Offiziell: Daimler will Elektromobilitätswende torpedieren.

Da meine kritischen Kommentare bei ecomento.tv nicht mehr erwünscht zu sein scheinen, kommentiere ich erst und (wahrscheinlich) letztmalig eine Meldung von „Ihr Meinung ist uns wichtig“-ecomento.tv, denn von einem Zensur-Medium dieser Art kann man nur abraten.

Daimler-Chef: Elektroautos attraktiver machen, statt Verbrenner „politisch schlechter stellen“

Daimler-Chef Dieter Zetsche hat sich dafür ausgesprochen, Elektroautos attraktiver zu machen statt Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor durch staatliche Maßnahmen von der Straße zu verbannen. Er ist überzeugt, dass Diesel-Fahrverbote der falsche Weg für „die automobile Energiewende“ seien. „Für das Klima sind Resultate wichtiger als Symbolpolitik“, sagte Zetsche der Automobilwoche.

Der Durchbruch von Elektromobilität könne Zetsche zufolge aber nicht erreicht werden, „indem wir Verbrenner politisch schlechter stellen, sondern den Elektroantrieb attraktiver machen.“ Die Verbreitung von Elektroautos hänge laut dem Automanager vor allem von der Infrastruktur sowie der Reichweite, den Ladezeiten und dem Preis-Leistungsverhältnis der erhältlichen Modelle ab.

Für mich ist es damit offiziell: Daimler und Herr Zetsche wollen eine Wende zur Elektromobilität definitiv torpedieren. Es soll billig bleiben mit Verbrennern die Umwelt und die Gesundheit der Menschen zu versauen. Keiner, auch nicht die Reichen bzw. die es sich eigentlich leisten könnten, soll dafür finanziell zur Rechenschaft gezogen werden,
wenn er es krachen lässt. Weiter Billigsprit für die Ferraris und Porsches dieser Welt und natürlich die Hybrid-Daimler mit NEFZ-geschönten Spritverbräuchen. Bitte keinerlei wirksame politische Handlungen wie z.B. eine kontinuierliche Steuererhöhung auf fossile
Kraftstoffe (gerne mit sozialem Ausgleich) oder Fahrverbote in Innenstädten. Bitte nur weiter wirkungslose Symbolpolitik in Form von lächerlichere „Förderung“ von Elektromobilität und dem Ankündigen der großen Wende. Er hat es nur rabulistisch formuliert, dass man glauben soll er wolle das Gegenteil. Und dafür wird er allseits aus der Politik auch noch Applaus, bestenfalls symbolische Kritik und von der jetzigen und kommenden Regierung aus den CDU-Blockparteien gleich welcher Farbe, Unterstützung bekommen. Viel Spaß beim Wählen!

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Die 100 größten Irrtümer über das Wählen

oder: warum Wählen nahe der absoluten politischen Sinnlosigkeit ist.

Da dem Thema Wählen wieder mal kaum zu entkommen ist, selbst schon jetzt wo noch keine Wahlplakate die Landschaft mit ihren gephotoshopten Politfratzen verschandeln und einem das Essen ob des Zynismus der Slogans hochkommt, mal ein ganz eigener Artikel zum Thema, warum ich nicht wähle und das mit voller Absicht und nicht weil ich zu faul oder zu bequem wäre oder nur nicht weiß was ich wählen soll, oder gar vollkommen gleichgültig dem Thema gegenüber stehen würde. Ich werde dies anhand von positiven Aussagen zum Wählen und deren Widerlegung strukturieren.

  1. Wir haben eine Demokratie und die zeichnet sich durch freie Wahlen aus. Wer nicht wählt schadet der Demokratie.

    Ich bestreite, dass das was wir haben de facto eine Demokratie, also eine Herrschaft des Volkes in Form der Gesamtheit seiner stimmberechtigten Bürger ist. Ebenso, dass sogen. „freie“ Wahlen substanziell eine Demokratie ausmachen. Ich bestreite weiterhin, dass die sogen. „repräsentative Demokratie“ eine Demokratie ist bzw. eine legitime Variante davon. Hierfür gibt es mehrere Belege:
    Das Thüringische Verfassungsgericht hat in seinem Urteil von 2001 gegen das Volksbegehren „Mehr Demokratie in Thüringen“ dessen Verbot mit der sogen. „Herzstücktheorie“ begründet. Danach ist das „Volk“ bzw. der Souverän der sogen. „repräsentativen Demokratie“ nicht die Stimmbürger, sondern – Achtung! – die Volksvertreter! Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: diese Demokratie ist höchstrichterlich bestätigt nicht unsere Bürger-Demokratie sondern die der Parlamentarier – oder besser Parlament-Arier, denn wir sind haben nur den Status von Staatssklaven, die arbeiten, kaufen, konsumieren und Steuern zahlen dürfen, aber nichts zu melden haben. Darüber sind sogar schon Fachbücher geschrieben worden in denen das schwarz auf weiß steht. Das ist die geltende Rechtslage, die von allen Verfassungsgerichten übernommen wurde. Das politische Entscheidungsmonopol liegt zu 100% bei den Parlamenten. Volks- und Bürgerentscheide sind in Deutschland politisch bedeutungslos.
    Das ist Fakt und kann jeder überprüfen: Volksentscheide im Bund: Null! Volksentscheide in den Ländern: fast überall auch Null, bestenfalls einstellig, mit wenigen Ausnahmen wie Bayern(!) oder Hamburg, wo aber auch statistisch nur alle Jubeljahre mal ein Volksentscheid stattfindet. Also nix mit Demokratie des Bürgers. Höchstrichterlich bestätigt. Die Demokratie, der man durch Nichtwählen schaden könnte, gibt es gar nicht.

  2. Mit Wahlen werden politische Richtungsentscheidungen durch den Bürger getroffen.

    Hier sollte man sich mal genau fragen, was wird denn konkret bei Wahlen entschieden?
    Auch wenn Parteiprogramme, Wahlversprechen und -kampfslogans und die Bundeszentrale für politische Verblö … äh … Bildung mit ihrem Wahl-o-mat Gegenteiliges suggerieren, so ist doch unstrittig, dass bei Wahlen nur Personen und Parteien bzw. deren Wahllisten gewählt werden. Wahlen sind also reine Personalentscheidungen und keine Sachentscheidungen. Und wie sehr die Politiker, wenn sie erst einmal gewählt sind, sich an das halten was sie vor der Wahl versprochen haben, das wusste schon der alte Bismarck:

    Nie wird so viel gelogen, wie nach einer Jagd, im Krieg und vor Wahlen

    Kann auch jeder, der nicht das Gedächtnis einer Fruchtfliege hat, selbst nachvollziehen, was aus den Versprechungen vor vergangenen Wahlen nach der Wahl wurde.
    Wir habe nämlich nicht nur sogen. „freie“ Wahlen, sondern auch das sogen. „freie“ Mandat und nicht das imperative Mandat. Das bedeutet, dass die Politiker in ihren Entscheidungen nur ihrem Gewissen und nicht dem Wähler verpflichtet sind. Und dass sie ein Gewissen haben, das hat noch niemand überprüft und da habe ich meine Zweifel.
    Ergebnis: durch Wählen hat man als Bürger faktisch Null Einfluß auf politische Entscheidungen. Was die Politiker nachher untereinander in Fraktionen und Koalitionen auskungeln, da hat der Bürger nichts zu melden, kein Veto, kein Volksentscheid, kein gar nichts: Klappe halten und applaudieren. Mehr wird dem Bürger trotz großschwafeligen Reden von „Mitbestimmung“ nach wie vor nicht zugestanden. Auch alles Fakt. Und nicht selten wird das genaue Gegenteil von dem was vorher versprochen oder ins Parteiprogramm gedruckt wurde, gemacht. Nicht mal die Richtung der Politik wird somit durch den Wähler bestimmt. Von daher ist das Postulat einer Richtungsentscheidung durch Wählen reine Makulatur. Wahlen sind reine Personalentscheidungen und hierzulande (Deutschland) bedeutet das eine demokratisch unkontrollierte Blankovollmacht für die gewählten Politiker.

  3. Wer nicht wählt, sorgt dafür, dass die Falschen(TM) im Parlament die Mehrheit bekommen, oder dass die AfD/NPD/Nazi-Parteien o.ä. in die Parlamente einziehen.

    Da stellt sich mir die Frage: wer sind denn die falschen Parlamentarier? Wer hindert CDU, CSU, SPD, Grüne, Linke, whatever im Parlament genauso unmenschliche Gesetze zu erlassen wie es vielleicht die NPD, AfD, whatever tun würden? Wer hat denn so unmenschliche Gesetze wie HartzVI, Agenda 2010, Alg2 oder menschenverachtende Institutionen wie Arbeitsagentur, die Deutsche Rentenversicherung usw. geschaffen, die die Menschen institutionell terrorisieren und drangsalieren? (kann ich aus persönlicher Erfahrung bestätigen) Wer hat denn die Finanzmärkte dereguliert und den Bankern als fette Beute überlassen? Wer verscherbelt das staatliche Tafelsilber an die kapitalistischen Heuschrecken? Wer schaufelt das Steuergeld seinen Amigos in die Taschen? Wer erhöht sich schamlos die Diäten und Pensionsansprüche? Das war doch nicht die AfD oder die NPD. Aber die sollen alles schlimmer machen? Und die etablierten Parteien sind die reine demokratische Lauterkeit? In your face!
    Nicht zuletzt ist es die menschenverachtende Politik eben dieser etablierten Parteien, die die Bürger den rechten Rattenfängern zutreibt. Die AfD ist kein Phänomen, das im politischen Vakuum entstanden ist, sondern aus Unzufriedenheit über die etablierten Parteien, die über die Köpfe der Bürger hinweg entscheiden und deren Interessen ignorieren. Nur, die AfD wählen nützt auch nichts. Deren Wähler sind mindestens genauso blöd wie die von CDU, CSU, SPD, Grünen, Linken, FDP usw. und zwar in der Hinsicht, dass sie nicht erkannt haben, dass nicht das Problem ist wer regiert, sondern das System (Zitat der spanischen Aktion „15. Mai“)

  4. Statt nicht zu wählen, soll man lieber eine kleine Partei wie die Piraten, die PARTEI, Tierschutzpartei o.ä. wählen.

    Die Frage ist nur auch hier: was soll das bewirken? Entweder die Partei scheitert an der 5%-Hürde und dann sind es Papierkorbstimmen, die nur zur staatlichen Finanzierung dieser Splitterparteien noch dienen. Oder sie schaffen irgendwann die 5%-Hürde und dann sitzen sie im Parlament erst mal als Opposition rum. Und dann beginnt der Prozess der Korruption und der Infiltration. Sobald es lukrative Posten zu besetzen gilt und Geld abzuschöpfen ist, kommen die Politprofis aus den Löchern und sägen alle Idealisten sukzessive ab. Wenn sich die Partei dann bis zur nächsten Wahl nicht heillos zerstritten hat, dann ist sie schon so weit korrumpiert, dass sie genauso unwählbar geworden ist wie alle anderen. Klassisches Beispiel: die Grünen, die sämtliche Ideale der sogen. „Realpolitik“ geopfert haben, ironischerweise auch die (direkte) Demokratie. Und jeder Versuch einer neuen Partei demonstriert wie sich die Geschichte wiederholt. Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: die Piraten. Fazit: das System lässt einer Partei nur die Wahl zwischen korrupt oder unbedeutend. Wenn man also einer kleinen Partei etwas Gutes tun will, bloss nicht wählen! Ihr bewahrt sie davor korrupt zu werden oder nachdem viel Porzellan zerschlagen wurde, wieder in der Versenkung zu verschwinden.

    Vom Marsch durch die Institutionen, zum Arsch durch die Institutionen

  5. Besser wählen als gar nichts machen

    Da stellt sich mir die Frage: wie beschränkt muss eine solche defätistische Weltsicht sein, wenn es zum Wählen nur die Alternative „Nichts machen“ gibt? Das geringste soziale Engagement, wie z.B. im Altenheim vorlesen oder Lieder singen, bringt politisch mehr als zu Wählen. Selbst der Heizwert des Wahlzettels übersteigt seinen politischen Wert, den man sogar als negativ betrachten kann, da eine abgegebene Stimme im Form der Wahlbeteiligung als Zustimmungsbarometer zum politischen System interpretiert wird. Unzulässigerweise, aber dafür sind sich die Mainstreammedien nicht zu Schade.

  6. Besser ungültig wählen, als gar nicht wählen.

    Auch hier die Frage: was soll das bitte bringen? Ungültige Stimmen werden aussortiert und nicht öffentlich vorgelesen was jemand eventuell als Protest darauf gekritzelt hat. Die Mühe kann man sich also sparen. Dann noch besser in der Fuzu am Samstag vormittag den Wahlzettel öffentlich verbrennen, filmen und auf youtube stellen. Das gibt dann vielleicht in der Fuzo oder auf youtube noch eine kleine Diskussion und auch die ist politisch schon mehr wert als eine ungültige oder gültige Stimme in der Wahlurne. Also statt am Sonntag ins Wahllokal, lieber sich die Mühe machen einen Tag vorher in die Fuzo mit Sandwich und Flugis verteilen z.B. mit wahlkritischen Sprüchen und Aphorismen für echte (direkte) Demokratie. Und man kann so viel mehr tun, was viel mehr bringt, wenn man nur will z.B. sich aktiv für echte (direkte) Demokratie einsetzen. Klar, der Aufwand steigt, aber von nix kommt nix. Und wer glaubt mit einem Kreuz auf einem Wahlzettel irgendwas politisch zu bewegen, der glaubt auch er könne durch Pusten in Asien einen Taifun auslösen.

    Die Stimmabgabe jedes einzelnen Wählers
    hat also für den Gang der Geschicke eines Volkes
    ebensoviel zu bedeuten,
    wie der Rauch einer Zigarre,
    der sich im weiten Raum einer Wolke beimischt,
    für den Niederschlag eines Gewitters.

    Erich Mühsam (1878 – 1934)

  7. Die Mütter und Väter des Grundgesetzes haben sich für die repräsentative Demokratie entschieden und wir sind damit bisher doch sehr gut gefahren. Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Wohlstand usw. sind alles Errungenschaften dieser „Demokratie“.

    Wenn man natürlich das kommunistische China oder Nordkorea als Maßstab nimmt, dann stimmt das. Wenn man dagegen die Schweiz zum Vergleich hernimmt, dann sieht das schon anders aus. Ist doch nicht so, dass bei uns alles in bester Ordnung ist. Sehr viele Menschen sind unzufrieden mit den Politikern und dem was sie tun. Das kommt doch auch nicht aus dem Nichts. Und gerade die Schweiz zeigt wie es besser geht und zwar mit (direkter) Demokratie. Kurt Felix hat als Wanderer zwischen Deutschland und der Schweiz mal gesagt:

    Deutschland hat ein unglückliches Volk und glückliche Politiker.
    Die Schweiz hat ein glückliches Volk und unglückliche Politiker

    Das Bessere ist der Feind des Guten. Das was wir in Deutschland haben, ist nicht der Weisheit letzter Schluß. Dafür haben wir zu viel Korruption, Lobbyismus und Selbstbedienungementalität bei den Politikern und der Wirtschaft und zu viel unmenschliche Politik.
    Ich empfehle mal jedem, der das nicht glaubt, an einer Landsgemeinde in der Schweiz teilzunehmen und hautnah zu erleben was gelebte Demokratie bedeutet. Wer das einmal erlebt hat, hat eine ganz andere Sicht auf die Demokratie als vorher.

    Im übrigen hatten die Mütter und Väter des Grundgesetzes im parlamentarischen Rat nicht das Machtmonopol des Parlamentarismus auf der Agenda. In den Protokollen des parlamentarischen Rates (Danke an Gerald Häfner, direktdemokratisches Urgestein, der das rausgefunden hat) ist nachzulesen, dass es eigentlich Konsens war, dass dies nicht beabsichtigt war. Der „Fuchs“ Adenauer allerdings hat sie aber alle ausgetrickst. Nach dem Motto „Dat kriege mer später“ hat er zwar Volksentscheide pro forma ins GG aufnehmen lassen (Art. 20 GG „Wahlen und Abstimmungen“) hat aber die konkrete Ausführung der Verfahren im GG mit dem Hinweis, dies nach der ersten Bundestagswahl nachzuholen verhindert. Nur nach der gewonnenen ersten Bundestagswahl wollten Adenauer und die CDU davon nichts mehr wissen und haben eiskalte Machtpolitik betrieben. Und bis heute hat sich da bei der CDU nichts verändert. Ja, die CDU hat alle anderen etablierten Parteien, die wohl oder übel beim Machtpoker mitspielen mussten, wenn sie nicht untergehen wollten, durch den Systemzwang in quasi eine CDU nur mit anderem Anstrich, verwandelt. Egal was man wählt, man wählt immer CDU – nur die Farbe variiert. Wenn es praktisch nur CDU-Blockparteien gibt macht das wählen auch nicht sinnvoller.

  8. Durch Nichtwählen wird nichts besser, werden keine Probleme gelöst.

    Durch Wählen allerdings auch nicht, sondern nur schlechter, wie bereits erläutert. Man macht sich zum willigen Büttel der Politik. Mit dem Kreuz auf dem Wahlzettel bestätigt man seine Selbstentmündigung als Bürger und Souverän. Einen bedeutenderen Akt der freiwilligen Selbstunterwerfung und des gleichzeitigen Selbstbetruges man würde irgendetwas politisch entscheiden, kann ich mir heutzutage kaum vorstellen. Wie sagte schon William Penn:

    Macht das Volk glauben, dass es regiert und es wird sich regieren lassen

    oder Rousseau:

    Sobald ein Volk Vertreter ernennt, ist es nicht mehr frei

  9. Wer nicht wählt, darf sich hinterher nicht über die falsche Politik beschweren!

    Ein in Diskussionen sehr beliebtes Argument, dem scheinbar nur schwer widersprochen werden kann. Der Denkfehler liegt natürlich auch hier wieder in der fälschlichen Annahme, dass Wählen irgendetwas mit Demokratie und Mitbestimmung zu tun habe. Wenn dem so wäre wäre die Aussage korrekt. Die gilt z.B. für alle fairen, und demokratischen Volksabstimmungen. Wenn es aber nur Wahlen und keine solchen Abstimmungen gibt und es keine unmittelbare Kontrolle der Volksvertreter durch den Souverän, also das Volk, gibt, dann mutieren Wahlen zu einer Entmündigungsveranstaltung, dem genauen Gegenteil von Demokratie. Das ist leider für viele schwer begreiflich, dass scheinbar demokratische Wahlen politisch so pervers sein können.
    Dieses Argument beinhaltet auch den Irrtum, dass es sowas wie das imperative Mandat gäbe, also gewählte Politiker irgendwie an den Willen der Wähler gebunden sein. Dem ist wie bereits mehrfach erläutert aufgrund des „freien“ Mandates nicht der Fall.
    Es ist ironischerweise also genau umgekehrt: wer wählt, darf sich hinterher nicht über eine falsche Politik beschweren. Denn er hat ja mit seinem Kreuz eine Blankovollmacht unterschrieben und sich damit mit jeglichem Machtexzess einverstanden erklärt. Dass er vielleicht diesen „Vertrag“ nicht richtig durchgelesen hat, spielt gar keine Rolle. Damit würde er bei keinem Gericht der Welt durchkommen.
    George Carlin (R.I.P.) hat das auf den Punkt gebracht:

    „(…) Ich wähle nicht – weil ich daran glaube, dass, wenn man wählt, man dann kein Recht hat sich zu beschweren. Die Menschen verdrehen das gerne und sagen: „Wenn du nicht wählst, dann hast du kein Recht dich zu beschweren“. Wo ist aber die Logik in dieser Aussage?? Wenn du wählst und du damit verlogene und inkompetente Menschen ins Amt bringst die alles vermasseln, dann bist du direkt dafür verantwortlich. Du hast damit das Problem verursacht, du hast sie ins Amt gewählt, du hast kein Recht dich darüber zu beschweren. Ich auf der anderen Seite, als eine Person die nicht gewählt hat, habe jedes Recht mich so laut wie ich will, über die Sauereien zu beschweren, die diese Menschen verursacht haben die du als Wähler ins Amt gebracht hast.“

    George Carlin – voting is meaningless
    Und wer meint weil er Opposition gewählt hat oder eine linke Splitterpartei sei er damit aus dem Schneider: Irrtum! Wer wählt kann hinterher nicht nachweisen, dass er die Regierung nicht gewählt hat. Schließlich ist die Wahl geheim. Und wer was gewählt hat wird auch nicht pseudonymisiert veröffentlicht, dass man zumindest selbst überprüfen könne dass die Stimme richtig gezählt wurde und man zumindest freiwillig den Nachweis erbringen könnte nicht die „Falschen“ gewählt zu haben. Sorry, aus der Nummer kommt kein Wähler raus, auch nicht die Ungültig-Wähler: mitgegangen mitgefangen. Wer wählt ist für die Regierung verantwortlich, die dabei heraus kommt. Nur ich als Nichtwähler habe den Nachweis mich nicht an diesem pseudo-demokratischen Kasperletheater beteiligt zu haben. Und deswegen darf ich mich beschweren und wer gewählt hat nicht! Aber mit Logik darf man Wählern nicht kommen, selbst wenn die Wissenschaft die rationale Sinnlosigkeit zu wählen beweist.
    George Carlin ist bzw. war meines Wissens der einzige Kabarettist, der sich offen zum Nichtwählen bekennt. Speziell unter den deutschen Kabarettisten ist mir keiner bekannt der ausgesprochen wahlkritisch ist. Halt das Känguru hat sich mal wahlkritisch geäußert. Man muss in Deutschland wohl Schnapspralinen mögen um als Kabarettist auf solch nüchterne Ideen zu kommen.


  10. Ich muss mich für die folgenden „Gründe“ wählen zu gehen fast schon entschuldigen, aber diese werden ernsthaft von namhaften Instititutionen wie der bpb als solche veröffentlicht. Naivität kennt eben manchmal keine Grenzen. Quelle: bpb
    Ich geh wählen …

  11. … weil ich die Wahl habe

    Welche Wahl denn bitte? Wählen ist wie Brot kaufen wollen und aus zehn Sorten Beton wählen zu dürfen. Oder nur Parteien zur Wahl stehen, die am Ende die gleiche unmenschliche, korrupte Politik machen wie die CDU mit dem einzigen Unterschied, dass die Farbe der Partei variiert.
    Schon Friedrich Nitzsche erkannte:

    Letztendlich ist es gleichgültig ob dem Volk eine Meinung befohlen wird, oder fünf Meinungen gestattet sind

  12. … weil ich etwas verändern will

    Ja, wollen darfst du. Nur ob du mit Wählen wirklich etwas veränderst oder du dich nur einer Illusion hingibst, das steht auf einem ganz anderen Blatt.

  13. … weil meine Stimme entscheidend sein kann

    Du entscheidest nur wer dir die nächsten vier Jahre das Fell über die Ohren ziehen darf. Berthold Brecht:

    Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber

  14. … weil wir mitgestalten wollen

    Ja, wollen kann man viel. Nur wie sieht es denn real mit den Mitgestaltungsmöglichkeiten durch Wählen aus? Das ist doch sehr ernüchternd. Bei Wahlen gibt es nichts „mitzugestalten“. Es werden Personen gewählt und sonst nichts. Und die dürfen dann de jure und de facto machen was sie wollen, vor allem das Geld der Bürger einkassieren und wenn nicht in die eigene Tasche, dann in die ihrer Amigos wirtschaften.
    Ist Politikern beim Verschleudern und Veruntreuen von Steuergeld machtlos zusehen „mitgestalten“? Also für mich nicht.

  15. … weil es selbstverständlich ist

    Anmerkung zwischendurch: ich krieg hier bald Lachkrämpfe mit welchen „Argumenten“ die bpb allen Ernstes fürs Wählen wirbt.
    „Selbstverständlich“- was ist denn das für ein Argument? Und wenn es „selbstverständlich“ ist von einer Brücke zu springen, dann machen die das auch, weil es eben „selbstverständlich“ ist? Wer so „argumentiert“, dem ist kritisches, hinterfragendes, reflektiertes Denken und in der Folge verantwortungsvolles Handeln vollkommen fremd. Letztlich bedeutet das nur wie die Lemminge einem Herdentrieb zu folgen. Oder wie meinte jemand mal:

    Um ein gutes Mitglied einer Schafherde zu sein, muss man vor allem eins sein: ein Schaf

    Nichts gegen Schafe im Allgemeinen, aber mehr als „Schaf“ ist in dem „Argument“ nicht drin.

  16. … weil ich eine Meinung habe

    Ja, die hab ich auch. Aber wenn interessiert die bei einer Wahl? Was bleibt denn von dieser Meinung nach der Wahl übrig? Am Arsch die Räuber! Deine Meinung geht den Politikern wenn sie erst mal gewählt sind, vollkommen am Arsch vorbei. Welche Meinung die Bürger haben interessiert keinen gewählten Politiker. Er ist dem Willen der Bürger Dank des „freien“ Mandates nicht mal formal verpflichtet.

  17. …weil ich mitentscheiden will

    Das gleiche wie „mitgestalten“ in grün. Außer wer einem die nächsten vier Jahre das Fell über die Ohren ziehen und sich mit üppigen Diäten und Pensionsansprüchen, für die ein normaler Bürger ein Leben lang schuften muss, zu bereichern, gibt es nichts mitzuentscheiden.

  18. … weil meine Stimme zählt

    Pruuuust! Sorry. Ich kann das nicht ganz nüchtern herunterschreiben.
    Ja, sicher deine Stimme wird hoffentlich im Wahlergebnis korrekt eingerechnet. Obwohl es hierfür keinerlei Überprüfungsmöglichkeit durch den Bürger gibt. Da muss man schon sehr viel Vertrauen haben.
    Aber was zählt die Stimme denn realpolitisch? Nix, außer wer sich auf Kosten der Bürger sich und seine Amigos bereichern darf und wer nicht. Was die Parlament-Arier mit deiner Stimme bzw. ihrem dadurch erlangten Mandat anfangen, darauf hat deine Stimme „Dank“ des „freien“ Mandates Null Einfluß.

  19. …damit ich selbst entscheide und nicht andere über mich entscheiden

    Also das „Argument“ fürs Wählen ist bis jetzt das „Beste“ (Achtung! Ironie!). Perverser kann ein „Grund“ fürs Wählen kaum sein, denn nichts ist richtiger als das Gegenteil: gerade durch das Wählen entmündigt man sich selbst und erteilt den Politikern eine Blankovollmacht, carte blanche genau das zu machen was ich nicht will. Wer Wählen für einen Ausdruck der Selbstbestimmung hält, der darf mir mal eine unbeschränkte Vollmacht über sein Konto geben. Ich werde sein Geld auch ganz „gewissenhaft“ ausgeben.
    Ja, ich weiß, mit den „anderen“ sind die anderen Bürger, die zur Wahl gehen, gemeint und wenn man nicht will, dass die für einen entscheiden, dann muss man eben selbst zur Wahl gehen. Es zeugt allerdings von einer gewissen Doppelmoral, dass Fremdbestimmung durch andere Bürger schlecht, aber durch Politiker gut ist.
    Böswillig könnte man sogar behaupten, dass hier die Bürger gegeneinander aufgehetzt und in Angst voreinander versetzt werden sollen, während die Politiker aus der Schußlinie genommen werden. Das riecht schon nach Demagogie und Volksverarschung. Schließlich hat die bpb diese Bilder ausgewählt.

  20. … weil ich auf mein Recht bestehe

    Ja, was soll denn das für ein „Grund“ sein? Welches Recht? Ein Kreuz zu machen und dann vier Jahre die Klappe zu halten? Brot zu wollen und aus zehn Sorten Beton wählen dürfen? Erst Politiker wählen und dann keine demokratische Kontrolle und keinen Einfluß mehr zu haben, was diese konkret entscheiden? außer in vier Jahren andere Politiker zu wählen, die dann genau da weiter machen wo die alten aufgehört haben? Das Recht als Sklave sich einen Herrn auszusuchen, der einen aber weiter nach Belieben auspeitschen darf? Da fragt man sich welchem Untertanengeist dieses „Argument“ entsprungen ist. Aber nach 300 Jahren preussischer Dominanz und Diktatur in Deutschland scheint der mit Rohrstock, Pulver und Blei ausgetriebene demokratische Geist noch nicht wieder richtig nach Deutschland zurückgekehrt zu sein …


    Die nächsten „Gründe“ fürs Wählen sind der Süddeutschen entnommen. (JavaScript und CSS ausschalten und werbefrei lesen!)

  21. Wählen tut gut!

    Was soll denn das für ein „Argument“ sein? Was mir gut tut, das bestimme ich erstens noch immer selbst und zweitens tut Fremdbestimmung durch Politiker gar nicht gut. Wie schon der oben zitierte Kurt Felix feststellte, macht es das deutsche Volk ganz und gar nicht glücklich von einer Politkaste fremdbestimmt und entmündigt zu werden. Den direktdemokratisch selbstbestimmten Schweizern geht es wesentlich besser und das hat man überall und auch in der aktuellen Hirnforschung festgestellt, dass mehr Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmung Stress reduziert und man mehr Stress hat, wenn man einer unguten Situation einfach ausgeliefert ist.

  22. aktiv die ganz große Politik mitbestimmen

    Hab ich schon ausführlich dargelegt, dass es mit Mitgestalten, Mitentscheiden und politischem Richtungseinfluß durchs Wählen nicht weit her ist.

  23. Jede Stimme zählt

    Hatten wir auch schon. *gähn*

  24. Wählen ist Bürgerpflicht

    Uh, scheinbar war neues, aber auch nur das gleich wie, dass es „selbstverständlich“ sei zu Wählen.

  25. Nichtwählen aus Protest funktioniert nicht. Nichtwählen schadet keiner Partei. Nichtwählen finanziert die NPD u.ä.

    Das ist so wie es im Artikel beschrieben ist meines Wissens nicht richtig. Die staatliche Parteienfinanzierung richtet sich nicht nach dem Prozentanteil der gültigen Stimmen, sondern nach der tatsächlichen Gesamtzahl der Stimmen für eine Partei. Jede Partei bekommt also nur Geld pro Stimme. Das war früher mal anderes, wurde aber nach den diversen Parteispendenskandalen geändert.
    Wer also mit seiner Stimme eine Partei gezielt finanzieren will, soll das tun. Aber es steht dann jedem frei das auch nicht zu tun.
    Und selbst wenn es so wäre wie im Artikel beschrieben, also dass prozentual das Geld verteilt wird und nicht absolut je Stimme und so würden durch Nichtwählen alle Parteien gleichermaßen finanziert, nicht nur die NPD oder AfD. Und das was die etablierten Parteien an unmenschlicher Politik bereits realpolitisch verbrochen haben, das übersteigt alles was NPD und AfD zusammen in den nächsten 20 Jahren schaffen werden. Das rechtspopulistische Getöse ist ja auch nur billiger Stimmenfang. Was NPD und AfD später im Parlament machen ist genauso unberechenbar wie das was die etablierten CDU-Parteien machen werden. NPD und AfD kündigen unmenschliche Politik an, die etablierten CDU-Parteien machen sie garantiert, wie die Erfahrung lehrt.
    Und dass Nichtwählen keiner Partei wirklich schadet, dafür haben die CDU-Blockparteien selbst gesorgt. Diese „Argument“ bestätigt nur die Entmachtung der Bürger durch die Politkaste.

  26. Die Faulheits-Ausrede ist eine faule Ausrede. Wollen Sie anderen überlassen, wer über das bestimmt was sie direkt angeht?

    Ich will überhaupt nicht fremdbestimmt werden, auch nicht durch Politiker. Und ich werde mir sicher nicht den Metzger selbst aussuchen, der mir das Fell über die Ohren zieht.

    Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber

    Selbstentmündigung? Politische Selbstkastration? Nein, Danke!
    siehe auch „andere entscheiden lassen?

  27. Sie können ihre Kompromissfähigkeit in der Wahlkabine testen!

    Dumm nur, dass es die Politiker nach der Wahl einen Dreck schert, welchen Eindruck sie vorher bei mir zu erwecken versucht haben. Wieder mal der Grundirrtum, dass Politiker nach der Wahl das machen was sie vorher versprechen. Urban Priol hat das mal auf den Punkt gebracht:

    Wer glaubt, dass von Politikern irgendeine Rettung für dieses Land ausgeht, der glaubt auch einem Piloten, der im Flieger mit umgeschnalltem Fallschirm durch die Sitzreihen schreitet und den Passagieren verkündet ‚Keine Panik! Ich spring nur schnell ab und hol Hilfe‘

  28. Es geht ausnahmsweise nicht nur um Sie!

    Nein, es geht nicht nur nicht nur um mich, es geht bei Wahlen überhaupt nicht um das was ich oder irgendein Bürger, der wählen darf, will. Es ist blanker Zynismus an das Sozialgefühl und Solidarität zu appellieren, wenn ich dadurch gleichzeitig meine politische Selbstentmündigung und die Blankovollmacht an eine Politkaste dokumentieren soll.

  29. Frische Sonntagsluft tut jedem gut! Zu Hause bleiben gilt nicht

    Die Gesundbeter des toten Pferdes „Wählen gehen!“ müssen wirklich ziemlich verzweifelt sein, wenn sie das ernsthaft als Argument Wählen zu gehen ins Feld führen müssen. Echt armseelig. Kann man so ein „Argument“ überhaupt ernst nehmen? Ich versuch’s mal:
    1. Frische Luft ist nicht nur am Sonntag gut. Wie oben erwähnt lieber einen Tag vorher vormittags in die Fuzu und Flugis o.ä. verteilen und mit den Leuten über die Sinnhaftigkeit des Wählens und dessen was sich hierzulande „Demokratie“ schimpft, diskutieren.
    2. Ob die Luft im Wahllokal so gut tut wie man einst sagte „Stadtluft macht frei“? Da hab ich meine Zweifel, da dort nicht der Duft der Freiheit, sondern der von selbstgewählter(!) Entmündigung und Fremdbestimmung weht.
    3. Ja, den eigenen Arsch sollte man schon hochkriegen, aber wenn man ihn in Bewegung gesetzt hat, ist es vergeudete Energie ihn ins Wahllokal zu begeben. Vor allem wenn er danach für vier Jahre nichts mehr zu melden hat und ihm auch nichts weiter einfällt was er politisch sinnvolles machen kann.

  30. Sie helfen damit der Demokratie!

    Welche Demokratie? Es gibt keine Demokratie, die durch Nichtwählen sterben könnte. Wenn keiner zur Wahl ging, dann wäre endlich mal diesem System die pseudo-demokratische Legitimation entzogen. Wer der Demokratie helfen will wird aktiv für echte (direkte) Demokratie. Das ist aber mehr Arbeit als alle vier Jahre ein Kreuz zu machen.

  31. Oder irgendeinem netten Diktator das Regieren überlassen?

    Wir haben schon eine „nette“ institutionelle Diktatur, die uns die Illusion von Demokratie und Mitbestimmung vorgaukelt. Wer genau das nicht will muss sich was besseres einfallen lassen als ausgerechnet das demokratiepolitisch sinnlose Wählen.

  32. Jedes demokratische Volk hat die Regierung, die es gewählt hat. Und wenn Ihnen die nicht passt, dann wählen Sie halt einen andere oder gründen selbst eine Partei.

    Finde den Denkfehler! Wer bisher aufmerksam mitgelesen hat, der wird ihn schnell finden. Ich mach’s nicht so spannend: es bringt natürlich überhaupt nichts eine andere Regierung zu wählen, die genau da weiter macht wo die abgewählte aufgehört hat. Bislang hat noch keine Partei, das was sie als Opposition lautstark verkündet oder an der Regierung kritisiert hat, dann wenn sie selbst an der Regierung war, substanziell umgesetzt oder rückgängig gemacht. Nicht selten wurde genau das Gegenteil gemacht was vorher versprochen wurde. Aber irgendwie sind die Wahlfanatiker zu keiner Vorher-Nachher-Betrachtung und einer Analyse dessen was man Wahlbetrug nennen könnte (Wenn es nicht legal wäre) im Stande. Bezeichnenderweise.
    Und selbst eine Partei gründen? Ich bitte Sie! Ist das nach allem bisher gesagten überhaupt noch diskutabel? Eine Partei mit der man die Wahl zwischen korrupt und bedeutungslos hat? Mit der man nur seine politische Energie und seine Zeit verschwendet um dann nach 10 oder 20 Jahren wenn einen die „Parteifreunde“ ausgebootet haben mit nichts dasteht? Wie geht noch die Komparation von Feind?

    Feind, Todfeind, Parteifreund

  33. In einer Diktatur oder Monarchie hätten Sie nicht mal die Chance dazu.

    Ja, die üblichen Vergleiche mit der VR China und Nordkorea. Mit der Schweiz und der direkten Demokratie vergleicht es seltsamerweise nie jemand. Man könnte dann ja sehen, dass es wesentlich besser geht.
    Aber über die Schweiz fallen die Schönwetterdemokraten nur dann her wenn mal wieder ein einzelner Volksentscheid nicht so ausgegangen ist, wie sich das das Establishment gewünscht hat.
    So ein böses, niederträchtiges Volk, aber auch diese selbstbestimmten Schweizer.

  34. Wählen erinnert uns daran, dass Politik zwischen den Wahlen nicht aufhört!

    Ja, es ist richtig, dass jedes Handeln auch eine politische Komponente hat. Nur wozu muss ich Wählen um mir das bewußt zu machen? Vor allem wenn Wählen mich daran erinnert, dass ich, was die großen politischen Entscheidungen betrifft, als Bürger überhaupt nichts zu melden habe, nicht mit dem Wahlzettel und auch nicht die nächsten vier Jahre und überhaupt nicht. Da ist der Hinweis auf das allgemeine politische Handeln doch schon wieder im Verdacht von dieser Entmündigung abzulenken und sich dem Verdacht der Demagogie auszusetzen.
    Persönlich möchte ich anmerken, dass ich seit über 25 Jahre aktiv für echte (direkte) Demokratie bin und seit über 35 Jahren Veganer. Ich brauche keine Nachhilfe wie ich politisch aktiv sein kann. Das bin ich schon lange.

  35. Viel Spaß beim Wählen!

    Wie man Spaß daran haben kann, sich politisch selbst ins Bein zu schießen, hab ich immer noch nicht verstanden. Für mich macht Wählen überhaupt keinen Spaß. Im Gegenteil: ich hasse es, so wie ich dieses korrupte, undemokratische, verlogene, volksverarschende System hasse.
    Und um so trauriger stimmt es mich, dass Leute, die diesen Staat und das Handeln der Politik eigentlich ähnlich kritisch sehen, sich beim Thema Wählen zurück ins politische Laufställchen des Systems begeben und dieses und sich nicht (selbst-)kritisch hinterfragen. Ich kann mir das nur durch eine starke Angst vor der Unsicherheit außerhalb des politischen Laufställchens erklären. Ein Laufställchen sperrt ein Kind ja nicht nur ein, sondern es schützt es auch vor den Gefahren außerhalb und dass sich das Kind selbst Schaden zufügt. Aber wenn man als politisch Erwachsener immer noch drin sitzt (und ich rede jetzt speziell von Intellektuellen, die sich auch selbst als gebildet verstehen oder Hochschulabschlüsse haben und keinen Dumpfbacken) dann ist irgendwas schief gelaufen. Glücklicherweise kann man hier mit Information und Aufklärung und dem Willen sich zu bilden mit dieser Angst besser umgehen lernen. Dazu muss man aber auch seine Ängste und Angst-Reaktionsmuster erst mal selbst erkennen lernen und dazu braucht es Mut.

    Wer weiß was Angst ist bekommt mut.
    Und mutig ist der, der seine Angst zu bezähmen weiß


    Weiter geht es mit einem SPDler:
    https://martin-schwanholz.de/content/402302.php
  36. Nicht wählen gehen heißt, die Möglichkeit mitzubestimmen, zu verschenken

    Das hatten wir schon. Wo es nichts mitzubestimmen gibt, kann auch nichts verschenkt werden. Das einzige was der Bürger bei Wahlen verschenkt ist eine Blankovollmacht an das politische Establishment.

  37. Viele mutige Männer und Frauen haben dafür gekämpft, Deutschland zu einem demokratischen Land zu machen

    siehe Demokratie und Väter und Mütter des Grundgesetz
    Die mutigen Männer und Frauen im parlamentarischen Rat haben sich vom Fuchs Adenauer über den Tisch ziehen lassen, so dass der das Machtmonopol der Parteien und des Parlamentarismus etablieren konnte.

  38. Alle Bürgerinnen und Bürger haben das gleiche Stimmrecht – deswegen ist jede einzelne Stimme entscheidend.

    Alle Bürgerinnen und Bürger haben in Deutschland gleich wenig zu melden mit ihrem demokratisch kastrierten Wahlrecht. Es gibt in Deutschland kein demokratisch vollwertiges Stimmrecht, wie in der Schweiz. Dort durften die Frauen zwar bis 1972 überhaupt nicht abstimmen, aber dort mussten sich die Männer davor und beide Geschlechter danach nicht mit einem demokratisch verkrüppelten Wahlrecht wie die Deutschen abfinden.

  39. Wählen heißt Verantwortung zu übernehmen.

    Ja, die Bürger müssen bei Wahlen Verantwortung übernehmen. Und zwar davor und danach müssen sie für jeden Bockmist den die Politiker verzapfen ihren Kopf bzw. Geldbeutel hinhalten. So sieht die „Verantwortung“ für den Bürger aus.
    Wenn jemand fragt wen man wählen wird, eine einfache Gegenfrage stellen:
    Nehmen wir mal an du wüsstest, dass ich ein stadtbekannter Trunkenbold bin, der schon tausend Eide geschworen hat, dass er trocken sei und alles „im Griff“ habe und dabei gestern erst eine Sauftour durch alle Kneipen gemacht hat. Würdest du dem eine Blankovollmacht über dein Konto geben?

  40. Die Politik entscheidet heute über viele Themen von morgen. […] Wer heute darauf verzichtet zu wählen, verzichtet auch darauf, die eigene Zukunft mitzugestalten.

    Geschickt rabulistisch getrennt und verklausuliert, aber entlarvend: gerade weil nur die Politiker die großen politischen Entscheidungen ohne das Volk treffen, kann dieses eben nicht die eigene Zukunft mitgestalten, sondern ist auf Gedeih und Verderb dem ausgeliefert was die Politiker entscheiden. Danke, verarschen kann ich mich selbst.

  41. Wählen ist Teilhabe. Wenn Sie nicht entscheiden, entscheiden andere für Sie.

    Wieder die gleiche Trickserei um das Volk zum Wohle des Machtmonopols der Politkaste gegeneinander auszuspielen.
    Wählen ist Selbstentmündigung. Weder für mich noch für andere gibt es bei Wahlen sachpolitisch irgendetwas zu entscheiden, denn hinterher entscheiden allein die gewählten Politiker und das nur nach ihrem Gewissen, so sie eines haben. Aber ich wiederhole mich, so wie die Wahltreiber ihre leeren Argumente.

  42. Verantwortung zeigt, wer mitgestalten will und zur Wahl geht.

    Ja, wer zur Wahl geht zeigt, dass er bereit ist die Verantwortung für
    jeden Bockmist den die Politiker verzapft haben und verzapfen werden zu tragen. Wie war das noch? „Viel Spaß beim Wählen

  43. Wählen ist ein Privileg. Noch heute wird in vielen Teilen der Welt um Demokratie gekämpft.

    Danke für Backobst. Wieder der Vergleich mit totalitären Dikaturen a la VR China oder Nordkorea. Aber kein Vergleich zur Schweiz. Die Deutschen sind aber auch ein undankbares Volk, dass sie sich nicht damit zufrieden geben nicht mehr in einer totalitären Diktatur zu leben und sie nicht „Unter den Linden“ von der Junta mit Maschinengewehren niedergemäht werden. So eine Frechheit aber auch über den politischen Gartenzaun in die Schweiz zu schauen und dort zu sehen wie es besser und demokratischer zugeht. Ja, ich kann mir leider eine gewisse Ironie nicht verkneifen.

  44. Das Wahlrecht ist ein Ausdruck der Wertschätzung jedes einzelnen Bürgers.

    Was daran wertschätzend sein soll, die eigene politische Entmündigung bestätigen zu dürfen, bleibt wohl auf immer das Geheimnis der Wahl-Befürworter. So wertschätzend wie wenn jemand überfallen und ausgeraubt wird. Da muss das Opfer sich doch auch wertgeschätzt fühlen. Schließlich hat der Räuber es um seine Brieftasche erleichtert.

  45. Wählen ist unser bester Schutz gegen Extremisten. Wer nicht wählt, erleichtert es extremistischen politischen Strömungen einen größeren Einfluss auf unsere Gesellschaft und die Politik zu bekommen. Eine hohe Wahlbeteiligung kann ein böses Erwachen verhindern.

    Das hatten wir auch schon mal oben.
    Das ist Angstmache vor dem was im Kaffeesatz drin steht und eventuell vielleicht geschehen könnte, um das Wahlvieh an die Urne zu treiben. Nur wer schützt uns vor der realen menschenverachtenden Politik der CDU-Blockparteien, die real und konkret am regieren sind? Wer schützt uns vor dem bösen Erwachen alle vier Jahre, wenn nach der Wahl alle Versprechen gebrochen, alle Parteiprogramme in der Versenkung verschwinden und von der neuen Regierung genau da weitergemacht wird wo die alte aufgehört hat, ganz gleich welche Farbe die CDU-Regierungsparteien haben?
    Und vollkommen ausgeblendet wird, dass die etablierten Parteien es sich selbst zuzuschreiben haben, wenn die Bürger scharenweise den braunen Rattenfängern zulaufen. Und zwar weil sie selbst genau die menschenverachtende Politik betreiben, die AfD&Co. nur ankündigen.
    Scheinheiliger geht’s nimmer. Da wählt man doch besser gleich das braune Original. Die sind wenigsten offen und ehrlich menschenverachtend und nicht scheinheilig. Aber das ist wie schon erläutert auch keine Alternative, denn die markigen braunen Sprüche sind auch nur viel Wahlkampfgetöse um Stimmen bei der Wahl zu bekommen. Und wenn die AfD ins Parlament einziehen sollte, dann sitzt sie erst mal so lange in der Opposition bis sie sich entweder selbst demontiert hat oder „koalitionsfähig“ geworden ist, sprich auch eine CDU-Blockpartei geworden ist und alles genauso macht wie die anderen etablierten Parteien zu denen sie ja dann auch gehört.
    Bleibt als Alternative wieder nur: Nichtwählen! aber anderweitig politisch aktiv werden, am besten für echte (direkte) Demokratie. Aber auch jedes andere, kleinste politische Engagement außerhalb des parlamentarischen Hamsterrades ist mehr wert als wählen zu gehen.


    Ja, und damit ist Herr Schwanholz auch schon mit seinem Latein fürs Wählen am Ende. Wie einfach muss man mental gestrickt sein um darauf reinzufallen?


    Weiter geht’s mit dem Kommunalpolitischer Ring Altenburger Land. Erster Treffer bei Google. Warum wählen gehen?
    Die Argumente wiederholen sich jetzt immer wieder irgendwie, aber manchmal ist auch was „Neues“ dabei. Erstes „Argument“:
  46. Weil es unser Recht ist!

    Hatten wir schon.

  47. Weil Demokratie nicht ohne Wähler funktioniert!

    Demokratie funktioniert vor allem nicht ohne Demokratie, als ein politisches System, das nicht nur zum Schein eine Demokratie darstellt.
    Eine Schein-Demokratie braucht nur Wahl-Statisten um den Schein von Demokraitie aufrecht zu erhalten. Wer da freiwillig mitmacht …

  48. Weil Wahlverweigerung gar nichts nützt!

    Nur, Wählen nützt auch nichts, jedenfalls nicht dem Bürger, sondern nur den gewählten Politkern, die sich dann an den Fleischtöpfen der Macht und dem Geldbeutel der Bürger bzw. deren Arbeitskraft schadlos halten.

  49. Jeder, der nicht zur Wahl geht, fundamentiert seinen Unmut, weil er nichts dafür tut, dass seine Schwerpunkte in der Volksvertretung repräsentiert werden.

    Wieder mal der Fundamentalirrtum, dass durch Wählen eine irgendwie geartete Repräsentation von sachpolitischen Interessen der Bürger in den Parlamenten erfolgen würde. Bei Wahlen wird nicht über Sachfragen, sondern über Personalfragen entschieden. Das ist Fakt. Und genauso Fakt ist, dass es das imperative Mandat nicht gibt. Das sogen. „freie“ Mandat sollte man in verantwortungsloses Narrenfreiheitmandat umbenennen, denn letztlich können die Politiker machen was sie wollen ohne mit abschreckenden Konsequenzen rechnen zu müssen. Dass sie nach einer eventuellen Abwahl weich fallen, dafür sorgen sie schon selbst, wenn sie über Diaten und Pensionsansprüche selbst entscheiden und sich reichlich an der Staatskasse der Bürger bedienen.

  50. Weil jede Stimme zählt!

    hatten wir auch schon.

  51. Weil nur vertreten werden kann, wer einen Vertreter wählt!

    Aha, scheinbar ein neues Argument. Aber beim genaueren Hinsehen ist es der alte Mythos der sogen. „repräsentativen Demokratie“ wonach die Volksvertreter, das Volk verteten und in seinem Sinne handeln.
    Dass dem nicht so ist, sondern die Volksvertreter zuerst ihr eigenes Wohl (siehe Diätenerhöhungen und Pensionen) und das ihrer Amigos im Sinn haben, sieht jeder der mit offenen Augen und Ohren die Politik verfolgt. Wie kann man von jemandem vertreten werden, der überhaupt nicht an das was ich will gebunden ist, ja, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden mir mein Geld aus der Tasche ziehen bzw. damit über meine Arbeitskraft verfügt? Das sind schon sklavenartige Verhältnisse in dieser sogen. „repräsentativen Demokratie“.

    Was verkaufen Staubsaugervertreter? … Richtig.
    Was verkaufen Versicherungsvertreter? … auch richtig.
    Und was verkaufen Volksvertreter? … Genau!

    Und dass die Bürger auch selbst über Gesetze und ähnliches entscheiden können, das kommt gar nicht vor.

  52. Weil man damit Verantwortung übernehmen kann!

    hatten wir auch schon mehrfach

  53. Weil man damit aktiv die Politik beeinflussen kann!

    hatten wir auch schon.

  54. Weil andere entscheiden, wenn ich nicht wähle!

    hatten wir auch schon.

  55. Weil auch ungültig gemachte Stimmen eine Aussage tragen!

    hatten wir auch schon.

  56. Auch ein ungültig gemachter Stimmzettel ist eine in der Wahlbeteiligung enthaltene Stimme, also eine Wahlaussage.
    Ein hoher Anteil an ungültig gemachten Stimmen setzt aber an die Politik ein symbolisches Signal – nämlich, dass die Parteien oder Kandidaten es scheinbar nicht schaffen, die breite Bevölkerung zu repräsentieren.

    Die ungültigen Stimmen erhalten noch weniger öffentliche Beachtung als die Nichtwähler. Auch die ungültig Wähler geben ihre Stimme ab und unterwerfen sich dem Entmündigungsritual im Wahllokal. Auch ihre Stimme wandert in die Urne und wird politisch beerdigt.
    Bislang hat noch kein Politiker ungültige Stimmen zum Anlaß genommen seine Politik zu hinterfragen. Bei Nichtwählern auch nicht, aber wozu dann die Mühe machen? Vor allem weil es politisch wesentlich effektivere Mittel gibt seine Ablehnung des Systems und der Parteien Ausdruck zu verleihen wie eben am Tag davor in der Fuzo Flugis verteilen oder mit einem Sandwich herumlaufen (muss nicht als Demo oder Infostand angemeldet werden). Oder den Wahlzettel symbolisch verbrennen. Von einem langfristgen Engagement für echte (direkte) Demokratie ganz zu schweigen. Aber das ist alles zu hoch für die Wahlfetischisten.

  57. Weil eine angemessene Wahlbeteiligung die Einführung einer Wahlpflicht auch dauerhaft verhindert! […] Eine dauerhaft niedrige Wahlbeteiligung wird all denen Recht geben, die ein reelles Abbild der Bevölkerung in den Vertretungen nicht mehr als gewährleistet sehen und die Einführung einer Wahlpflicht fordern, um genau diese Repräsentation des Volkes sicherzustellen. Lassen wir es nicht dazu kommen, uns selbst die Freiheit beschneiden zu lassen.

    Uhh! Und bist du nicht willig so gebrauch ich Gewalt!
    Wenn man keine Argumente mehr hat, dann muss man dem Bürger eben drohen und ihm Angst machen: „Geh wählen, sonst kommt die böse Wahlpflicht“ (eher Wahlzwang, weil Pflicht ist eigentlich immer noch freiwillig, aber das wird seit den Nazis in Deutschland etwas anders gesehen). Den Deutschen muss man eben immer zu seinem Glück zwingen.
    Welch eine erbärmliche Vorstellung von Demokratie, die eine Mangel an Demokratie mit noch mehr Repression und Angstmache beantwortet.

  58. Wer nicht zur Wahl geht, versucht nicht einmal etwas zu ändern – und trägt letztendlich Mitschuld am jeweiligen Zustand der Demokratie.

    Das mag auf die vollkommen unpolitischen, lethargischen Nichtwähler zutreffen. Aber es gibt eben auch die aktiven Nichtwähler wie ich, die sich sehr wohl Gedanken machen und für die Nicht zu Wählen eine bewusste politische Entscheidung ist. Alle in einen Topf zu werfen ist daher unzulässig. Ich hab als ich noch jünger war in Unwissenheit ein paar mal gewählt. Als Minderjähriger war ich sogar neidisch auf meinen großen Bruder der schon wählen durfte. Damals gab es auch noch viel Hoffnung was die Grünen betraf. Dann kam mit Schröder-Fischer die Ernüchterung. Gleichzeitig befasste ich mich mehr mit (direkter) Demokratie und dann habe ich daraus die Konsequenz gezogen.
    Wenn es heute auf dem Wahlzettel wenigstens ein „NEIN“ anzukreuzen gäbe, mit dem man sein Nichteinverständnis mit der Abgabe der Stimme und einer wie auch immer gearteten parlamentarischen Repräsentation zum Ausdruck bringen könnte, dann könnte ich vielleicht noch mal schwach werden. So lässt mir das System keine andere Wahl als die Nicht-Wahl.

  59. Eine Wahl ist eine Richtungsentscheidung, kein Wunschzettel.

    Wenn es wenigstens eine Richtungsentscheidung wäre. Es ist aber wie bereits erläutert nur eine sehr grobe Personalentscheidung und die Abgabe einer Blankovollmacht an eine Politkaste. Mit Sachpolitik hat das gar nichts zu tun.
    Und Nichtwählern eine Wunschzettelmentalität mir nichts dir nichts zu unterstellen, ist doch sehr übergriffig.

  60. Wer nicht zur Wahl geht schwächt damit nicht „das System“, sondern überlässt nur anderen die Entscheidung darüber in welche Richtung sich das Land entwickelt (z.B. Trump oder AfD).

    Dass die Politkaste sich machtpolitisch vom Willen des Volkes institutionell komplett isoliert und abgekapselt hat und man fast gar keine Chance hat etwas zu verändern, kann man nicht den Nichtwählern vorwerfen. Der Politkaste kann es machtpolitisch egal sein ob jemand wählt oder nicht. Die haben sich alle unangreifbar gemacht gegenüber dem Volk.
    In dem Sinn ist es vollkommen gleich-gültig ob man wählt oder nicht. Mit dem einen Unterschied: wer wählt bestätigt noch das System und seine staatspolitische Entmündigung.
    Und so wird es zu einer Frage der inneren Achtung vor sich selbst, ob man wählt oder nicht.
    Und in welche Richtung sich ein Land durch seine Politik entwickelt, entscheidet nicht der Wähler an der Urne, sondern die gewählten Politiker mit der Blankovollmacht in der Tasche aka „freies“ Mandat. Es muss also richtig lauten:
    Wer wählt bestätigt das Unrechtssystem der staatspolitischen Entmündigung und überlässt den so gewählten Politikern die Entscheidung in welche Richtung sich das Land entwickelt. Ob AfD oder eine andere CDU-Partei macht wie bereits ausgeführt nur einen marginalen Unterschied. Ich hab mehr Angst vor den CDU-Blockparteien als vor der AfD.

    Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr des Faschisten
    in der Maske des Faschisten, sondern vor dessen Rückkehr
    in der Maske des Demokraten.

    Theodor W. Adorno

    Aber in viele Köpfe scheint das Feindbild „AfD“ erfolgreich eingepflanzt zu sein, obwohl die nicht viel mehr als markige Sprüche drauf haben. Die realexistierende unmenschliche und korrupte Politik der CDU-Blockparteien wird vollkommen ausgeblendet. Ebenso dass die AfD, so sie in die Parlamente gewählt wird, erst mal in der Opposition sitzen und dem Einfluß des System ausgesetzt sind. Mit Trump das Gleiche: der wurde auch schon von Richtern entsprechend ausgebremst. Das Ergebnis ist das gleiche wie es wohl bei Hillary Clinton gewesen wäre, jedenfalls keine signifikanten staatspolitischen Unterschiede. Noch mal: es ist egal wer regiert, das System ist das Problem. Und deswegen brauchen wir echte (direkte) Demokratie und Menschen, die sich dafür einsetzen. Bei Menschen, die ein Wahlkreuz für eine politische Richtungsentscheidung halten und wohl auch auf jeder x-bliebigen gut klingenden unverbindlichen Unterschriftensammlung unterschreiben, dominiert der Untertanengeist. Mit denen ist keine (direkt-)demokratischer Staat zu machen.

  61. Es ist völlig legitim ein besseres alternatives Modell zu entwickeln und auszubauen. Aber warum nicht mit der Stimme einmal alle paar Jahre dafür sorgen, dass eine Regierung an der Macht ist, die nicht aktiv versucht dieses alternative Modell zu zerstören.

    Bezeichnenderweise für die Wahl-Befürworter wird nebulös und unkonkret nur von einem „alternativen Modell“ gesprochen. Was das sein soll, wie es konkret funktioniert, welche Erfahrungen es damit gibt – Fehlanzeige. Es spricht für die Naivität dieser Wähler, dass sie von echter (direkter) Demokratie wohl noch nie was gehört haben, geschweigedenn sich damit auseinander gesetzt haben. Sie erwähnen sie nicht mal als mögliches alternatives Modell. Und sie setzen noch eins drauf: mit ihrem Wahlakt wollen sie auch noch eine Regierung wählen, die nicht aktiv versucht dieses wie auch immer geartete Modell zu zerstören. Da sind schon so viele Denkfehler drin:
    1. es gibt durch die Wahl keinerlei sachpolitische Garantien was gewählte Politiker tun oder lassen. Wurde bereits ausführlich erklärt
    2. was haben denn gewählte Politiker gleich welcher Partei, denn in der Vergangenheit für ein solches „alternatives Modell“ getan? Spätestens da löst sich dann alles in Wohlgefallen auf. Denn

    Alle Neuerer, die die Demokratie
    als Sprungbrett zur Macht benützen,
    finden sie lästig, sobald sie zur Macht gelangt sind.
    George Bernard Shaw (1856 – 1950)

    3. Wenn wir mal die (direkte) Demokratie als konkretes alternatives Modell einsetzen: wie sieht denn dann das Verhalten der CDU-Blockparteien in der Vergangenheit aus?
    CDU und CSU sind erklärtermaßen gegen (direkte) Demokratie. Bekannt. Außer sie sind in hoffnungsloser Opposition.
    Die SPDler können sich scheinbar nicht so richtig entscheiden, aber wenn sie in Regierungsverantwortung sind, dann gehören sie zu den stärksten Bremsern der (direkten) Demokratie. Das stellen sie auch immer in den Bundesländern unter Beweis z.B. Berlin
    Die Grünen: ursprünglich war (direkte) Demokratie eines der Kernthemen der Grünen. Mit dem Ausscheiden von Gerald Häfner aus dem Bundestag 2002 ist das Thema komplett von der Agenda verschwunden.
    Die Linke: profiliert sich gerne in der Opposition als Befürworter der (direkten) Demokratie, aber auch nur so lange sie nicht selbst an der Macht sind. Dann ist auch bei den Linken sämtlicher direktdemokratischer Geist verflogen, wie ihre Regierungsbeteiligung in den Bundesländern (Berlin, Brandenburg) beweist.
    Diese Blockade- und Verratspolitik der etablierten Parteien an der (direkten) Demokratie habe ich alles haarklein für die letzten 10 Jahre auf meiner Website zur echten (direkten) Demokratie dokumentiert, für den der es nicht glaubt.
    AfD: posaunt auch laut was von Volksentscheiden usw. Wer das glaubt, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
    Piraten: die wollten die Demokratie mit „liquid democracy“ und einem Haufen IT-$ch€I$$ gleich neu erfinden. Was draus geworden ist, ist bekannt. Die Piraten haben die Unbedeutend-Karte vom Nachziehstapel des Systems gezogen.
    Fazit: Je länger eine Partei und mit ihr dessen Personal diesem System ausgesetzt ist, desto weniger bleibt von irgendwelchen „Idealen“ inkl. „alternativen Modellen“ übrig. Das kann man schon als Verrat bezeichnen. Und als Regierung blockieren sie komplett alles was ihre Macht bedroht. Außer Spesen, nix gewesen.

    Und wer ein solches Argument bringt, der soll doch bitte auch den Nachweis erbringen was er konkret zu einem solchen „alternativen Systemmodell“ beigesteuert hat. Aber der nebulöse, unkonkrete Ausdruck zeigt dass da nichts Konkretes dahinter steht. Wie hinter dem ganzen „Argument“.

  62. Wer nicht wählt ist ein ArschlochWeil er die Demokratie gefährdet. Wenn ich das immer höre: Die Roten sind scheiße, die Schwarzen und die Grünen auch, alle Politiker sind scheiße. Man muss doch nicht heiraten, sondern bloß wählen.

    Soweit ich in meinem Artikel mich dazu nicht schon geäußert habe, ist es bezeichnend zu welcher Fäkalsprache und Wählerbeschimpfung die Wahl-Befürworter greifen müssen, wenn ihnen die Argumente ausgehen. Dass sowas in der taz auch noch abgedruckt wird, spricht für den „Qualitätsjournalismus“. Und ob es jemanden überzeugt, wenn er als „Arschloch“ beschimpft wird … da habe ich meine Zweifel, vor allem wenn keine sachliche Substanz dahinter ist.

  63. Rechts/AfD/NPD/whatever verhindern!

    Wie schon bereits ausgeführt unterliegt dieses Argument dem Irrtum, dass es durch die Wählerstimme irgendeinen Einfluß auf die nachfolgende Politik gäbe. Was die „Rechten“ nachher machen ist genauso unvorhersehbar wie das was die CDU-Parteien machen – außer, dass es garantiert eine Politik gegen den Bürger bzw. das Volk wird. Es ist daher vollkommen gleichgültig welche Partei man wählt, es kommt immer eine menschenverachtende Politik dabei raus. Die signifikante Bedeutung von Wählen zu gehen besteht also nur noch darin, dass man seine politische Entmündigung als Wähler und das System der institutionellen Diktatur mit pseudo-demokratischem Anstrich bestätigt. Von daher verbietet es mir mein Stolz als des Denkens mächtiger, mündiger Bürger mich derart zu erniedrigen. Noch mal zum mitschreiben, wieso Wählen nahe der politischen Sinnlosigkeit ist. Es gibt folgende Möglichkeiten bei einer Wahl:
    1. eine CDU-Blockpartei (CDU, CSU, FDP, SPD, Grüne, Linke) wählen -> unwählbar, da garantiert menschenverachtende, korrupte Politik. Grüne und Linke haben nur in der Opposition ein großes Mundwerk, als Regierung machen sie jeden Mist mit und verraten ihre Ideale. Merke: eine etablierte Partei hat entweder gar keine Moral oder eine Doppelmoral.
    2. eine unbedeutende, noch nicht korrupte, sich selbst zerfleischende idealistische Splitterpartei wählen wie vielleicht die PARTEI oder die Tierschutzpartei. Abgesehen davon, dass ich für keine dieser Parteien meine Hand ins Feuer legen würde, dass sich innerhalb noch kein Zersetzungsprozess der Korruption in Gang gesetzt hat, beweist gerade das Beispiel der Piraten wie aus idealistischen Anfängen und Erfolgen bei Wahlen am Ende durch parteiinterne Streitereien nichts als ein Scherbenhaufen übrig blieb. Eine gigantische Verschwendung politischer Energie! Und das andere Beispiel sind die Grünen die vom Marsch durch die Institutionen zum Arsch durch die Institutionen wurden. Bislang ist noch jede neue Partei daran gescheitert, dass das System ihnen nur die Wahl zwischen korrupt und bedeutungslos gelassen hat. Daher: auch keine Alternative, denn eine Stimme für eine Partei – egal welche – ist auch nur entweder politisch bedeutungslos oder eine Stimme für die Korruption dieser Partei.
    3. Rechte Protestparteien wie AfD, NPD u.ä. wählen. Ernsthaft? Nun gut, vielleicht liest ja auch das jemand der das ernsthaft in Erwägung zieht. Und AfD&Co. haben zwar viele markige, national-chauvinistische Sprüche drauf, sprechen sich für Volksentscheide usw aus, aber wenn davon – so sie gewählt werden – genausowenig übrig bleibt, dann werden sie genauso zu einer CDU-Blockpartei, die sie jetzt kritisieren. Also auch keine Alternative.
    4. Ungültig wählen. Die Sinnlosigkeit wurde schon besprochen. Finden noch weniger Beachtung als Nichtwähler. Der demütigende Akt der Bestätigung der Selbstentmündigung bleibt. Also auch keine Alternative.
    Was bleibt?
    5. Nicht wählen! Damit schadet man dem System zwar nicht wirklich, denn die Politkaste der institutionellen Diktatur hat sich machtpolitisch vollkommen unangreifbar gemacht. Aber durch wählen eben genausowenig. Was die Systemrelevanz betrifft ist Wählen und Nichtwählen gleichauf. Dennoch hat Nichtwählen zwei entscheidende Vorteile: erstens entfällt der symbolische Akt der Bestätigung der politischen Entmündigung. Und zweitens besteht die Möglichkeit das Nichtwählen selbst zu politisieren und aufzuzeigen wie wenig dieses System und Wahlen mit Demokratie zu tun hat. Am Samstag vorher mit Flugis in der Fuzo, die Leute zum Nachdenken anregen und die große „Demokratie“-Fatamorgana dieses Staates zu hinterfragen. Den Wahlzettel verbrennen, ein Video draus machen und auf youtube stellen. Oder eben sich über echte (direkte) Demokratie informieren und aktiv einsetzen. Und selbst jedes noch so kleine politische Engagement wie eine bewußte Kaufentscheidung bringt mehr als ein Kreuz auf einem Wahlwisch. Letzteres kann man auch wenn man wählt, aber nur wenn man nicht wählt, kann man das Wählen und dessen demokratische Bedeutung bis auf Null hinunter in Frage stellen. Wer wählt gesteht dem Wählen eine demokratiepolitische Bedeutung zu und der ist dann wenig glaubwürdig wenn er dies gleichzeitig in Frage stellt.

  64. Wenn die Bürger nur die Politiker wählen, die ehrlich sind und denen man vertrauen kann, dann wird auch die richtige Politik gewählt

    Ok, das Argument pro Wahl hab ich mir jetzt aus den Fingern gesaugt. Das ist aber so die ideale Vorstellung wie eine sogen. „repräsentative Demokratie“ funktionieren soll. Politiker werben ja auch immer um das Vertrauen der Bürger oder wollen verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückgewinnen. Aber mit dem Vertrauen ist das so eine Sache. Ein Sprichwort lehrt:

    Vertrauen kommt zu Fuß und geht zu Pferd

    Wieviele Politiker kennen Sie, denen Sie persönlich vertrauen und die Sie wählen würden?
    Also ich brauche keine zwei Hände um die Zahl der Politiker abzuzählen, denen ich persönlich vertrauen und wählen würde und zwar aufgrund dessen was sie in der Vergangenheit für die (direkte) Demokratie geleistet haben. Das dumme ist nur: die stehen nicht auf meinem Wahlzettel und sind von ihrer Partei schon lange aufs Abstellgleis geschoben worden. Und das ist wieder mal die Crux: die korrupten Systempolitiker, die aus allen Parteien „koalitionsfähige“ CDU-Blockparteien machen, drängen alle Politiker, die noch sowas wie Ideale haben und dafür leben, aus den Schlüsselstellen in den Parteien hinaus und besetzen sie selbst, incl. der Wahllisten. Ein paar Feigenblätter hält sich jede Partei. Wie dichtete schon Herbert Grönemeyer:

    Die paar aufrechten Querdenker in den eigenen Reih’n
    sind gut fürs Gesicht nach außen, intern ebnen wir sie ein

    Das Ideal des unabhängigen Abgeordneten ist eben auch nur ein Mythos. Ein Horst Seehofer gibt im Fernsehen zu:

    Diejenigen die entscheiden, werden nicht gewählt
    und diejenigen die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden

    Letztendlich sitzen im Parlament nur noch korrupte Marionetten der Lobbyisten, die die wenigen noch nicht ausgebooteten Kollegen zur parlamentarischen Bedeutungslosigkeit degradieren. Politik wird im Parlament auch nur mit Mehrheiten gemacht. Die Opposition ist da schon mal vollkommen bedeutungslos, weshalb diese sich auch mal beim Oppositionsschattenboxen etwas weiter aus dem Fenster lehnen kann und auch in einer großen Koalition kommt es auch den ein oder anderen Abweichler nicht an. Nur wenn die Mehrheit knapp ist, dann kommt es auf den Einzelnen an und wenn dann trotz parteiinterner Ochsentour noch ein unsicherer Kantonist im Parlament mit dabei ist, dann wird der entsprechend bearbeitet und „koalitionsfähig“ gemacht. Jeder Mensch hat eben seinen Preis.
    Deswegen kann ich auch nur jedem Idealisten abraten sich in einer Partei zu engagieren oder eine zu gründen. Er wird seines Lebens nicht mehr froh werden, wenn er in die Mühlen des Systems gerät. Nicht nur, dass er seine politische Energie vollkommen sinnlos vergeudet. So er nicht ausgebootet wird von seinen „Parteifreunden“ wird er unter enormen Druck gesetzt werden und letztlich als Einzelner einknicken, denn so viel Druck hält kein Einzelner gegen die massive Macht der „Parlamentskollegen“ und der Lobbyisten hinter denen die größten und finanzstärksten Konzerne stehen, aus. Und letztere sind dann auch die, die der Regierung und der Parlamentsmehrheit die Gesetze so diktieren wie sie es für richtig halten. Primat der Politik? In your face! Wenn aber nicht mal die gewählten Politiker – so sie überhaupt sich irgendwelchen humanistischen Idealen verpflichtet sehen und nicht sowieso die willigen Vollstrecker der Lobbyisten sind – entscheiden, was hat dann der Wähler noch zu entscheiden? Nichts!


    Zwischenbemerkung: ich habe mal diverse überzeugte Wähler, denen ich im Netz begegnet bin und die ich für diskursfähig hielt, nach guten, in die Tiefe gehenden Argumenten für das Wählen gefragt. Die Rückmeldequote war ernüchternd, sprich: Null! So wichtig und entrüstet wie die Wahl-Befürworter gegenüber den Nichtwählern auftreten, so unwichtig und schweigsam sind sie wenn sie argumentativ nachliefern sollen. Auch die eigenen Netzrecherche nach Websites auf denen die Argumente gegen das Wählen wie z.B. „sinnlos“ entkräftet oder zumindest eingegangen wird: Fehlanzeige! Dafür ironischerweise jeder Menge Websites, die bestätigen warum Wählen sinnlos ist.


    Ich habe sogar eine Webseite gefunden, der man sogar einen wissenschaftlichen Anspruch zum Thema „Wählen“ unterstellen kann. In Warum Wählen keinen Gewinn bringt – und warum die Demokratie trotzdem funktioniert schreibt Thomas Grüter:

    Wirtschaftlich gesehen ist es sinnlos, zur Wahl zu gehen. Man muss man sich die Zeit nehmen, Wahlprogramme zu studieren und das Wahllokal aufzusuchen. Dafür erhält man einen winziger Anteil Mitbestimmung bei der Zusammensetzung des Parlaments. Der Ertrag geht also gegen Null und rechtfertigt – rational betrachtet – keinerlei Aufwand.

    Jeder einzelne Wähler hat nur einen verschwindend geringen Einfluss auf den Ausgang der Wahl. Der Gewinn, den er durch die Abgabe seiner Stimme erzielt, ist also minimal, er lohnt nicht einmal den Aufwand, sich zu informieren und zum Wahllokal zu fahren.

    Im Folgenden wird erklärt warum es rein rational und politökonomisch sinnlos ist zu wählen. Dem kann kaum widersprochen werden, habe ich doch hier im Prinzip das gleiche erklärt. Allerdings geht der Autor des Artikels auch von der irrtümlichen Prämisse aus es handele sich bei dem System um eine „Demokratie“. Was er eigentlich zu meinen scheint, ist einfach dieses System der institutionellen Diktatur und sein pseudo-demokratischer Anstrich. Oder mit anderen Worten: warum lassen sich nur so viele Menschen verarschen und gehen wählen, wenn es ihnen erwiesenermaßen rein gar nichts bringt?
    Der Autor kommt zu dem Schluß:

    Die Entscheidung, überhaupt zur Wahl zu gehen, kann nicht allein rational begründet werden.

    und nachdem er mehrere Erklärungsansätze widerlegt hat:

    Sagen wir es ganz deutlich: Es gibt kein Modell, mit dem man befriedigend erklären könnte, warum die Menschen eine Partei bevorzugen oder überhaupt zur Wahl gehen.

    Ein interessantes Fazit. Es gibt weder rationale Gründe zur Wahl zu gehen, noch eine rationale, wissenschaftliche Erklärung warum so viele Menschen zur Wahl gehen.
    Das erklärt aber zumindest die Argumentlosigkeit der Wahl-Befürworter.

    Wenn es keine rationalen, verstandesbedingten Argumente gibt, dann liegt der Schluß nahe dass es emotionale Gründe sein könnten, die die Menschen an die Wahlurnen treibt. Es könnte aber auch sein, dass es schlicht rationale Irrtümer sind, denen die Wähler unterliegen. Vermutlich wird beides der Fall sein. Wenn wir uns die bisherigen „Argumente“ der Wahl-Befürworter ansehen, dann kann man diese zwei Richtungen erkennen. Zum einen der rationale Irrtum:

    Wir haben eine Demokratie und wenn wir eine Demokratie haben, dann bestimmt das Volk und Wahlen sind der Ausdruck dieser Mitbestimmung. Wenn ich wähle bestimme ich mit.

    Ein verhängnisvoller Irrtum, den ich bereits widerlegt habe, der aber von den Politikern und den Mainstreammedien unkritisch gepflegt wird und selbst von links-intellektuellen wie Hagen Rether gepflegt wird. Wenn das kein massenhafter Wahnsinn ist, was dann?
    Aber auch die emotionale Schiene wird gezielt angesprochen und missbraucht. Einerseits wird auf den Bandwaggon-Effekt gesetzt: was alle machen, kann nicht so verkehrt sein, sonst würden sie es ja nicht machen. Das sind dann die Argumente wie „selbstverständlich“ und „Bürgerpflicht“, die ein explizites Hinterfragen nicht vorsehen. Mehr als Schaf und Lemming, das der Herde nachtrottet und sei es in den Tod ist da nicht drin. Das verfängt in so weit bei vielen Menschen, da der Mensch ein hochsoziales Säugetier ist, das ohne die Gruppe nicht überlebensfähig ist. Solidarität und Gruppenzwang werden aber eben auch gerne von denen ausgenutzt, die sich dadurch persönliche Vorteile versprechen, die nicht so im Interesse der Gruppe sind.
    Aber es werden auch gezielt Ängste geschürt und Feindbilder wie der Teufel an die Wand gemalt. Speziell „rechte“ Parteien wie AfD oder NPD müssen als Wahl-Alibi herhalten und wie schlimm das alles werden könnte, wenn man die wählt und die dann im Parlament oder gar an der Regierung sind und dann haben wir das zweite totalitäre Nazi-Deutschland. Da gehört schon Mut dazu sich solch rational vollkommen unbegründeter Angstmacherei zu widersetzen, zumal das was die etablierten CDU-Blockparteien schon erwiesenermaßen auf dem Kerbholz haben, vollkommen ausgeblendet wird. Aber sobald ein Mensch Angst hat, übernimmt diese das rationale Denken, der Rollo saust runter und dann nützt kein noch so gutes, bestens belegtes Argument mehr etwas. Das macht die Diskussion mit Wahl-Befürwortern auch nicht selten sinnlos.
    Ich bin auch nicht frei von Angst, aber ich habe mehr Angst vor den Parteien und Politikern, die ihre unmenschliche Politik schon bewiesen haben, als vor denen, die sie nur vollmundig als springender Tiger ankündigen und nachher auch nur als parlamentarischer Bettvorleger landen. Zwischen ohne Moral (AfD&Co.) und Doppelmoral (CDU-Blockparteien) mache ich prinzipiell keinen Unterschied.
    Wahl-Befürworter versuchen auch bei überzeugten Nichtwählern Ängste auszulösen, nach dem Motto: wer nicht wählt, der gehört nicht mehr zu uns. Soziale Ausgrenzung und Ablehnung sind beliebte Druckmittel um Menschen als soziale Säugetiere wieder „auf Kurs“ zu bringen.

    Andererseits verfangen diese irrationalen und emotionalen Tricks nur bedingt. Das Gefährlichste ist natürlich, wenn die Menschen anfangen die Dinge und „Selbstverständlichkeiten“ zu hinterfragen. Da lösen sich dann so Illusionen wie die sogen. „repräsentative Demokratie“ in Wohlgefallen auf und es bleibt ein ernüchterter Blick auf das was an Ruinen hinter den Fassaden der potemkischen Dörfer bleibt.
    Und auch die emotionalen Manipulationen verfangen nicht mehr, wenn man das Spiel erst einmal durchschaut hat und vor allem man erfährt, dass man mit seiner abweichenden Ansicht nicht alleine ist. Und wenn man dann erfährt, dass man die ganze Zeit nach Strich und Faden verarscht wurde, dann ist das Vertrauen dahin und kehrt nicht so schnell zurück. Dieser Vertrauensverlust wirkt auch sehr emotional, denn durch ihn wird ein vermeintlicher Freund zum Feind, den man nun seinerseits sozial ablehnt. Und so wie bei Wahl-Befürwortern nichts mehr zu erreichen ist, wenn die Angst deren Denken regiert, so ist auch bei Nichtwählern nichts mehr zu erreichen, wenn diese das System durchschaut haben und das Vertrauen in selbiges perdue ist.

  65. Aber es gibt doch Unterschiede zwischen den Parteien.
    Scheinbar, ja. Noch immer werden Parteien in der den Mainstreammedien und der Selbstdarstellung in einem Rechts-Links-Schema verortet. Die CDU und CSU sind angeblich christlich, demokratisch und sozial. Die SPD sozial und demokratisch. Die Grünen … grün. Die FDP liberal und demokratisch. Die Linke links, also irgendwas in Richtung sozialistisch oder kommunistisch. Die AfD und die NPD sind die bösen populistischen Rechten. Die Piraten stehen für … naja, weiß man nicht mehr so genau. Die PARTEI für Satire und Schwachsinn. Diese Unterschiede sind aber nur das Image der Parteien und das was in deren Parteiprogrammen (vielleicht) drin steht. Das hat aber mit der realen Politik, die diese Parteien nachher machen, nicht zwangsläufig etwas gemein. Als Opposition pflegen sie vielleicht noch zwecks Profilierung ihr Image um bei der nächsten Wahl mehr Wähler und damit mehr Einfluß zu gewinnen. In der Regierung ist aber spätestens Schluß mit lustig und dann wird Machtpolitik gemacht. Und spätestens dann sind alle Ideale verschwunden und es bleibt nur noch die gleiche unmenschliche und korrupte Einheitspolitik übrig, die mitunter das genaue Gegenteil von dem ist, was das Image verspricht. Und wenn es darum geht sich die Diäten und Pensionsansprüche maßlos zu erhöhen, dann ist sich die Allparteienkoalition komplett einig und nicht mal der Form halber verschiedener Ansicht.
    Fazit: eine schön-schreckliche Illusion.


    Update 2017-07-12:
    Es sind doch noch ein paar einzelne, aber etwas ausführlichere Argumente und Gründe pro-Wahl herein gekommen auf die ich eingehen kann:
  66. Es gibt eine Menge Gründe die SPD, Grüne und Linke zu kritisieren. Aber wenn diese eine größere Mehrheit hätten und sich endlich zusammen schließen würden hätten wir längst die Ehe für Alle, Schritte in Richtung eines bedingungslosen Grundeinkommens und die Cannabislegalisierung würde ernsthaft diskutiert werden. Es ist nicht perfekt aber es ist besser als die Scheiße auf die wir gerade zusteuern.
    Tja, „Wenn das Wörtchen ‚Wenn‘ nicht wär‘ …“ und „hätte, hätte, Fahrradkette“
    Speziell ist das sogen. „linke“ politische Spektrum bekannt dafür sich radikal zu zerstreiten. Von wegen „Hoch lebe die internationale Solidarität“. Das ist also schon mal eine Illusion.
    Aber mal angenommen wir hätten nach der Wahl eine parlamentarische Mehrheit links der sogen. „Mitte“: welche Garantien gibt es, dass diese dann nicht gleichermaßen über die Köpfe der Bürger hinweg regieren? oder wenigstens die o.g. politischen Ziele verfolgen?
    Keine! Mehr als ein frommer Wunsch ist das alles nicht. SPD und Grüne haben schon in Regierungsverantwortung unter Beweis gestellt, dass sie sich von der CDU strukturell und machtpolitisch nicht unterscheiden: die CDU ist grundsätzlich gegen (direkte) Demokratie und die Grünen sind es, wenn sie an der Macht sind und das Volk nicht so entscheidet wie sie es für richtig halten.
    Vollends absurd wird es, wenn SPD, Grüne und Linke eine Mehrheit hätten, SPD und Grüne aber lieber mit der CDU koalieren als mit der Ex-„Stasi-Partei“. Wenn SPD und Grüne keine CDU mit anderem Anstrich wären, dann dürften sie mit der CDU nicht koalieren und diesen nicht als Steigbügelhalter zur Macht dienen. Das Gegenteil ist nur leider der Fall. Linke Solidarität im Parlamentarismus ist und bleibt ein frommer Wunsch. Das Problem ist eben immer noch nicht wer regiert, sondern das System. Das übersieht dieses Argument komplett.

    Nicht zuletzt spricht aus diesem Argument die Angst vor CDU, AfD etc. und was diese mit der Macht so viel Schlimmeres anstellen werden als vermeintlich SPD, Grüne und Linke. Und diese Angst treibt diese eigentlich kritisch gegenüber SPD, Grünen und Linken eingestellten wieder in die Hände des System. Mission accomplished.

  67. Politiker kümmern sich um ihre Wähler.
    Klingt in deinen Ohren sicher verrückt – aber denk mal einen Schritt weiter:
    Wer nicht wählt, um den kümmert sich Politik nicht.
    Beispiel: Seit Politiker wissen, dass Geringverdiener weniger wählen als gut abgesicherte Bürger, ist die Politik auch entsprechend.
    Besser als nicht wählen ist es, eine gute Alternative zu wählen. Wobei die AfD spätestens mit dem Ausscheiden von Lucke keine gute Alternative mehr ist. Aber es gibt ja noch über ein Dutzend weitere Parteien, die nicht radikal sind.

    Das Argument steht und fällt mit der Frage ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen Demographie der Wähler und realer Sachpolitik im Interesse der jeweiligen Wähler gibt. Denn nur dann ist auch der Umkehrschluß gültig, dass wenn z.B. auf einmal alle Geringverdiener und Erwerbslose wählen gingen auch Politik in deren Sinne gemacht würde. Oder eben wenn ich wählen gehe, dass Politik in meinem Sinn gemacht wird.
    Eine Korrelation ist eben noch keine Kausalität. Das sogen. „Freie Mandat“ führt dieses Argument ad absurdum. Gewählte Politiker sind nicht den Interessen der Bürger verpflichtet, die sie gewählt haben. Aufgrund des Wahlgeheimnisses könnte auch kein Bürger ein eventuelles imperatives Mandat einfordern. Niemand kann nach einer Wahl nachweisen, dass er jemanden gewählt oder nicht gewählt hat, außer er hat nicht gewählt.
    Nehmen wir aber mal für Spaß an die Unterschicht und andere solidarische Gruppen würde geschlossen eine neue, unverdorbene Partei als „gute Alternative“ wählen. Was würde passieren? Das was mit jeder anderen neuen Partei, die Erfolg bei Wahlen hat, passiert: es beginnt der Kampf um die Macht in der Partei, sprich wer in der Partei als aussichtsreicher Kandidat auf den Wahllisten lukrative Diäten absahnen darf, worauf der Wähler keinen Einfluß hat. Überlaufende Politprofis aus anderen Parteien tragen ihren Teil dazu bei, dass der Korruptionsprozess ordentlich angeheizt wird. Der weitere Weg ist vorgezeichnet: entweder zerstreitet sich die Partei so sehr, dass sie als unwählbarer Hühnerhaufen wahrgenommen wird und in der Konseqenz wieder in der Versenkung verschwindet. Oder sie korrumpiert sich konsequent weiter hin zu einer weiteren CDU-Kopie. Wenn diese Partei dann „koalitionsfähig“ geworden ist, also Realpolitik statt nur Oppositionsschattenboxen machen darf, dann ist der Prozess so weit abgeschlossen, dass von der einst „guten Alternative“ praktisch nichts mehr übrig ist. Wer also eine kleine, unbedeutende Partei als „gute Alternative“ wählt, hilft ihr dabei auf dem Marsch durch die Instituitionen zum Arsch durch die Institutionen zu werden. Also durch Wählen nichts gewonnen, sondern nur Unheil angerichtet.

Es bleibt dabei: denjenigen, die pro-Wahl sind, mangelt es daran das undemokratische System zu durchschauen, dass von den Großkopferten so konzipiert wurde, dass die die Menschen keine Chance haben, egal ob sie wählen oder nicht. Und sie erkennen nicht, dass es politisch mehr bringt sich von diesem System durch die Nicht-Teilnahme an diesem Kasperletheater für Erwachsene zu distanzieren und dessen undemokratischen Charakter öffentlich herauszustellen.

Ende Update 2017-07-12

Ok, es sind jetzt noch keine 100 Irrtümer, aber dies ist work in progress und wer es bis hierhin geschafft hat und immer noch vom Wählen überzeugt ist, den überzeugen auch keine weiteren 40 Irrtümer.

Veröffentlicht unter normaler wahnsinn | 1 Kommentar

Klimasturm im Wasserglas

Derzeit wird ja nicht nur in den Mainstreammedien fleissig über den von POTUS verkündeten sogen. „Ausstieg“ der USA aus dem Klimaabkommen von Paris debattiert. Allein bei Telepolis zähle ich eins zwei drei vier fünf Artikel in den letzten Tagen die sich damit befassen und noch mehr in den anderen heise Tickern.

Abgesehen davon, dass das wieder mal der übliche Mediensturm im Wasserglas ist, der morgen genauso interessant wie heute die Zeitung von gestern, fällt eine Regel auf: zwischen entweder gar keine Moral (POTUS) und Doppelmoral (EU et al) scheint es in der Politik nichts zu geben. Die einen wollen offen keinen Klimaschutz und die anderen geben vor Klimaschutz zu wollen, tun aber das genau Gegenteil. Und beide Seiten hauen sich gegenseitig verbal die Köpfe ein. Schließlich gibt es an Standpunkten ohne und mit Doppelmoral genug zu kritisieren. Nur die Moral bleibt dabei auf der Strecke. Und der Klimaschutz.

Veröffentlicht unter normaler wahnsinn | Kommentar hinterlassen

Hagen Rether – der arte-Depp.

Nachdem Horst Lüning von mir hier schon sein Fett abgekriegt hat, ist jetzt jemand vom anderen Spektrum an der Reihe: Hagen Rether, das krasse Gegenteil von Horst Lüning, aber in gewisser Weise doch Brüder im Geiste und zwar was die geistige Beschränktheit des Denkens betrifft, jeder nur auf seine Art.

Über Hagen Rether braucht man an und für sich nicht viel schreiben. Er ist durch das Fernsehen hinreichend als Kabrettist der Öffentlichkeit bekannt. Auf youtube finden sich zahlreiche seiner Fernsehauftritte, die für sich sprechen. Wenn es um Klimawandel, Fleisch, Fliegen, Doppelmoral usw. geht, kann man ihm nur schwer widersprechen. Zitat: „Jeder Vollidiot weiß das heute“. Also kognitiv keine sehr herausragende Leistung von Herrn Rether, aber gut auf den Punkt gebracht. Ultrabissiges politisches Kabarett eben wie wir es von vielen anderen wie Priol, Pispers, Schramm, Venske etc. kennen, das auch vor Kritik am Publikum nicht zurück schreckt. Bei Rether sind sogar Ansätze zur Selbstkritik erkennbar, wenn er sich zwar einerseits als Vegetarier bekennt, andererseits an sich selbst kritisiert mit der CO2-Schleuder durch die Republik zu tingeln.

Ich bin allerdings die Tage über ein neueres youtube-Video von ihm gestolpert, worin er sich vollkommen (selbst-)unkritisch zum Wählen bekennt. Ja, er macht nicht einmal den Versuch das selbstkritisch zu hinterfragen.
Und das eint ihn dann obwohl ansonsten vollkommen diametrale Ansichten mit Horst Lüning: auch wenn sie „die da oben“ heftig kritisieren bzw. die Profanität daran, so lassen sie sich doch beide die Grenzen des eigenen Denkens von „denen da oben“ bzw. dem durch diese installierten gesellschaftlichen und politischen System zw. dessen Doktrinen vorgeben.

Aber wie Horst Lüning kann auch ein Hagen Rether Dummheit für sich nicht in Anspruch nehmen. Wer anderen ihre Schizophrenität unter die Nase reibt, der sollte sich auch an seine eigene fassen. Es gibt sogar Punkte wo sich Herr Rether noch negativ von Herrn Lüning abhebt. Letztere ist zumindest direkt erreichbar, dass man Kritik an ihn selbst direkt addressieren kann (sie wird nur nichts bewirken). Herr Rether ist nicht direkt erreichbar, tritt nur unkommentierbar im Fernsehen oder auf der Bühne auf. Die Videos von youtube stammen ja auch nicht von ihm selbst, sondern sind Aufzeichnungen aus dem Fernsehen. Im Internet lässt sich Herr Rether durch eine Agentur vertreten.

Mehr als arte kann sich Herr Rether unter Bildung wohl auch nicht vorstellen. Das Internet ist für ihn wohl genauso Neuland wie die von ihm vielzitierte Frau Merkel. Herr Rether sollte vielleicht mal Telepolis und heise-Forum lesen, statt stumpfsinnig arte schauen.

Aber zurück zum Wählen und den unkritischen Umgang mit dem politischen System. Sowohl Lüning als auch Herr Rether können sich beide nichts jenseits von Wahlen vorstellen. Für den einen liegt das Unglück darin, dass zu viel rot gewählt wird, für den anderen, dass zu wenig rot bzw. links gewählt wird. Dass beide wählen können was sie wollen und es überhaupt nichts bringt bzw. vollkommen irrelevant für das was letztendlich realpolitisch entschieden wird, dazu sind beide nicht in der Lage. Sie bewegen sich beide im Laufställchen des von oben vorgegebenen politischen Systems. Ja, Herr Rether, mal erwachsen werden, ihre eigenen Worte. Wer selbst im politischen Läufställchen sitzt, sollte anderen nicht empfehlen erwachsen zu werden.
Ja, auch ein Herr Rether ist mit dem Blick über den politischen Gartenzaun in die Schweiz überfordert. Systemkritik? Echte (direkte) Demokratie? Gleichfalls Fehlanzeige. Mehr als ein dummer Billig-Lacher-Spruch „Wählen ist wie Zähneputzen. Wenn man’s nicht macht wird’s braun“ fällt ihm als Argument fürs Wählen nicht ein.
Dass das Wählen an sich und dessen Blankovollmacht an die Politiker das Problem sein könnten und genau deswegen rechtspopulistische Parteien auf diese Karte setzen und nicht auf direkte Demokratie (auch wenn sie vorgeben dafür zu sein), kommt ihnen nicht in den Sinn. Dass Hitler es genauso gemacht hat und nicht durch das Volk, sondern durch die herrschende Elite an die Macht kam, und dass die anderen Parteien im Parlament seinem Ermächtigungsgesetz zustimmten (mit Ausnahme der SPD, auf deren Stimmen es aber nicht mehr ankam, weil die KPDler schon verhaftet waren), das kriegt ein Herr Rether auf arte eben nicht mit.
Und dass wir dieses besch$%&@ene System haben, haben wir nicht Frau Merkel sondern Herrn Adenauer zu verdanken. Aber mehr als Geschichte von ZDF History kennt Herr Rether wohl auch nicht.
Auch Herr Rether sitzt in einer Suppenschüssel und hält den Rand der Schüssel, seinen geistigen Horizont für das Ende der Welt.
Dass jemand bewußt und aus anderen, über seinen geistigen Horizont hinaus reichenden Gründen nicht wählt, das geht über die Vorstellungskraft von Herrn Rether. Herr Rether will sich nicht von Frau Merkel das Wählen vermiesen lassen, merkt aber nicht, dass Adenauer ihn schon vor über 50 Jahren mit dem Wahlrecht und dem Monopol des Parlamentarimus politisch als Bürger so kastriert hat, dass er sich als wählender Bürger noch für den potentesten Bullen im Stall hält. Die hohe Kunst der Volksverarschung besteht darin den Bürger so schnell über den Tisch zu ziehen, dass selbiger die Reibung für Nestwärme hält. Herr Rether, Sie sind schon auf der anderen Seite des Tisches und merken es nicht einmal.

Ja, letztendlich bewegt sich Herrn Rethers Kritik an den Bürgern auf dem „Arschloch“-Niveau von Frau Humpe: alle Nichtwähler in einen Topf und draufhauen. Herr Rether mag sich bei arte doof vorkommen, aber hält sich selbst für schlauer als alles was nicht arte guckt – auch die, die sich bei arte verarscht vorkommen. Für Herrn Rether sind die massenmedial verbreiteten Dumpfbacken das Maß der Dinge. Ja, der Witz mit dem Nichtwählen hält auch nur eine Sekunde – und nach der Wahl wird’s bitter, wenn die Ernüchterung kommt. Alle vier Jahre, das gleiche Spiel und nix draus gelernt.
Und von den von ihm gewählten Politikern glaubt Herr Rether, dass die irgendwann das Fleisch u.ä. verbieten. Never ever? Aber fleissig weiter wählen! Links, Rechts, Mitte – Herr Rether sie können wählen was sie wollen: es kommt nur realpolitische Scheiße bei raus. Herr Rether, das Gefühl der Menschen ist schlauer als ihr Intellekt. Denn irgendwann kommt sich auch der letzte Depp verarscht vor. Leider haben die wenigsten Deppen den Intellekt ihr Gefühl so gut zu verstehen, dass sie nicht vom Regen in die Traufe kommen bzw. sich von ihrem Denken im System emanzipieren können. In diesem Sinn sind Sie auch ein Depp, ein arte-Depp, aber eben immer noch ein Depp.

Veröffentlicht unter normaler wahnsinn | 1 Kommentar

Inga Humpe: „Wer nicht wählt, ist ein Arschloch“

Zufällig darüber gestolpert:

Also doch lieber wählen gehen?
Na klar! Wer heute nicht wählt, der ist ein Arschloch. Weil er die Demokratie gefährdet. Wenn ich das immer höre: Die Roten sind scheiße, die Schwarzen und die Grünen auch, alle Politiker sind scheiße. Man muss doch nicht heiraten, sondern bloß wählen.

Sehr geehrte Frau Humpe,
„Wer mit Dreck wirft nimmt ihn meist vom eigenen Stecken“ und „wer mit dem Finger auf andere zeigt, zeigt immer mit drei Fingern auf sich“. Sie können Ihre öffentlichen Verbalentgleisungen und Nichtwählerbeschimpfungen also ruhig auf sich selbst anwenden und zwar weil Sie so merkbefreit sind diesen Staat für eine Demokratie zu halten. Schon Nietzsche hat gesagt:

Der Parlamentarismus, das heißt die öffentliche Erlaubnis,
zwischen 5 politischen Grundmeinungen wählen zu dürfen,
schmeichelt sich bei Vielen ein, welche gerne selbständig und individuell scheinen
und für ihre Meinungen kämpfen möchten. Zuletzt ist es gleichgültig,
ob der Herde eine Meinung befohlen oder fünf Meinungen gestattet sind.

Dem ist nichts hinzuzufügen, außer, dass Sie, Frau Humpe, mit Ihren Ansichten über das was Sie für Demokratie halten, bestenfalls die politische Weitsicht einer Fruchtfliege haben.

Ach ja, die taz:

Unser Artikel hat Ihnen gefallen? Sie können dafür bezahlen!

Nein, zahl ich nicht!

Veröffentlicht unter normaler wahnsinn | Kommentar hinterlassen

Konsumwahnsinn

Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen,
von Geld, das wir nicht haben
um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen

Walter Slezak ( 1902-1983)

Veröffentlicht unter normaler wahnsinn | Kommentar hinterlassen

Horst Lüning – der Karl Eduard von Schnitzler von youtube

oder: das Psychogramm und die Entlarvung eines rabulistischen Egozentrikers

Falsch zugeordnete Zitate:

Die halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge

Horst Lüning

Um es vorweg zu nehmen: Horst Lüning ist mit Sicherheit kein Kommunist, auch wenn er manchmal sein rotes Hemd (hat er auch rote Socken?) anzieht, aber er ist nach meinem bisherigen Eindruck den ich von ihm in seinen – zugegeben zeitweilig unterhaltsamen – youtube Videos habe, ein vergleichbar ideologisch verbohrter Dauerschwafler und Dummschwätzer, der rhetorisch nicht ungeschickt den Eindruck von Sachkompetenz zu erwecken versucht (die er in Teilbereichen auch hat), darunter aber seine kapitalistische Weltsicht un(selbst)kritisch untermischt und sich wenn nötig die Realitäten dafür zurecht biegt.

Seine Videos entbehren nicht einer gewissen unfreiwilligen Komik, wenn er rabulistisch mit dem Dreck auf andere wirft, den er selbst am Stecken hat oder wenn er in seinem Verhalten selbst offensichtliche Widersprüche entlarvt. Es würde einen einzelnen Artikel sprengen jede einzelne Widersprüchlichkeit und Absurdität von Herrn Lüning aufzuführen. Bei hunderten von Videos eine kaum leistbare Arbeit von der man auch durchaus sagen kann, dass es Sinnvolleres gibt als dies zu tun. Da sich Herr Lüning allerdings auch zum Generalkritiker eines Prof. Lesch und des anthropogen verursachten Klimawandels durch Treibhausgasemissionen berufen sieht, und sich selbst nicht nur als Skeptiker, sondern korrekterweise als Leugner desselben bezeichnet, möchte ich ihm zumindest diesen einen Artikel widmen und versuchen etwas hinter die Fassade des Herrn Lüning und auf dessen – nach meiner Ansicht – blinde Flecken zu blicken.
Speziell werde ich auf die zentrale, von Herrn Lüning vertretene These eingehen, dass es keinen atmosphärischen Treibhauseffekt gibt, da dies dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik widerspräche und es in der Folge auch keinen anthropogen verursachten Klimawandel gäbe.

Auch um die Kritik gleich zu relativieren: Herrn Lüning redet nicht nur Unsinn, ebensowenig wie Herr Lesch die Ausgeburt der Lauterkeit wäre. Ich habe gerade kürzlich hier Herrn Lesch kritisiert und habe ihn schon zu alpha-centauri Zeiten kritisch gesehen, zumal ich selbst ein naturwissenschaftliches Hochschulstudium erfolgreich absolviert und abgeschlossen habe. Es gibt auch vieles weiter an Herrn Lesch zu kritisieren, insbesondere in seiner Rolle als wissenschaftsjournalistische Allzweckwaffe des ZDF, aber das ist eine andere Geschichte.

Wenn Herr Lüning über Automobiltechnik referiert (oder vielleicht eher schwadroniert) dann kann man ihm eine gewisse Sachkompetenz als studiertem Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik nicht absprechen. Er hat auch offensichtlich schon mal etwas vom 2. Hauptsatz der Thermodynamik gehört, wo ich mir bei vielen (nach eigenen Angaben) Naturwissenschaftlern mit akademischem Grad überhaupt nicht sicher bin, so wie diese durch Inkompentenz in diesen Fragen bei mit „geglänzt“ haben und wo man diese eigentlich in die Grundvorlesung „Einführung in die Physicochemie“ zurückschicken müsste. Wenn sich also ein Herr Lüning über die Unsinnigkeit von Wasserstoff und Brennstoffzelle als Antrieb in einem automobilen Serienfahrzeug auslässt, dann hat das durchaus Hand und Fuß, wenn man vom etwas schwafeligen Vortragsstil absieht.

Sobald sich aber Herr Lüning darüber hinaus auf im weitesten Sinn fachfremdes Gebiet oder gar in die Politik begibt, werden seine Aussagen zum einen sehr schwammig bis apodiktisch und insbesondere in der Politik kapitalistisch ideologisch gefärbt. Er kaschiert dies – muss man ihm lassen – rabulistisch geschickt mit Allgemeinplätzchen wie „Freiheit“, „Unternehmertum“, „Wachstum“, „Wohlstand“ usw. usw. so wie wir es auch aus der Politik kennen. Auf den Kommunismus und Sozialismus schimpft er fleissig, ein bisschen Sozialpolitik lässt im Nebensatz auch noch zu, aber das Wort „Kapitalismus“ oder gar eine Kritik daran, davon findet man bei Herrn Lüning nicht viel. An den Großkonzernen und die von deren Lobby korrumpierte Politik lässt er kein gutes Haar, aber der „mittelständische Unternehmer“ ist für ihn die Ausgeburt der Lauterkeit, wozu er wohl sich selbst als Betreiber eines Whisky-Geschäftes auch zählt. Nicht weiter verwunderlich.

Wenn man ein paar von seinen nicht-technischen Videos gesehen hat, dann merkt man auch schon wie der Hase bei Herrn Lüning läuft. Nicht zuletzt entlarvt er sich indirekt selbst, vor allem wenn er mit dem Finger auf andere (wie Herrn Lesch) zeigt. Bekanntlich zeigt man ja dann immer mit drei Fingern auf sich. So auch Herr Lüning.

Freiheit, Freiheit, über alles!

Herr Lüning bezeichnet sich selbst als glühenden Verfechter der „Freiheit“. Immer wieder kommt dieses Schlüsselwort bei ihm vor. Daran hängt er dann sein „freies Unternehmertum“, die „Freiheit“ des Individuums nach seinem Glück zu streben usw. usw. an. Sogar den Egoismus lobt er als quasi die höchste Form von Freiheit. Klingt doch toll oder?
Ein Wort das bei Herrn Lüning nur leider gar nicht vorkommt ist das Wort „Verantwortung“ oder gar „soziale Verantwortung“. Und da treffen sich dann zwei, Herr Lüning und die USA, die beide nur eine „Statue of Liberty“ aber keine „Statue of Responsibility“ kennen. Herr Lüning ist dann auch voll des Lobes auf die USA und deren Leistungen für die Menschheit incl. der Befreiung Deutschlands von den Nazis, den technischen Errungenschaften usw. usw. Kein Wort zu den anhaltenden (Kriegs-)Verbrechen der USA, was schon an Geschichtsklitterung grenzt. Und wenn man sich die letzte Präsidentenwahl der USA zwischen Pest und Cholera ansieht, dann kann man an der politischen Entwicklungsfähigkeit der USA durchaus Zweifel haben. Nicht so Herr Lüning.
Er betont immer wieder, dass der Staat seinen Bürgern und vor allem seinen Unternehmern nicht hineinreden dürfe. Das scheint er auch sehr auf seine persönliche Freiheit zu beziehen. Auf seine ihm lieb gewordenen Privilegien als vergleichsweise wohlhabender Unternehmer (der sich zumindest einen Tesla leisten kann) wie das Ausleben seines Bleifuß auf der Autobahn, seine private Rentenversicherung und ähnliche Schutzzäune für Reiche scheint er nicht verzichten zu wollen bzw. lehnt jede Partei ab, von der er der Überzeugung ist, dass diese ihm etwas wegnehmen will. SPD, Linke und Grüne sowieso, aber auch CDU, CSU, FDP und auch AfD. Insbesondere in letzterem Fall ist er peinlich bemüht nicht mit diesen in einen Topf geworfen zu werden. Da kommt auch die Frage auf: was wählt eigentlich jemand wie Herr Lüning? oder gründet er gar noch eine eigene Partei? Da hört das politische Denken bei Herrn Lüning aber irgendwie auf. Der Staat soll ihm nur nicht reinreden wo es ihm nicht passt. Nur wie er das durchsetzen will, wenn es keine für ihn wählbare Partei gibt, diese Antwort bleibt Herr Lüning schuldig. Nur Empörung und youtube Videos kann es ja wohl nicht sein. Alternative Systemvorschläge wie z.B. direkte Demokratie? Fehlanzeige! Dabei könnte ja auch ein Rentensystem wie in der Schweiz rauskommen, wo jeder mit Einkommen in den Topf einzahlt und es eine Mindest- und eine Höchstrente gibt. Aber das sind für Herrn Lüning ja schon sozialistische Verhältnisse, die seine Privilegien, konkret der privaten Rentenversicherung mit der er sich der Solidargemeinschaft entzieht, bedrohen.

Und dann seine Exkurse in fachfremde Gebiete wie die der Klimatologie und Atmosphärenphysik bzw. -chemie. Als Luft- und Raumfahrtingenieur als der er in seinem Studium angeblich 15 Wochenstunden Thermodynamik hatte, maßt er hier sich an ein Urteil bilden zu können. Ob ein technisches Ingenieurstudium hierfür eine natürliche Qualifikation für Atmosphärenchemie und -pyhsik darstellt, sei mal dahin gestellt.
Wenn Herr Lüning allerdings behauptet ein atmosphärischer Treibhauseffekt sei mit dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik für ihn nicht nur schwer vereinbar, sondern er dies zur zentralen Frage des anthropogen verursachten Klimawandels erhebt, dann darf man schon mal nach den geoökologischen Qualifikationen von Herrn Lüning fragen und wo diese in seinem Studium behandelt wurden. Skeptisch sollte auch machen, dass das Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. wo sich sicher nicht nur einige studierte Luft- und Raumfahrtingenieure befinden, die ein vergleichbares Studium absolviert haben, eindeutig zur Frage des Klimawandels und ob dieser menschengemacht ist äußert, wenn auch recht oberflächlich, aber die Grundaussage scheint auch beim DLR unstrittig zu sein, da hierzu auch Konferenzen vom DLR abgehalten werden. Ein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik machen Herrn Lüning also nicht automatisch glaubwürdig, wenn es genug Fachkollegen mit mindestens gleicher Qualifikation gibt, die das wohl anders sehen.
Aber gut: auch wenn alle (anderen) einer Meinung sind, können alle (anderen) irren. Das ist in der Wissenschaftsgeschichte ja auch schon vorgekommen z.B. Alfred Wegener und die Plattentektonik.

Ich habe Geoökologie studiert und der Zusammenhang zwischen anthropogenen Treibhausgasemissionen und Klimaerwärmung ist nicht nur rein statistischer Natur, dessen Kausalität man nach Belieben umdrehen kann, wie Herr Lüning glauben machen will, sondern es gibt hierfür klare chemische und physikalische Kausalitäten, die nicht einfach wegdiskutiert werden können. Herr Lüning behauptet das jedoch einfach im Brustton der Überzeugung, führt ein paar Wissenschaftler und Studien an, die seine Auffassung von sonnendominiertem Klimawandel bestätigen und damit ist für ihn die Sache erledigt. Auch politisch, denn an der Sonne kann man ja nix drehen. Herr Lüning spart auch nicht mit Kraftausdrücken wie „Gehirnwäsche“, die mit dem angeblichen Märchen von der anthropogen verursachten Zunahme des Treibhauseffektes durch Treibhausgasemissionen in den Schulen mit den unschuldigen Kindern stattfände. Na dann können wir ja weiter Vollgas mit unseren Verbrennern geben, dass es noch mehr Wachstum gibt. Wenn es keinen Treibhauseffekt gibt, dann können wir ja weiter Energie verschwenden. Macht ja alles nix.

Und hier kommt wieder die verantwortungslose Haltung von Herrn Lüning zum Vorschein. Er zweifelt die wissenschaftliche Seriosität der anthropogen verursachten Klimaerwärmung durch Treibhausgasemissionen an, dass er selbst allerdings ebenso falsch liegen könnte, kommt ihm nicht in den Sinn, was schon per se unwissenschaftlich ist. Verantwortungsvoll wäre hier zumindest eine differenzierte Meinung und auch so etwas wie ein Vorsorgegedanke für den ungünstigen Fall. Aber das Wort „Verantwortung“ kennt Herr Lüning eben nicht. Mehr als Almosen für ein paar sozial Abgehängte fällt ihm dazu nicht ein, quasi der gute alte Hausbettler der Reichen für das soziale Gewissen. Mehr ist von Herrn Lüning nicht zu erwarten. Alles in allem keine sehr humanitäre Haltung von Herrn Lüning. Er liegt nicht immer völlig verkehrt, aber auch nie wirklich richtig, weil er alles durch seine ideologische Kapitalistenbrille mit zwei Freiheitsgläsern sieht. Für eine neue Brille empfehle ich Herrn Lüning eine mit Freiheits- und Verantwortungsglas.

Das alles disqualifiziert Herrn Lüning schon komplett als wissenschaftlich ernst zu nehmenden Diskutanten und dies trifft praktisch auf alle Leugner der anthropogen verursachten Zunahme des Treibhauseffektes durch Treibhausgasemissionen zu. Stefan Rahmstorf spricht von einer „Roten Karte“ für die „Leugner“ aufgrund der Tatsache, dass diese sich unwissenschaftlich verhalten. Er konkretisiert auch den Begriff „Leugner“ als aktive Lobbyarbeit mit unhaltbaren Argumenten.

Wissenschaftlich sind Leugner wie Lüning also diskreditiert, politisch muss man sie und ihre Anhänger allerdings ernst nehmen. Die Wissenschaftselite kann nicht vom hohen Ross herunter den Bürgern Klimaschutz verordnen nach dem Motto „Ihr habt eh keine Ahnung. Wir wissen Bescheid und deswegen glaubt uns das mal“. Nein, auch die Wissenschaft hat wie Politik und der Staat überhaupt eine Legitimationsbringschuld. Es ist die verdammte Pflicht und Schuldigkeit der Wissenschaft das was sie herausgefunden haben, so zu erklären, dass es der einfache Bürger versteht. Ansonsten machen sich Rechtspopulisten, Reichsbürger und Leugner der anthropogen verursachten Zunahme des Treibhauseffektes durch Treibhausgasemissionen mit einfachen, aber ebenso absurden Theorien in dieser Nische breit. Genau das erleben wir gerade.

Die Tricks der Leugner

Aufklärungsbroschüren wie die des Umweltbundesamtes gehen schon in die richtige Richtung. Auch die Frage der Existenz einen atmosphärischen Treibhauseffektes wird angesprochen. Im Folgenden möchte ich allerdings noch etwas genauer darauf eingehen, da die Leugner gezielt vermeintliche Schwachstellen herausgreifen und so das angebliche Lügengebäude zum Einsturz bringen wollen:

1. Sprachliche Ungenauigkeiten
Naturwissenschaft und deren eigentliche Sprache, die Mathematik, sind nur schwer in allgemeinverständliche Sprache zu übersetzen. Sprachliche Ungenauigkeiten und Verkürzungen wie „Erneuerbare Energie“, „Klimawandel“ oder „Treibhauseffekt“ sind kaum zu vermeiden.
Die Leugner stürzen sich auf solche Schlagwörter und versuchen daraus einen rhetorischen Strick zu drehen. Andererseits verkürzen sie selbst ihre Aussagen in gleicher Weise. Das Ergebnis ist eine sprachliche Verwirrung, wo am Ende keiner mehr genau weiß was eigentlich gemeint ist bzw. was Sache ist.

2. Klimaerwärmung und anthropogene Ursachen
Da die Klimaerwärmung nicht mehr zu leugnen ist, haben sich die Leugner auf den Treibhauseffekt und auf die anthropogenen Emissionen hierzu eingeschossen. Der Treibhauseffekt wird rundweg geleugnet. Vorderste „Argument“ bei Herrn Lüning wie bei vielen seiner Gesinnungsgenossen: die angebliche Unvereinbarkeit mit dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik.

3. Widerlegen von nicht gemachten Behauptungen
Ein sehr beliebter Trick zur angeblichen Widerlegung von Standardmodellen durch Leugner ist das Aufstellen von Behauptungen, die im Standardmodell gar nicht gemacht werden.
Speziell im Fall von Treibhauseffekt und 2. Hauptsatz der Thermodynamik wird hier an zwei Stellen angesetzt. Zum einen wird behauptet, die Existenz des Treibhauseffekt sei bereits mehrfach experimentell widerlegt worden. Der Treibhauseffekt wird jedoch auf eine Absorption der IR-Wärmestrahlung reduziert, statt allgemein auf eine Verhinderung des Wärmeverlustes sei es durch Wärmeleitung, Konvektion oder Strahlung. Dass dann ein Glashaus keinen Strahlungseffekt zeigt, aber einen konvektiven Effekt bzw. dessen Verhinderung durch das Glas oder transparente Plastik ist trivial. Damit ist natürlich nicht widerlegt, dass es in der Atmosphäre keine Absorption durch Treibhausgase geben kann, die einen ähnlichen Wärmerückhaltungseffekt bewirken könnten. Der Begriff „Treibhauseffekt“ kann bestenfalls als unglücklich gewählt gelten, da im Treibhaus die Wärmerückhaltung vorwiegend durch Verhinderung von Konvektion geschieht, in der Atmosphäre dagegen durch Absorption. Herr Lüning erklärt das sogar selbst, aber nur fast, denn zu dieser Abstraktion des Treibhauseffektes als allgemeinem Wärmerückhaltungseffekt dafür reicht es nicht. Die Experimente zu einer Widerlegung des Treibhauseffektes durch Absorption an Glasscheiben oder ähnlichen Materialien aus denen Treibhäuser gebaut werden können, sind daher vollkommen ungeeignet zur Widerlegung desselben in der Atmosphäre. Sie beweisen nur, dass es diesen bei Treibhäusern nicht gibt. Mehr nicht.
Der Kaiserhappen der Leugner ist dann die angebliche Unvereinbarkeit mit dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik. Sie benutzen hier die sprachliche Ungenauigkeit wonach es durch den Treibhauseffekt zu einer Erwärmung auf der Erde käme. Sie stellen nun die unsinnige und nie gemachte Behauptung auf, dass angeblich die kältere Atmosphäre die wärmere Erdoberfläche weiter erwärme, also die obere Atmosphäre abkühle wohingegen die Temperatur auf der Erdoberfläche zunehme, also entgegen dem Temperaturgefälle Wärme transportiert würde und damit tatsächlich im Widerspruch zum 2. Hauptsatz stünde.
Wenn dem so wäre, dann wäre die Atmosphäre in der Tat ein Perpetuum Mobile zweiter Art, eine Art Wärmepumpe, die ohne zusätzliche Energie niedriger Entropie Energie von kalt nach Warm schaufeln würde. Nur dummerweise ist dem nicht so und hat auch niemand außer den Leugnern behauptet. Und dass dem nicht so ist, kann jeder nachts selbst im Freien überprüfen: die Temperatur auf der Erdoberfläche sinkt nachts stetig ab (wenn man von eventuellem konvektiven Luftmassenaustausch durch das Wetter absieht) und das um so stärker, wenn der Himmel sternenklar ist. Wenn es dagegen bewölkt ist nimmt die Temperatur nicht so stark ab, aber es kommt keinesfalls zu einem Temperaturanstieg in der Nacht.
Ja, was nun: kommt es nun doch nicht zu einer Erwärmung durch den Treibhauseffekt? Doch, allerdings sehr langfristig oder anders ausgedrückt: es kommt zu einer Erwärmung des Klimas das bekanntlich über 30 Jahre gemittelt wird. Aber zwischen der evtl. verminderten, aber stetigen Abkühlung in der Nacht und einer langfristigen Klimaerwärmung zu unterscheiden, scheint aber für die Leugner eine zu große intellektuelle Herausforderung zu sein.
Fazit: kein ernst zu nehmender Wissenschaftler postuliert in seinen Modellen eine wie auch immer geartete Netto-Umkehr des Wärmetransport von der Erdoberfläche in den Weltraum, sondern nur eine Verlangsamung durch die Absorption durch Treibhausgase und je mehr Treibhausgase desto stärker ist die Verlangsamung und desto mehr Wärme bleibt im System und so kommt es eben langfristig zu einer Erwärmung. Diese Erwärmung aufgrund dieses Treibhauseffektes wurde auch schon durch direkte Messung der Wärmestrahlung durch Satelliten über mehrere Jahrzehnte bestätigt.
Damit ergibt sich auch kein Widerspruch zum 2. Hauptsatz der Thermodynamik. Die Wärme der Erdoberfläche wandert sukzessive in den sehr kalten Weltraum, sie wird nur mehr oder weniger zurückgehalten, vergleichbar einem atmosphärischen Spiegel der Licht und Wärmestrahlung in hohem Maß zurückstrahlt und so das Auskühlen verlangsamt. Über lange, klimatologische Zeiträume kann sich daher die Wärmemenge bzw. Durchschnittstemperatur der Erdöberfläche erhöhen, wenn insgesamt mehr Energie durch die Sonneneinstrahlung eingetragen, als durch die Wärmeabstrahlung ausgetragen wird.
Die Kausalkette des anthropogen verursachten Klimawandels bzw. -erwärmung ist also lückenlos: anthropogene Treibhausgasemissionen -> Anstieg der Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre -> Verstärkung des atmosphärischen Treibhauseffektes -> Klimaerwärmung. Es wäre auch naiv zu glauben, dass die Freisetzung von so viel Treibhausgas pro Jahr durch die Menschheit wofür die Natur Millionen Jahre brauchte um es der Atmosphäre zu entziehen, ohne ernsthafte Folgen bliebe. Naivität kann allerdings jemand wie Herr Lüning, der so klugscheißerisch daher kommt, nicht mehr für sich in Anspruch nehmen. Auf der Suche nach einer Erklärung für Herrn Lünings Klimaleugnung könnte man abgesehen von seiner Verantwortungslosigkeit als Egozentriker böswillig das alte, in vielen Witzen (Die Fahrkarte) thematisierte Vorurteil heranziehen, wonach Ingenieure im Gegensatz zu Mathematikern/Naturwissenschaftlern Algorithmen bzw. Naturgesetze zwar anwenden können, diese aber nicht verstanden haben.
Noch böswilliger könnte man behaupten Herr Lüning handelt selbst in böswilliger FUD-Absicht z.B. um allen Profiteuren von fossilen Energieträgern und deren Ausbeutung eine PR-Vorteil zu verschaffen und damit deren Profite zu sichern. Warum er dann allerdings Tesla fährt und Solarzellen auf sein Dach schraubt, bleibt wohl sein Geheimnis.

Damit hat sich die Stichhaltigkeit des Kronzeugen-Arguments von Herrn Lüning in Nichts aufgelöst. Wie vor Gericht auch üblich wird auf eine weitere Begründung verzichtet. Klage abgewiesen. Fall abgeschlossen.
Stefan Rahmstorf schreibt:

Die Tatsache, daß die „Leugner“ trotz aller Bemühungen bislang kein ernstzunehmendes Argument gegen die globale Erwärmung¹ gefunden haben, ist vielleicht das beste Kompliment an die Klimaforschung.

¹Es müsste natürlich präzise „menschengemachte/anthropogene globale Erwärmung“ heißen

Karl Eduard von Schnitzler blieb bis zu seinem Tod unverbesserlicher Kommunist, auch als nach der Wende das System gescheitert und dessen Unmenschlichkeit deutlicher als zuvor war. Es darf bezweifelt werden ob ein kapitalistischer Schnitzler wie Herr Lüning sich je eines Besseren wird zuwenden können. So wie ich ihn in seinen Videos kennen gelernt habe, ist in seinem Kopf mindestens ebensoviel Beton. Einen so großen Irrtum oder gar böswillige Verdrehung von Tatsachen wird ein Egozentriker wie er kaum zugeben. Auch weil er mit seiner angeblichen Sachkompetenz als Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik so sehr in seinen Videos zur Thermodynamik, Treibhauseffekt und über Herrn Lesch geprahlt hat, dass man ihm einen Irrtum ebensowenig abnehmen wird, wie dass VW mit dem defeat device nur „geschummelt“ hat. Und wer anderen „Gehirnwäsche“ unterstellt, der muss sich den gleichen Vorwurf gefallen lassen, wenn man ihm nachweist, dass er Unsinn als Wahrheit verkauft.

P.S. Noch ein (Nach-)Wort zu Herrn Lesch: wie ich bereits kritisierte, wagt sich auch Herr Lesch in fachfremdes Gebiet. Als Astrophysiker dürfte seine Kompetenz (bis auf wenige Ausnahmen wie falsche Einheiten) relativ unbestritten sein. Seit er allerdings die Nachfolge von Joachim Bublath beim ZDF als wissenschaftsjournalistische Allzweckwaffe angetreten hat, überschreitet er nach meinem Eindruck zu oft den Rubicon seiner wissenschaftlichen Kompetenz. Er muss sich allerdings inzwischen zu allem äußern bzw. er tut es wenn man ihn irgendwas, was irgendwas mit Wissenschaft zu tun hat, frägt. Das Ergebnis kann als wissenschaftsjournalistischer Universaldilletant nur unbefriedigend sein und liefert populistischen Leugnern des anthropogenen Klimawandels oder anderer wissenschaftlicher Standardmodelle eine Steilvorlage, vor allem wenn es sich nur um grobe Vermutungen handelt die weit ins Politische hinein reichen, wie in dem Interview zur Welt in 100 Jahren, in dem er seine Aussagen doch sehr apodiktisch vorträgt ohne diese zu relativieren oder die Unsicherheit zu betonen bzw. diese als seine persönliche Prognose zu kennzeichnen (es kann allerdings auch sein, dass das Interview für Herrn Lesch unvorteilhaft geschnitten wurde und wesentliche Aussagen von ihm, die zum Verständnis betragen würden, fehlen).

Veröffentlicht unter normaler wahnsinn | 1 Kommentar