gleiche in grün, wie die Kernspaltung und wie alle anderen Wundertechnologien für den Endsieg über die Klimakrise.

Teil 06: Das Klima ist so komplex, dass man den Modellen der Forschung nicht vertrauen kann (erscheint am 14.07.2021)

Sehe ich ähnlich. Wissenschaft macht zwar viele Fehler, ist nicht frei von menschlichen Schwächen und wir irren uns empor, aber es ist methodisch das Beste was wir hinsichtlich der Erkenntnis der Naturgesetze haben. Ich habe allerdings den Vorteil selbst ein naturwissenschaftliches Studium abgeschlossen zu haben und daher vielleicht etwas mehr Verständnis für eine wissenschaftliche Vorgehensweise.

Teil 07: Sternengeschichten Folge 451: Der Treibhauseffekt auf anderen Himmelskörpern (erscheint am 16.07.2021)

Auch kein Teil in dem es um „Mythen“ geht

Teil 08: Elektro- und Wasserstoffautos sind die Lösung für die Klimakrise (erscheint am 19.07.2021)

Über die Unsinnigkeit einer technologischen Wasserstoffnutzung habe ich mich ja in diesem Blog schon des öfteren ausgelassen.
Und zum Elektroauto als Klimaretter habe ich mich ja gerade geäußert.
Also im wesentlichen das Gleiche und teilsweise identische Gedankengänge.

Teil 09: Solange wir das CO2 nicht aus der Atmosphäre entfernen können, brauchen wir mit dem Klimaschutz gar nicht anfangen (erscheint am 21.07.2021)

Auch hier gehe ich mit Freistetter weitestgehend d’accord. Treibhausgase erst in die Luft pusten und sich verteilen lassen um sie dann wieder energieaufwändig heraus zu filtern ist ungefähr so sinnvoll wie Salzgewinnung in dem man Salz erst in Wasser auflöst um danach das Wasser wieder aus dem Salz heraus zu kochen (oder durch eine Entsalzungsanlage zu schicken).

Teil 10: Sternengeschichten Folge 452: Die Keeling-Kurve (erscheint am 23.07.2021)

Auch kein Mythen-Teil.

Teil 11: Was Deutschland (Österreich) tut, hat auf das globale Klima doch keinen Einfluss (erscheint am 26.07.2021)

Auch hier weitestgehende Übereinstimmung. Es ist klar, dass das Klima eine globale Angelegenheit ist und folglich global gelöst werden muss, so es denn eine Lösung gäbe. Und die Staaten haben sich ja 2015 in Paris zu den Klimazielen – zumindest moralisch – verpflichtet. Sofern man das ernst nimmt, hat jeder seine Hausaufgaben zu machen. So zumindest die Theorie.

Teil 12: Es ist doch eh längst zu spät, etwas gegen die Klimakrise zu unternehmen (erscheint am 28.07.2021)

Dieser Teil verdient mehr Aufmerksamkeit, denn hier verlässt Freistetter das wissenschaftlich-technologische Terrain und begibt sich in die Politik und Psychologie, worin er aber nicht allzuviel Erfahrung und Wissen zu haben scheint, was er aber durch ideologische Argumentation und rabulistische Tricks zu verschleiern versucht um keine Zweifel an seiner Position aufkommen zu lassen, ebenso wie die Verschleierung der großen „Player“ wenn es um die THG-Emissionen geht.

Als erstes fällt auf, dass er sehr häufig unspezifisch von „wir“ spricht. Das scheint er bei unserer sozialistisch sozialisierten „Wir schaffen das“-Kanzlerin abgeschaut zu haben. Damit unterschlägt er stillschweigend, dass die Menschheit nicht als monolithischer Block agiert, sondern vielerlei konträre Interessen vom Einzelnen bis auf geopolitischer Staatenebene das Handeln mitbestimmen. Es gibt kein globales „Wir“. Das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn er davon spricht was „wir“ alles können sollen und was nicht.

Wir können das beim Pariser Abkommen beschlossene Ziel, die Erwärmung der Erde gegenüber der vorindustriellen Zeit auf 1,5 Grad zu beschränken, noch erreichen.

Dieser Satz ist so ziemlich eine Nullaussage. Es ist unklar wer „wir“ sein soll und ebenso was mit „erreichen können“ gemeint ist. Wir, die ganze Menschheit? Wir, als Nationalstaat? Wir in der WG? Wir, plurale majestatis? Und „erreichen können“: theoretisch? praktisch? realistisch? und wenn ja, unter welchen Handlungs-Prämissen vom Einzelnen bis in die Politik.

Mittlerweile ist es nicht mehr einfach, dieses Ziel zu erreichen. Aber es ist nicht unmöglich. Wir müssen halt JETZT SOFORT anfangen, etwas zu tun.

Diese Durchhalteparole, dass wir „SOFORT“ (hat ihm jemand eigentlich mal gesagt, dass fette Buchstaben wie schreien klingt? aber Computer und Internet ist ja auch nicht sein Fachgebiet) handeln müssen, höre ich schon seit Jahren. Und was hat es bewirkt? Nichts! Das sind Sonntagsreden wie in der Kirche, die niemanden erreichen und die die Erfahrungen aus der Vergangenheit komplett ausblenden.

Wir haben das CO2 ja auch alle gemeinsam in die Atmosphäre gebracht. … Und wir müssen auch alle gemeinsam wieder einen Weg dort raus finden.

Gegen dieses „wir“ werden sicher einige Länder der sogen. „Dritten Welt“ entschieden Einspruch erheben. Und gleichermaßen kann jeder auf jeden mit dem Finger zeigen, der es noch doller getrieben hat oder immer noch treibt. Dieses „Wir“ hat was von „Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren“. Warum sollte ich das ausbaden, wenn mein Nachbar mit dem SUV und 200 Sachen über die Autobahn donnert? Oder den CO2-Fußabdruck eines durchgeknallten Milliardärs mir zu eigen machen? Hier wird der Mangel an Beantwortung der sozialen Frage und wer mehr und wer weniger Verantwortung auch finanziell trägt deutlich.

Wir alle sind – zum Teil – “die Politik” und “die Wirtschaft”. Wenn wir in ausreichender Zahl darauf bestehen, bestimmte Produkte nicht mehr zu kaufen und dafür andere schon, dann hat das Auswirkungen auf das, was “die Wirtschaft” produziert. Wenn wir in ausreichender Menge die eine Partei wählen und die andere nicht, ändern wir “die Politik”.

Wieder dieses „wir“, jetzt sogar „wir alle“. Ja, ich kann mich entscheiden: kaufe ich ein Auto oder nicht? und wenn ja welches? ein sparsames Elektroauto oder ein Verbrenner-SUV, das über 10Liter auf 100km säuft. Aber schon bei meinem Nachbarn hört dieser Einfluß auf, ob und welches Auto er kauft. Beim automobilen Schwanzvergleich in der Nachbarschaft gilt ja immer noch das Prinzip „Größer, schneller, schwerer und mehr Wumms“. Und ob „wir“ als Wähler die Politik ändern können, das bezweifle ich stark und nicht mit den schlechtesten und sogar wissenschaftlichen Argumenten.
Erst wenn wir so etwas wie eine (direkte) Demokratie, wie der Schweiz haben, dann kann der Einzelne sagen „L’etat c’est moi!“ und auch dann die Verantwortung dafür übernehmen. Aber solange wir von der Politik wie unmündige Kinder entsprechend herablassend behandelt werden und nur als Wahlvieh etwas taugen, ist ein demokratischer Einfluß des Volkes auf die Politik eine hohle Phrase.

Die Politik und die anderen entscheidenden Gremien der Welt müssen handeln

Ein weiteres rabulistisches Wort, das Wort „müssen“. Also wenn man früher meinem Vater gesagt hat, was er alles müsse, hat er immer geantwortet: wenn ich was muss, dann aufs Klo. Und viel mehr „müssen“ unsere lieben Politiker auch nicht, denn eine effektive (direktdemokratische) Kontrolle dessen was die Politiker tun durch das Volk gibt es hierzulande und auch in Österreich nicht. Dieses „müssen“ ist nur der Ausdruck einer faktischen, aber negierten Ohnmacht und der klägliche Versuch die Realität an die eigenen Vorstellungen anzupassen, womit wir uns im Bereich der (Klimaschutz-)Ideologie befinden.

Woraus aber ebenso wenig folgt, dass wir als Individuen das nicht tun müssen und vor allem nicht folgt, dass wir diese Handlungen nicht einfordern können.

Fordern können wir viel. Nur einfordern können wir von der Politik nichts. Mehr als Bettelbegehren (aka Petitionen) bzw. unverbindliche „Volksbegehren“ (Österreich) sind als „Druckmittel“ gegen unwillige Politiker nicht vorgesehen. Und wie sehr sich Politiker, einmal gewählt, an das halten was sie vor der Wahl versprochen haben … Wählen bedeutet den Politbock zum Gesetzesgärtner zu machen. Wer das nicht erkennt, der lebt vermutlich in einem parallelen Universum oder lügt sich selbst in die Tasche.

Sieht man sich die Liste an, dann steht an erster Stelle der effektiven Maßnahmen der Verzicht auf ein Auto. Das spart pro Jahr und Person im Schnitt 2,5 Tonnen CO2-Emissionen.

Mittelwerte ohne Standardabweichung, sind ungefähr so sinnvoll wie eine mittlere Tagestemperatur im Wetterbericht. Ob und wieviel Abweichungen es da nach oben oder unten gibt bleibt vollkommen intransparent.

Würden wir alle auf unsere Autos verzichten, würden wir alle die unnötigen Flugreisen sein lassen, und so weiter: Dann hätte das einen relevanten Einfluss auf das Klima.

Würde, müsste, hätte … alles Konjunktive oder auch Irrealis genannt und genauso realistisch ist das auch. Pikanterweise schreibt er nur bei Flugreisen „unnötig“. Welche Flugreise ist denn wirklich nötig? Ich bin einmal in meinem Leben „in den Urlaub“ geflogen, also mit einem Verkehrsflugzeug. Aber als „nötig“ oder „notwendig“ würde ich das nicht betrachten.
Aber das ist wieder der Mythos der durch eine gemeinsame Willensbildung monolitisch handelnden Menschheit. Die gibt es aber nicht. Dazu befinden wir uns politisch noch im Mittelalter. Und da auf eine systemische Besserung zu hoffen kann ich nach über 25 Jahren Engagement für (direkte) Demokratie in Deutschland nur konstatieren: wenn sich in den nächsten 30 Jahren so viel tut wie in den letzten 30 Jahren (und davon ist auszugehen), dann kommt das wie jede Wundertechnologie garantiert zu spät. Dagegen haben Korruption und Vetternwirtschaft immer Konjunktur – auch und gerade auf Kosten des Klimaschutzes.

Aber, und auch das ist wissenschaftlich untersucht: Wir Menschen orientieren uns an anderen Menschen. Dort wo eine Person ein klimafreundliches Leben führt, sind andere eher bereit, sich auch so zu verhalten.

Meine höchstwissenschaftliche Lebenserfahrung in meinem sozialen Umfeld kommt zum gegenteiligen Ergebnis. Dass meine Familie schon seit Jahrzehnten vegetarisch bzw. vegan lebt hat niemanden beeindruckt. Im Gegenteil: Unverständnis und soziale Ausgrenzung war die Regel, selbst in der vegetarischen Jugendgruppe. Auch mein Elektroauto hat niemanden nachhaltig beeindruckt. Andere Elektroautofahrer treffe ich nur an der Ladesäule. Ökostromanbieter, das Gleiche. Ökologischer Garten, das Gleiche. Komposttoilette, das Gleiche. Japanisch Heizen, das Gleiche. Selbst innerhalb der Familie sind dem enge Grenzen gesetzt, vor allem wenn es unbequem oder eben wie von Freistetter gefordert mit Verzicht verbunden ist.

es braucht den Willen aller einzelnen Menschen

Was es nicht alles braucht. Dumm nur, dass es auch Menschen gibt, die nur auf ihren Vorteil bedacht sind. Die wenigsten handeln rein altruistisch. Solange es individuell verschiedene Interessen gibt und kein politisches System, das eine demokratische Entscheidung in die eine oder andere Richtung erlaubt, die mehrheitlich vom Volk getragen wird, wird es diesen Konsens nicht geben. Konsens ist Nonsens.
Freistetter verschleiert hier – wissentlich oder unwissentlich – dass es gerade die „Big Five“ sind, die für den Großteil der THG-Emissionen verantwortlich sind:
Politik, Militär, Wirtschaft, Reiche und Luxuskonsum.

Und es braucht die großen, politischen Entscheidungen. Und genau die können wir auch als Individuen mit beeinflussen. Greta Thunberg ist das beste Beispiel dafür …

Ab hier wird es richtig krude und realitätsfremd. Ausgerechnet Greta Thunberg soll das beste Beispiel sein? Was hat sie oder ihre Klimabewegung denn politisch signifikant bewegt? Also ich kann da zumindest in Deutschland keinen politischen Durchbruch erkennen, nicht mal ansatzweise. Sie reden nur alle sehr viel und zerreden alles. Und hinterher: business as usual. Außer Spesen nichts gewesen.

Die Klimakrise ist noch nicht durch. Es ist tatsächlich noch nicht zu spät. Wer sagt, es gäbe keine Hoffnung mehr, hat entweder keine Ahnung oder will nur von den Maßnahmen ablenken, die wir ergreifen müssen.

Man kann Herrn Freistetter nicht hindern von sich auf andere zu schließen. Dass er von Politik und Psychologie keine Ahnung hat, demonstriert er jedenfalls eindrucksvoll. Und mit seinen rabulistischen Tricks will er nur davon ablenken, dass die Menschheit die Klimalatte von Paris da bis heute viel zu wenig Anlauf reissen muss bzw. aufgrund der Erfahrung in der Vergangenheit die von den Staaten vereinbarten Klimaschutzziele nur noch theoretisch erreichbar sind. Und er will von den „Big Five“ ablenken.

Verzichtet doch mal auf das Auto.

Da soll Herr Freistetter mal hierher kommen, im Winter bei -10°C Außentemperatur und dann bei Eis und Schnee 11km einfache Strecke mit Fahrrad und Anhänger den Familieneinkauf erledigen. Er kann es auch gerne mit dem ÖPNV, sprich Bus, der am Wochenende gar nicht fährt, versuchen. Oder jetzt im Sommer ökologisch korrekt 3ha Wiese mit der Sense mähen. Oder im Herbst acht Zentner Mostäpfel ohne Auto und Anhänger zur nächsten Mosterei fahren und den Saft zurück. Das möchte ich erst mal alles von Herrn Freistetter erledigt sehen und ob er dann noch Autoverzicht predigt. Wer städtisch urban lebt, keine Garten und keinen Beruf in dem er auf ein Auto angewiesen ist, der hat gut reden. Da kann ich das auch. Aber wie wärs, soll Herr Freistetter doch einmal ein Jahr lang seine Miete, die irgendeinen Immobilienbesitzer fett füttert, nicht zahlen. Oder auf seine – vom Vermieter vorgegebene – fossile Heizung verzichten. Das ist ähnlich „realistisch“.

Das sind politische Entscheidungen und die kann man beeinflussen! Man kann sich engagieren, man kann demonstrieren und man kann protestieren.

Nur entscheiden können „wir“ eben nicht! Und das ist das Entscheidende. Politisch entscheiden in dieser institutionellen Diktatur eben immer andere: Politiker, Bürokraten, Richter, Lobbyisten.
Passend dazu diese Karrikatur, die zeigt was passiert wenn man nur demonstrieren und protestieren kann.

Es gibt genug Menschen, die genau das tun, und die man unterstützen kann.

Abgesehen davon, dass es verschwendete politische Energie ist und bestenfalls ein mediales Strohfeuer ergibt, sich mit demonstrieren und protestieren zu bescheiden: ich habe die Erfahrung gemacht, dass auch und gerade in solchen Gruppen nicht wenige ihre eigenen Profilneurosen an den anderen ausleben. Selbst dort ist man sich selten einig und entsprechend viel Stress gibt es da.
Bei dem im Artikel eingebundenen Foto von Fridays-for-future „Streik fürs Klima! Wir streiken bis ihr handelt!“ musste ich laut prusten. Ja, dann streikt mal schön bis der Arzt oder der Winter kommt. Das wird die Politik sicher mächtig beeindrucken, wenn ein paar Hanseln „streiken“ (was eigentlich?). Eine echte Lachnummer!

Oder geht direkt in die “etablierten” Partien: Sie sind es ja, die derzeit die Politik machen. Und dort kann man die Politik auch direkt mitgestalten.

Ja, sicher. Neulinge werden erst mal auf die Ochsentour und Plakate kleben geschickt. So sieht „Mitgestaltung“ in Parteien aus!
Wie ging noch mal die Komparation von Feind: Feind, Todfeind, Parteifreund.

Je mehr Leute in die Parteien eintreten, denen Klimaschutz wichtig ist, desto eher wird dieses Thema mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Nur mit vielleicht, höchst zweifelhaft mehr Aufmerksamkeit ändert sich nichts im und am politischen System und dessen Pseudo-Klimaschutz-Ergebnissen. Dem Klima ist das übrigens auch vollkommen egal.

Das muss jetzt übrigens nicht heißen, dass alle bei den Grünen eintreten sollen! Geht in die SPD, die CDU oder die FDP. Geht zur ÖVP, zur SPÖ oder zu den NEOS (bei den rechtsextremen Parteien ist es wohl eher aussichtslos). Oder welche Parteien in euren Ländern halt eben existieren und wo ihr euch ideologisch zu Hause fühlt.

Ich sehe mich schon in die CDU eintreten … Aber, ja, man muss schon ideologisch verbohrt sein um sich in den korrupten Haufen machtgeiler Politchauvinisten einer etablierten Partei hinein zu wagen. Das System lässt eben nur zwei Sorten von Parteien/Politikern zu: die einen sind korrupt und die anderen bedeuteungslos. Herzlichen Dank für Backobst und solche „Ratschläge“, wie man seine Lebenszeit vergeuden kann, Herr Freistetter. Aber schon sehr bezeichnend, dass er jedem eine Ideologie unterstellt. Naja, man kann niemanden hindern von sich auf andere zu schließen.

Wenn ihr keine Zeit dafür habt, dann spendet den Organisationen Geld.

Einen Haufen korrupter Profilneurotiker und Vereinsmeier auch noch finanziell pampern? Ich glaub es hackt!

Wenn ihr kein Geld habt, dann fragt, wie ihr ansonsten helfen könnt.

Außer willigen Spendern und gehorsamen Parteisoldaten wird dort keine „Hilfe“ benötigt.

Wir haben noch eine Chance. Wir dürfen allerdings nicht mehr warten. Wenn wir etwas tun wollen, dann müssen wir es jetzt tun!

Wir haben, wir dürfen nicht, wir wollen, wir müssen, wir wir wir. Eher: wirr, wirr, wirr!
In dieser atomisierten, hyper-individuellen Gesellschaft gibt es dieses „wir“ nicht. Dieses „wir“ hat was von „hoch lebe die internationale Solidarität“. Der ganze Artikel strotz nur so vor ideologischen, dogmatischem agenda setting: „denn daraus schliesst er messerschaft, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.“
Der Wunsch als Vater des Gedankens mag zwar verständlich sein, sollte aber nicht den Blick für die Realitäten vernebeln. Das hat schon mal in Großdeutschland (wozu auch damals Österreich gehörte) nicht funktioniert. Auch damals hat man versucht die Realität an die Ideologie anzupassen. Das Ergebnis ist bekannt.
Und auch sollte man sich von Freistetter nicht den Blick vernebeln lassen und die Schuld weg von den Reichen und Mächtigen – die unsichtbar werden – schieben hin zum Einzelnen, der nicht nur selbst klimaverträglich handeln soll, sondern auch noch die Politiker (nicht die wirklichen Drahtzieher hinter den Marionetten) zum handeln bewegen soll.

Teil 13: Fazit und Zusammenfassung(erscheint am 02.08.2021)

Im Westen nichts Neues …

Mein Fazit: es bringt absolut nichts seine politische, finanzielle, psychische oder sonstige Energie in einem aussichtslosen politischen Kampf für mehr Klimaschutz innerhalb(!) des Systems zu verplempern. Ein politisches Engagement für einen Systemwechsel z.B. für echte (direkte) Demokratie wäre zwar sinnvoll, kommt nur leider in der Frage des Klimaschutzes auch zu spät. Ganz individuell kann und sollte man dagegen verstärkt aktiv werden, sprich da wo man selbst entscheiden und selbst effektiv handeln kann. Ganz im Sinne des Prinzips:

Ich will den Mut die Dinge zu ändern, die ich ändern kann.
die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann
und die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden

Die Begründung für klimarelevant verantwortliches Handeln ist bei mir also eine ganz andere. Ich handele klimarelevant verantwortlich nicht weil ich meine damit das Klima zu retten. Ich handele klimarelevant verantwortlich, weil ich erkannt habe, dass der Klimawandel die menschliche Zivilisation, so wie wir sie kennen, ernsthaft bedroht und weil das der einzige(!) Bereich ist wo ich wirklich etwas entscheiden und ändern kann. Das ist gelebte Selbstwirksamkeit, die mir gut tut. Und noch wichtiger: ich bin allen profitgeilen, konsum- und klimawandekantreibenden @®$©ħłö©ħ€®n ein PITA. Bekanntlich ist das in einer Welt voller @®$©ħłö©ħ€® der Traumjob. Und ja, das macht mir Spaß mich der Profitwirtschaft so weit es geht zu entziehen bzw. meinen Konsum als wirtschaftliche Waffe einzusetzen.

Würde ich versuchen über Demonstrationen, Proteste, wählen gehen, Engagement in Vereinen, Verbänden oder gar politischen Parteien Klimaschutz zu betreiben würde ich versuchen Dinge zu ändern, die ich nicht ändern kann und früher oder später nur frustriert sein. Das tut mir nicht gut und deswegen tue ich es nicht. Das mag sehr egoistisch klingen, ist es auch. Aber es ist ein gesunder Egoismus, denn wenn es mir schlecht geht, dann ist erst Recht niemandem geholfen, weder mir noch anderen, noch dem Klima. Geht es mir dagegen gut, ist meine Psyche also einigermaßen in Ordnung, dann ist zuerst mal mir geholfen, dann kann ich anderen helfen z.B. in einer Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatt anderen bei klimafreundlicher Mobilität helfen. Das große Rad drehen zu wollen oder gar die Menschheit vor der Klimakatastrophe zu bewahren, kann früher oder später nur entweder frustrieren oder man muss sich selbst in die Tasche lügen. Beides tut nicht gut.
Deswegen und nur deswegen ist das was ich tue auch häufig klimafreundlich. Ich sehe mich auch nicht als „Vorbild“, auch aus der Erfahrung heraus, dass es nichts bringt ein solches sein zu wollen. Die anderen Menschen machen eh was sie wollen oder denken sich meistens gar nichts dabei was sie tun. Als PITA habe ich eher das Motto: „Schaut her wieviel klimafreundlicher ihr hättet leben können und wenn alle das gemacht hätten, was sie hätten machen können, dann wär uns das was wir jetzt haben und noch kommen wird vielleicht erspart geblieben“. Das genügt mir als Genugtuung. Aber Hoffnung, dass die Menschheit klimatechnisch noch mal die Kurve kriegt, habe ich keine und nach dem Gesagtem meiner Ansicht nach auch zu Recht.

Auf Telepolis ist gerade ein passender Artikel erschienen, der in ähnlicher Weise wie mein Beitrag hier deutlich macht, dass es dieses „wir“ nicht gibt bzw. dies nur eine rabulistische Verschleierungstaktik darstellt um diejenigen auf deren Konto das Meiste der THG-Emissionen geht, die „Big Five“, mit diesem „wir“ unsichtbar zu machen und den schwarzen Peter dem Einzelnen und seinem Verhalten zuzuschieben:
CO2-Fußabdruck: Wie ein PR-Trick von den Machern des Klimawandels ablenkt

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Glückliche Konsumsklaven: „Nie wieder ein Elektroauto!“

Nachdem ich mich vorgestern über den weltbesten(!) Formel-1-Motorenkonstrukteur und den infosperber mit seinem Schreiberling, die uns erklärt haben warum Elektroautos angeblich Mist sind, lustig gemacht habe, etwas Ernsthafteres und Differenzierteres zum Thema, weil das in einer Satire meist etwas zu kurz kommt.

Erst mal das Gegenteil zum infosperber-Pamphlet, das mit den größten Irrtümern über Elektroautos schon mal grob aufräumt:
Wie schlecht sind E-Autos wirklich? Fakten zu den größten Mythenyoutube-Link. Zu E-Maise habe ich eine sehr geteilte Meinung, aber wo er Recht hat, hat er Recht und er redet die Umweltbilanz des Elektroautos auch nicht gnadenlos schön, sondern äußert sich in diesem Video relativ differenziert, wenn man von gelegentlichem rabulistischem Mainstreammedien-Wording absieht, wo man merkt, dass es bei ihm da doch auch links-grüne ideologische Dogmen gibt und er schnell die Contenance verliert, wenn man ihn darauf anspricht; aber das ist eine andere Geschichte.

Aber da sind wir auch schon beim Punkt: die Umweltbilanz eines (Elektro-)Autos. Autos sind generell ein Luxusproblem. Der größte Teil der Menschheit hat vermutlich noch nie ein Auto von innen gesehen, geschweigedenn eines besessen. Autos sind keine globale Mobilitätslösung für 7 Milliarden Menschen, auch keine Elektroautos. Denn auch Elektroautos sind ein energieintensives, in Herstellung und Betrieb¹ umweltbelastendes Luxusprodukt, dass sich auch nur ein kleiner, vergleichsweise finanziell reicher Teil der Menschheit – selbst hierzulande – leisten kann (oder es sich auf Kosten anderer leistet). Und in Folge dessen hat der Formel-1-Motorenfuzzi aus Italien Recht, dass Elektroautos nicht das Klima (für uns) retten werden. Das einzige was Elektroautos retten ist die motorisierte Individualmobilität vor dem Klimaschutz. Das hat auch schon ein renomierter Elektroauto-Blog (Link finde ich gerade nichts, wird evtl. nachgereicht) zugegeben. Elektroautos sind weniger umweltbelastend, signifikant effizienter als Verbrennerautos und können mit deutlich weniger THG-Emissionen betrieben werden, was sie aber eben nicht zu Umweltengeln oder einem Mobilitätskonzept für die ganze Menschheit macht und eben schon gar nicht zum Klimaretter. Das alles sollte man ehrlicherweise als Elektroautofahrer zugeben und heuchlerisches Geschwafel von „Lasst uns die Welt retten“ u.ä. sein lassen.

Nur muss man eben auch den Tatsachen ins Auge sehen: ein Land wie Deutschland ist über Jahrzehnte hinweg eine MIV-Gesellschaft geworden. Symptomatisch dafür ist die immer noch grenzenlose Raserei auf deutschen Autobahnen und auch Landstraßen, trotz 100km/h Tempolimit auf letzteren. Und auch ich konnte/kann mich dem nur schwer entziehen, obwohl ich Autos aufgrund ihrer Umweltbelastung generell nicht mag. Meine Familie hat immer sehr ländlich gelebt und seit ich zurück denken kann, gab es in unserer Familie ein Auto und schon unter den Geschwistern gab es früh die Konkurrenz wer auf dem Beifahrersitz sitzen durfte. Der Führerschein mit 18 war quasi obligatorisch. Es gibt niemanden in meiner Familie der keinen Führerschein und nicht mindestens ein Auto hat. Die letzte war meine Oma. Meine Studienzeit waren die einzigen sieben Jahre meines Lebens in der ich – isoliert betrachtet – ohne Auto gelebt habe und Fahrrad und ÖPNV schätzen gelernt habe, von gelegentlichen Mitfahrgelegenheiten abgesehen. Da lebte ich aber städtisch, mit kurzen Wegen und Bahnhof in der Nähe. Aber schon der Umzug in die Heimat ging wieder mit dem Auto. Mit Bahn und ÖPNV bin ich eigentlich auch gern gefahren und wollte das beibehalten, aber irgendwann hatten es die Bahnangestellten mit ihrer Pedanterie (die schon immer da war) bei mir zu weit getrieben und ich begab mich aus Trotz in die Abhängigkeit von Automobil- und Erdölmafia. Das war ein sehr bewußter Schritt, denn für beide hatte ich noch nie besondere Sympathien und dass ein Verbrennungsmotor die meiste Energie als Wärme abgibt, Benzin und Diesel fossile, umweltbedenkliche Treibstoffe darstellen und aus dem Auspuff kein Rosenduft kommt, war mir schon, aber dort erst so richtig im naturwissenschaftlichen Studium klar geworden. Aber Autofahren war und ist die für mich deutlich stressfreiere Mobilität. Ich habe deutlich mehr Freiheitsgrade im Gegensatz zu Fahrrad und ÖPNV: wetterunabhängiger, schneller, mehr Reichweite und mehr Transportkapazität als das Fahrrad; fahrplan- und personalunabhängig, kostengünstiger, bequemer und auch mehr Transportkapazität als ÖPNV. Dazu kommt jetzt noch beim E-Auto dieses als meine mobile Stromversorgung. Insbesondere die Tatsache, dass ich mich eigenverantwortlich und (suggestiv) selbstwirksam fortbewege und weitestgehend nicht von anderen und womöglich drangsalierendem Personal und AGB des jeweiligen Transportunternehmens ohnmächtig abhängig bin, ist für mich das größte Stress-Plus am Auto. Und das geht vermutlich vielen meiner Generation so und erst die Digital-Na(t)ives-Generation hat da eventuell eine andere Einstellung (aber auch andere Probleme). Das hat natürlich auch seinen Grund, wird doch der ÖPNV gezielt von Politik und Autolobby so stranguliert, dass das Auto selbst für die zum Vergnügen wird, die es eigentlich gar nicht mögen. Push-pull at its best. Das haben Politik und Autolobby sehr gut verstanden. Und nur böse Zungen behaupten, dass – mit Ausnahme von Tesla – die noch immer zu über 90% Verbrennerautos produzierende Automafia, bei Elektroautos die Benutzererfahrung des ersten Eindrucks mit Absicht so schlecht machenyoutube-Link, dass sich Vorurteile und Abneigungen bis hin zu „Nie wieder ein Elektroauto!“ hartnäckig halten. Wer wollte es jemanden angesichts solcher Erfahrungen (Ehepaar strandet mit neuem Elektroauto gleich an erster Ladesäule, da diese nicht funktioniert)youtube-Link auch verdenken. Wir werden also gezielt mit Push-Pull-Methoden da hin getrieben wo uns die Industriemafia als Konsumsklaven haben will. Und wir fühlen uns dabei auch noch als glückliche Konsumsklaven.

Ich wohne immer noch sehr ländlich in Deutschland und ich fahre immer noch Auto und werde das vermutlich auch den größten Teil des Restes meines Lebens tun, so wie meine Eltern, die ja auch Kinder dieses Systems sind, so wie deren Eltern davor usw. usw. Mitgegangen, mitgefangen. Da kann ich noch so sehr mit meinem e-Golf durch die Gegend schleichen und noch so oft überholt werden, weil ich nicht die maximal zulässige Höchst(!)geschwindigkeit (nicht Mindestgeschwindigkeit wie das wohl einige auffassen) fahre, Ökostrom laden und in der lokalen Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatt Fahrräder für Bedürftige wieder herrichten, ich bin und bleibe ein automobiler Konsumsklave und fühle mich dabei noch nicht mal schlecht.

¹ es braucht immer noch viele energieintensive Rohstoffe und Energie zur Hestellung, der Betrieb braucht ebenfalls Energie, Reifen und andere Verschleißteile und nicht zuletzt asphaltierte Verkehrsinfrastruktur mit allen Umweltfolgen.

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Das ist das Ende der Elektromobilität!!111elf!!!

Falsch zugeordnetes Zitat des Tages:

Satiram non scribere difficile est

Mario Illien, Formel-1-Motorenkonstrukteur

Vorher noch kurz einen Check machen … nein, es ist nicht der 1. April.

Infosperber proudly presents by courtesy of Niklaus Ramseyer:
Der weltbeste(!)¹ Konstrukteur von Formel-1-Motoren erklärt uns warum Elektroautos $¢ħ€ı$$€ sind:

Er stellt fest: «Elektroautos sind keine Lösung für das globale Klima.»

Na, wenn der das sagt, dann muss es ja stimmen.

Denn: «Die ganze Effizienz eines Systems ist wichtig, und nicht nur ein Teilgebiet, um das Image zu pflegen und das Gewissen zu beruhigen.» Und noch in den oft betonten «Teilgebieten» sieht es für das Elektroauto vergleichsweise eher schlecht aus: Ingenieur Illien rechnet vor, dass von jener Energie, die zum Laden ihrer Batterien in Elektrizitätswerke einfliesst, die Stromer letztlich gerade mal noch 11 Prozent als Schub über ihre Antriebsräder auf die Strasse bringen. Der viel geschmähte Diesel ist mit über 20 Prozent schon doppelt so effizient. Die Triebwerke der effizientesten Benzinverbrenner bringen es auf 50 Prozent Wirkungsgrad. Es sind die Formel-1-Motoren, bei denen Effizienz über Sieg oder Niederlage im Rennen entscheidet.

Und ich Dummerchen hab mir ein Elektroauto gekauft und bin auch noch total zufrieden damit. Das kann nur mein schlechtes Gewissen sein. Mea culpa. Mea maxima culpa. Mein nächstes Auto wird mit Sicherheit wieder ein Formel-1-Volkswagen.

Der heute bald 72-jährige Illien hat sich sein Leben lang mit dieser Thematik befasst – und seine Erkenntnisse laufend als Konstrukteur in den weltbesten Hochleistungsmotoren umgesetzt

Logisch. Wer sein Leben lang Formel-1-Verbrennungsmotoren konstruiert hat, der muss sich mit Elektromotoren auskennen.

Heute betreibt der Ehrendoktor der Universität Leeds unter dem Namen «Ilmor Engineering» noch eine kleine Forschungs- und Entwicklungsfirma für Motoren.

Für einen richtigen Doktor hat es wohl nicht gereicht. Und dass er um die Existenz seiner Firma fürchtet ist natürlich böswillig erfunden.

Dabei ist Illien es gewohnt, Detailprobleme ganzheitlich und umfassend anzugehen.

Klar, das Klimaproblem lösen wir ganzheitlich mit Formel-1-Motoren für alle 7 Milliarden Menschen auf der Welt.

Dabei ist der «hundsmiserable» (Illien) Wirkungsgrad der E-Triebwerke noch das kleinere Problem: «Katastrophal» wird die Ökobilanz der Stromer erst recht bei deren Produktion und speziell wegen ihrer zentnerschweren Batterien.

Und wer die Wörter „hundsmiserabel“ und „katastrophal“ benutzt ist natürlich über jeden Zweifel oder einem wissenschaftlichen Beweis seiner Aussagen erhaben.

Die NZZ hat am 17. Juli (S. 57) vorgerechnet, was es schon nur zum Bau der Batterie eines einzigen Tesla braucht: 85 kg Kupfer, 56 kg Nickel, 7 kg Kobalt und 6,6 kg Mangan. Das Blatt rechnet vor: Um die Diesel- und Benzinfahrzeuge schon nur in der Schweiz durch Elektroautos zu ersetzen, «würden 40’000 Tonnen Kobalt benötigt – ein Drittel der jährlichen Weltproduktion». Untertitel des Artikels: «Elektroautos haben eine Schwachstelle: Batterien aus Rohstoffen, die weltweit knapp werden.»

Die NZZ beim infosperber wieder mal als wissenschaftlich unumstrittene Quelle der Wahrheit. Diskussion beendet. Case closed.

Er sagt: Die anderen gut 99 Prozent – also weit über eine Milliarde Autos mit meist noch gut laufenden Explosionsmotoren – lange vor ihrer maximalen Lebensdauer staatlich gefördert durch Elektrowagen zu ersetzen, wäre eine gigantische Verschwendung.

Und diese nach wie vor weiter zu produzieren und mit fossilen Kraftstoffen zu füttern ist natürlich keine Verschwendung, weil natürlich in jedem dieser Kfz ein höchst effizienter Formel-1-Motor von Illien steckt.

Und die Batterieproduktion dafür wäre ökologisch nie tragbar. Denn: «Unsere Ressourcen sind begrenzt und wir sollten ein Interesse daran haben, sparsam und vernünftig damit umzugehen.»

Also lieber das unbedenkliche, unbegrenzt verfügbare Erdöl sauber aus der Erde pumpen, um auch noch den Rest der Menschheit mit Illiens Formel-1-Motoren höchst sinnvoll im Kreis fahren zu lassen, während andere dabei zuschauen und sich am säuselnden Klang der Verbrennungsmotoren erfreuen.

Batterieautos, die mit 1000 oder noch mehr PS einen einzigen Menschen in knapp 3 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen, haben mit solcher Vernunft sicher nichts zu tun.

Wieviel vernünftiger ist dagegen doch ein Launch-control-Start eines Formel-1-Rennwagens.

Mit übelsten Folgen für die Umwelt: «Raubbau, Verschmutzung und die Zerstörung von Landschaften und Leben sollten uns im Zusammenhang mit der Elektromobilität beschäftigen», fordert Motorenbauer Illien.

und nicht so viel auf die Umweltfolgen von der Förderung fossiler Brennstoffe schauen. Das lenkt nur von den Gefahren der Elektromobilität ab.

Konkret stellt er fest: «Lithium wird mit Wasser aus dem Gestein herausgespült. Es gibt Vorkommen in Argentinien, Bolivien, Chile oder Peru, also in ziemlich trockenen Gegenden, wo es ohnehin nicht viel Wasser hat. Und nun wird der lokalen Bevölkerung auch noch das Grundwasser für diesen Prozess entzogen. Da wird keine Rücksicht genommen, ganze Täler werden auf den Kopf gestellt.» Und die Batterieentsorgung stellt am anderen Ende der Kette ein weiteres, weitgehend ungelöstes Problem dar: Schon nur von den modischen E-Bikes (im Volksmund böse, aber treffend «Viagra-Velo» genannt) bescherten allein in der Schweiz letztes Jahr 44 Tonnen Altbatterien, die irgendwo entsorgt werden müssen.

Logisch. Die oben erwähnten Tonnen von Kupfer, Nickel, Kobalt und Mangan zu „entsorgen“ macht natürlich Sinn. Machen wir ja mit den Bleibatterien aus den Verbrennerautos ja auch so. Das Wort „Recycling“ ist ja noch nicht erfunden worden. Das verbrannte Erdöl können wir natürlich problemlos im Kreis führen und aus dem Auspuff wieder in den Tank füllen. Für Supereffizient-Illien alles kein Problem.

Angesichts dieser Fakten …

Yup. Beweis durch Behauptung.

E-Mobilität ist höchstens eine partikulare Scheinlösung für begüterte Führungskräfte weltweit.

Logisch. Einen Formel-1-Rennwagen zu fahren ist dagegen die Rettung der Menschheit. Einen Ferrari zu fahren kann sich ja auch jeder leisten.

…während die Ärmsten auf dem Land mit ihren kleinen Dieselfahrzeugen die Zeche zahlen müssen

Wie ich diese Wohltäter der Menschheit, die sich aus der Formel-1-Cockpit oder dem Hubschrauber heraus um die Ärmsten der Welt und das Klima kümmern, liebe. Und diese urbanen Ökofuzzis sind dagegen natürlich reine Egoisten ohne Sinn und Verstand:

Doch marktwirtschaftlich-freisinnig orientierte Lifestyle-Linke und -Grüne meinen auch hierzulande, mit der Verteuerung der Verbrenner-Treibstoffe sei der Umwelt geholfen. Dabei ist dies nicht nur asozial, sondern auch ökologisch unsinnig

Der Fachmann Illien hält klar fest: «Das Vernünftigste ist immer noch ein Dieselauto.» Das gilt insbesondere für Kleinwagen mit Kat, wenn man sie möglichst lange fährt und immer wieder repariert.

Logisch. Die fahren ja auch alle mit Illiens supereffizienten Formel-1-Dieselmotoren. Moment mal …

Illien argumentiert technologisch: «Mir schwebt ein sogenannt serieller Hybrid vor. Also ein Verbrennungsmotor, der im optimalen Wirkungsgradbereich mit synthetischem Kraftstoff Strom erzeugt.»

Hybrid? Das sind doch auch Elektromotoren, oder? Ich dachte der Formel-1-Motor von Illien sei so viel effizienter …

Entscheidend sei dabei, «dass kinetische Energie beim Bremsen und Bergabfahren rekuperiert wird» (wie das bei den Eisenbahn-Lokomotiven teilweise schon geschieht). Also zum Batterieladen verwendet statt in Wärme und Bremsbelag-Abrieb verschwendet wird.

Eisenbahn-Lokomotiven und Batterieladen mit Formel-1-Motoren? Und Elektroautos verschwenden beim Bremsen und Bergabfahren Wärme und Bremsbelag-Abrief? Jetzt bin ich aber doch etwas verwirrt, Herr Illien.

Solarenergie ist auch keine breit anwendbare Lösung. Mario Illien rechnet vor: Um ein einziges Elektroauto im Raum Zürich von November bis Februar mit Solarstrom zu laden, wäre eine Anlage mit 175 Quadratmetern Solarzellen nötig (deren Produktion auch wieder «öko-bilanziert» werden müsste).

Uhhh, auch noch Solarenergie- und Kalenderexperte. Ein Jahr besteht jetzt nur noch aus den Monaten November bis Februar. Und Wind weht in Illiens Welt keiner und ein Stromnetz gibt es auch nicht. Klar. Wozu Windkraftanlagen erfinden, wenn es keinen Wind gibt. Und dass ein Stromnetz überflüssig ist hat schon Thomas Alva Edison mit seinen Gleichstromkraftwerken bewiesen, die er jedem Kunden in den Keller gestellt hat. Das ist ja auch heute noch so.

Auf die Frage, wie er denn die Zukunft sehe, wenn alle nur noch Elektrofahrzeuge hätten (und diese jede Nacht neu laden müssten), antwortet er lakonisch: «Das wird sich von alleine lösen. Dann geht am Abend in den Häusern einfach das Licht aus.»

Auch logisch. War ja auch schon früher so. „Atomkraft oder Kerze“. Und dass ich mein Elektroauto als Notstromversorgung benutze und keinen Notstromgenerator mit Formel-1-Motor von Illien ist nur meiner grenzenlosen Ignoranz geschuldet.

Mario Illien sagt es so: «Brauchen wir täglich Lebensmittel aus aller Welt im Regal? Können wir Dinge wiederverwerten oder reparieren? Braucht bald jeder einen SUV?» Die Fragen stellen, heisst eine ehrliche Antwort suchen.

Yup. Neue To-Do-Liste: statt Elektroauto einen Formel-1-Boliden von Illien, statt das Auto für Nutztransporte zu verwenden, lieber mal öfter auf den Nürburgring und im Kreis fahren, statt jeden Monat die Batterien aus dem Elektroauto entsorgen müssen, den Formel-1-Motor bis zum St.Nimmerleinstag reparieren. Garantiert alles „ehrliche“ Antworten auf die Klimakrise.

Ach, ja, ich vergass: künftig öfter die neue Motorsportpostille infosperber lesen. Keine weiteren Fragen, euer Ehren.

¹ bei „weltbeste“ denke ich immer an den „besten Dampfmaschinenaufpasser der Welt“, dessen glorreiche Karriere mit einer explodierenden Dampfmaschine endete.

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Was macht eigentlich … Jason Scott?

Jason Scott lernte ich vor vielen Jahren über die Kritik an Wikedpedia kennen. Er war einer der ersten, die substanzielle Kritik an Wikedpedia übten. Auch sein Engagement für archive.org und sein Faible für Archivierung passte dazu und zu mir. Beinahe hätte ich ihn sogar mal bei einem Zwischenstop am Frankfurter Flughafen getroffen, was aber irgendwie nicht geklappt hatte. In letzter Zeit hörte ich allerdings wenig von ihm.

Jetzt ist er mir zufällig in einer Meldung über Eric Clapton, der nur vor diskriminierungsfreiem Publikum auftreten will in Form eines Tweets als Reaktion auf Sympathiebekundungen an Clapton über den Weg gelaufen:

If you’re shocked, go look up where in the 1970s, Clapton said so many racist things from the stage, an artists‘ activism and outreach program was founded to counterract him and get the word out that musicians in general were not like him https://t.co/mjqpizzB3d
— Jason Scott (@textfiles) July 21, 2021

Erst war ich skeptisch ob das der Jason Scott ist, den ich kannte. Aber das Kürzel @textfiles war dann doch ziemlich eindeutig. Ich kann ja nachvollziehen, dass ein Archivierungsfreak wie Jason Scott das Gedächtnis eines Elefanten hat. Aber dass er auf ein aktuelles, politisches Statement von Clapton dessen rassistische Aussagen von vor fast 50 Jahren (die dazu unter massivem Alkoholeinfluss stattgefunden haben sollen) als „Gegenargument“ bringt, das ist doch schon arg an den Haaren herbei gezogen. Wenn einem Eric Clapton in 50 Jahren keine geistig-moralische Weiterentwicklung zustanden wird … da hat ja selbst ein Mörder in Deutschland bessere Resozialisierungsaussichten (in den USA bin ich mir nicht so sicher). Zudem ist das natürlich eine quellenlose, verkürzte Darstellung von Scott. Aber wer sich auf Twitter einlässt, der muss sich solche Vorwürfe auch gefallen lassen. Aber wie der Fall Bernhard Lassahn und generell jetzt mit Corona, was die Gesellschaft spaltet, entblöst auch hier ein Intellektueller, der Dummheit nicht für sich in Anspruch nehmen kann, seine rabulistische Schattenseite. Und es bewahrheitet sich einmal mehr die Weisheit: „Je mehr man von einem Menschen weiß, desto weniger will man von ihm wissen“. In dem Sinne muss ich wohl auch alle Leser hier warnen mich näher kennenzulernen. Es könnten Dinge dabei sein, die Ihnen gar nicht gefallen.

BTW falls Scott sich als Text-Freak auf den unsinnigen JavaScript-Zwang bei Twitter eingelassen hat, dann erklärt das warum ich nichts mehr von ihm gehört oder gelesen habe: ich meide Twitter konsequent seit es dort keine JavaScript-frei Mobil-Seite mehr gibt. Und auch schon vorher war das kein signifikanter Teil meines Lebens.
Nur zur Klarstellung: ich verweigere mich JavaScript (wie auch der Gessler-Maske) nicht total. Es gibt Anwendungen wo es Sinn macht oder zumindest könnte oder wo ich der Ansicht bin, dass die negativen Folgen einer Verweigerung es nicht lohnen, sich zu verweigern. Aber Twitter hat ja vollkommen ohne technische Notwendigkeit (was bei einem Kurztext-Dienst auch schwerlich begründbar wäre) den JavaScript-Zwang eingeführt. Und bislang habe ich Twitter nicht wirklich in meinem Leben vermisst. Ist ja auch immer so „form follows function“ und wer JavaScript braucht um einfachen Text darzustellen, der hat meine Ignoranz verdient.

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WTF happened to Telepolis?

Es ist immer wieder lustig Medienkritik auf Telepolis zu lesen, die man 1:1 auf Telepolis übertragen kann. Sabine Schiffer nimmt sich die von rbb, NDR, Studio Bummens und K2H Podcastreihe „Cui bono: WTF happened to Ken Jebsen?“ vor und stellt dabei Fragen, die man auch Telepolis bzw. der heise-Forenmoderation stellen kann:

Die Frage nach transparenten Kriterien für eine solche Maßnahme und eine demokratische oder juristische Kontrolle für solche Eingriffe in die freie Meinungsäußerung stellt er nicht.

und

Hingegen hat die Doktorarbeit von Fabian Prochazka nachgewiesen, dass gerade die fehlende Transparenz und Fehler in den etablierten Medien zu Vertrauensverlust und das Abwandern zu „alternativen Medien“ führen

So auch mit Telepolis bei mir.
Und

Und ja, das sind die Lücken, von denen die sogenannten „alternativen Medien“ leben.

So auch mein Blog – worauf ich gerne verzichtet hätte.

Auch für die Engführung von Themen bietet die Podcast-Serie ein gutes Beispiel, wie auch für kleine manipulative Tricks, die das ganze Projekt am Ende nicht mehr ganz so gut aussehen lassen.

Statt „Themen“ „Kritik an Telepolis“ einsetzen.

Aber, was wenn unwidersprochenes Deplatforming-Schule macht auch gegen andere unliebsame Stimmen?
Vielleicht einmal die eigene?

Telepolis als notorisch defizitäres heise-Projekt sitzt selbst im Glashaus und wirft mir Steinen auf andere Medien um sich.

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