Hagen Rether – der arte-Depp.

Nachdem Horst Lüning von mir hier schon sein Fett abgekriegt hat, ist jetzt jemand vom anderen Spektrum an der Reihe: Hagen Rether, das krasse Gegenteil von Horst Lüning, aber in gewisser Weise doch Brüder im Geiste und zwar was die geistige Beschränktheit des Denkens betrifft, jeder nur auf seine Art.

Über Hagen Rether braucht man an und für sich nicht viel schreiben. Er ist durch das Fernsehen hinreichend als Kabrettist der Öffentlichkeit bekannt. Auf youtube finden sich zahlreiche seiner Fernsehauftritte, die für sich sprechen. Wenn es um Klimawandel, Fleisch, Fliegen, Doppelmoral usw. geht, kann man ihm nur schwer widersprechen. Zitat: „Jeder Vollidiot weiß das heute“. Also kognitiv keine sehr herausragende Leistung von Herrn Rether, aber gut auf den Punkt gebracht. Ultrabissiges politisches Kabarett eben wie wir es von vielen anderen wie Priol, Pispers, Schramm, Venske etc. kennen, das auch vor Kritik am Publikum nicht zurück schreckt. Bei Rether sind sogar Ansätze zur Selbstkritik erkennbar, wenn er sich zwar einerseits als Vegetarier bekennt, andererseits an sich selbst kritisiert mit der CO2-Schleuder durch die Republik zu tingeln.

Ich bin allerdings die Tage über ein neueres youtube-Video von ihm gestolpert, worin er sich vollkommen (selbst-)unkritisch zum Wählen bekennt. Ja, er macht nicht einmal den Versuch das selbstkritisch zu hinterfragen.
Und das eint ihn dann obwohl ansonsten vollkommen diametrale Ansichten mit Horst Lüning: auch wenn sie „die da oben“ heftig kritisieren bzw. die Profanität daran, so lassen sie sich doch beide die Grenzen des eigenen Denkens von „denen da oben“ bzw. dem durch diese installierten gesellschaftlichen und politischen System zw. dessen Doktrinen vorgeben.

Aber wie Horst Lüning kann auch ein Hagen Rether Dummheit für sich nicht in Anspruch nehmen. Wer anderen ihre Schizophrenität unter die Nase reibt, der sollte sich auch an seine eigene fassen. Es gibt sogar Punkte wo sich Herr Rether noch negativ von Herrn Lüning abhebt. Letztere ist zumindest direkt erreichbar, dass man Kritik an ihn selbst direkt addressieren kann (sie wird nur nichts bewirken). Herr Rether ist nicht direkt erreichbar, tritt nur unkommentierbar im Fernsehen oder auf der Bühne auf. Die Videos von youtube stammen ja auch nicht von ihm selbst, sondern sind Aufzeichnungen aus dem Fernsehen. Im Internet lässt sich Herr Rether durch eine Agentur vertreten.

Mehr als arte kann sich Herr Rether unter Bildung wohl auch nicht vorstellen. Das Internet ist für ihn wohl genauso Neuland wie die von ihm vielzitierte Frau Merkel. Herr Rether sollte vielleicht mal Telepolis und heise-Forum lesen, statt stumpfsinnig arte schauen.

Aber zurück zum Wählen und den unkritischen Umgang mit dem politischen System. Sowohl Lüning als auch Herr Rether können sich beide nichts jenseits von Wahlen vorstellen. Für den einen liegt das Unglück darin, dass zu viel rot gewählt wird, für den anderen, dass zu wenig rot bzw. links gewählt wird. Dass beide wählen können was sie wollen und es überhaupt nichts bringt bzw. vollkommen irrelevant für das was letztendlich realpolitisch entschieden wird, dazu sind beide nicht in der Lage. Sie bewegen sich beide im Laufställchen des von oben vorgegebenen politischen Systems. Ja, Herr Rether, mal erwachsen werden, ihre eigenen Worte. Wer selbst im politischen Läufställchen sitzt, sollte anderen nicht empfehlen erwachsen zu werden.
Ja, auch ein Herr Rether ist mit dem Blick über den politischen Gartenzaun in die Schweiz überfordert. Systemkritik? Echte (direkte) Demokratie? Gleichfalls Fehlanzeige. Mehr als ein dummer Billig-Lacher-Spruch „Wählen ist wie Zähneputzen. Wenn man’s nicht macht wird’s braun“ fällt ihm als Argument fürs Wählen nicht ein.
Dass das Wählen an sich und dessen Blankovollmacht an die Politiker das Problem sein könnten und genau deswegen rechtspopulistische Parteien auf diese Karte setzen und nicht auf direkte Demokratie (auch wenn sie vorgeben dafür zu sein), kommt ihnen nicht in den Sinn. Dass Hitler es genauso gemacht hat und nicht durch das Volk, sondern durch die herrschende Elite an die Macht kam, und dass die anderen Parteien im Parlament seinem Ermächtigungsgesetz zustimmten (mit Ausnahme der SPD, auf deren Stimmen es aber nicht mehr ankam, weil die KPDler schon verhaftet waren), das kriegt ein Herr Rether auf arte eben nicht mit.
Und dass wir dieses besch$%&@ene System haben, haben wir nicht Frau Merkel sondern Herrn Adenauer zu verdanken. Aber mehr als Geschichte von ZDF History kennt Herr Rether wohl auch nicht.
Auch Herr Rether sitzt in einer Suppenschüssel und hält den Rand der Schüssel, seinen geistigen Horizont für das Ende der Welt.
Dass jemand bewußt und aus anderen, über seinen geistigen Horizont hinaus reichenden Gründen nicht wählt, das geht über die Vorstellungskraft von Herrn Rether. Herr Rether will sich nicht von Frau Merkel das Wählen vermiesen lassen, merkt aber nicht, dass Adenauer ihn schon vor über 50 Jahren mit dem Wahlrecht und dem Monopol des Parlamentarimus politisch als Bürger so kastriert hat, dass er sich als wählender Bürger noch für den potentesten Bullen im Stall hält. Die hohe Kunst der Volksverarschung besteht darin den Bürger so schnell über den Tisch zu ziehen, dass selbiger die Reibung für Nestwärme hält. Herr Rether, Sie sind schon auf der anderen Seite des Tisches und merken es nicht einmal.

Ja, letztendlich bewegt sich Herrn Rethers Kritik an den Bürgern auf dem „Arschloch“-Niveau von Frau Humpe: alle Nichtwähler in einen Topf und draufhauen. Herr Rether mag sich bei arte doof vorkommen, aber hält sich selbst für schlauer als alles was nicht arte guckt – auch die, die sich bei arte verarscht vorkommen. Für Herrn Rether sind die massenmedial verbreiteten Dumpfbacken das Maß der Dinge. Ja, der Witz mit dem Nichtwählen hält auch nur eine Sekunde – und nach der Wahl wird’s bitter, wenn die Ernüchterung kommt. Alle vier Jahre, das gleiche Spiel und nix draus gelernt.
Und von den von ihm gewählten Politikern glaubt Herr Rether, dass die irgendwann das Fleisch u.ä. verbieten. Never ever? Aber fleissig weiter wählen! Links, Rechts, Mitte – Herr Rether sie können wählen was sie wollen: es kommt nur realpolitische Scheiße bei raus. Herr Rether, das Gefühl der Menschen ist schlauer als ihr Intellekt. Denn irgendwann kommt sich auch der letzte Depp verarscht vor. Leider haben die wenigsten Deppen den Intellekt ihr Gefühl so gut zu verstehen, dass sie nicht vom Regen in die Traufe kommen bzw. sich von ihrem Denken im System emanzipieren können. In diesem Sinn sind Sie auch ein Depp, ein arte-Depp, aber eben immer noch ein Depp.

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