Was macht eigentlich Bernhard Lassahn?

Da ist mir beim intellektuellen Bergwandern mal wieder ein fetter Felsbrocken in den Weg gefallen, den ich jetzt versuchen muss mit dem Geologenhammer in handlichen Schotter zu zerlegen.

Es begann damit, dass ich gestern Abend im Bett nach längerer Zeit mal wieder ein kleines Buch zur Hand nahm und darin las. Es handelt sich um „Der Bonsai will das“ von Bernhard Lassahn. 1. Auflage 1989, 60 Seiten. Dieses Buch habe ich vor ca. 30 Jahren vom Autor selbst mit persönlicher Widmung auf meine Anfrage beim Radio hinsichtlich eines seiner Audio-Beiträge unaufgefordert zugeschickt bekommen. Der Sender hatte meine Anfrage offensichtlich an ihn weitergeleitet, was ihn darauf zu dieser sehr persönlichen Geste veranlasste.

Dieses kleine Buch mit 22 „Minis“ befindet sich nun also schon seit 30 Jahren in meinem „Bücherschrank“ und ich habe in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder darin gelesen, obwohl ich alles schon kannte. Ich habe nicht viele gute Bücher, die aber lese ich gerne immer wieder mal und sei es nur einzelne Abschnitte, die mich nachhaltig beeindruckten.

Bernhard Lassahn fiel mir schon in den 1980ern als Wortkünstler in seinen Radio-Minis auf. Noch sehr in Erinnerung (und teilweise als Mitschnitt erhalten) ist ein Lesung von ihm mit solchen Minis, die im Radio, dem damaligen Südwestfunk, übertragen wurde, im Stil ähnlich dem was ein Horst Evers oder eine Marc-Uwe Kling tun. Und nach gestern nach ca. 25 Jahren im Internet fragte ich mich spontan: was macht eigentlich Bernhard Lassahn heute?

Also nach Bernhard Lassahn im Netz gesucht und auch schnell fündig geworden. Er ist natürlich jetzt auch 30 Jahre älter geworden und immer noch 20 Jahre älter als ich, aber er schreibt noch immer. Nicht nur Bücher, sondern auch in Blogs wie z.B. bei achgut.com/autor/lassahn. Zuerst las ich Beiträge von ihm, die sich mit Feminismuskritik und sozialer Gleichmacherei befassten, oder auch mit Dummfragen und konnte darin relativ gut nachvollziehen, warum mich schon vor 30 Jahren seine Beiträge fasziniert hatten.
Ich dachte mir: das was ich mit naturwissenschaftlicher Logik mir erschlossen habe, darauf kommt er mit dem gesunden Menschenverstand und kann es vor allem auch mit passenden Worten beschreiben. Seine politisch unkorrekten Ausführungen in den genannten Artikeln korrespondieren sehr mit meinen zum Unterschied der Geschlechter, Parteien und Wahlen und Genderwahnsinn.

Und dann stieß ich auf seinen Artikel zur Klimaschutzdebatte und dachte noch zuerst, wenn er schreibt:

In Wahrheit wollen die Grünen aber mit der CDU gemeinsam die Sache weiter gegen die Wand fahren.

dass wir auch hier (nicht ganz) zufällig i.S.v. coincidence der gleichen Meinung sind.

Aber dann habe ich mir das von ihm empfohlene, verlinkte Video angesehen und mir ist beinahe die Kinnlade runtergefallen: ein Video, das so auch als AfD-Werbevideo durchgehen kann und in dem von vorne bis hinten der menschengemachte Klimawandel durch Treibhausgasemissionen komplett geleugnet bzw. FUD gestreut wird. Nachdem ich keine diskursive Verbesserung mehr erwartete, habe ich den Rest des Video nur noch grob durchgescannt. Und auf E-Autos wird auch noch undifferenziert bzw. wie im kürzlichen TV-Beitrag des WDR eingedroschen.
Die Kommentare unter dem Lassahn-Artikel liessen auch keine Fehldeutung der klimawandelleugnerischen Intension zu, sowohl von Autor als auch Video. Was als eine „verbesserte“ Version des Rezo-Videos in dem – ganz auf meiner Linie – auch die Grünen ihr Fett wegbekommen sollten, von Lassahn angekündigt wurde, entpuppte sich als das krasse Gegenteil, nämlich einem „AfD-Werbevideo“ (wenn man das Rezo-Video wie Lassahn selbst als „Grünen-Werbevideo“ ansieht, weil er darin CDU/CSU, SPD und AfD stark kritisiert). Da war ich schon geschockt wie jemand nicht unintelligentes auf so billige Polemik hereinfallen kann. Im folgenden ein kurzer Einschub zur Kritik an diesem Video.


Es handelt sich um ein Video von Jasinna auf youtube v=qhBodWEorgY vom 08.05.2019 das mit „Eine kleine CO2 Horror-Geschichte“ betitelt ist. Unhöfliche Länge: über eine Stunde, vergleichbar dem von Rezo.
Das Ganze ist im wesentlichen eine Aneinanderreihung von TV-Schnipseln und Screenshots von Zeitungsartikeln der Mainstreampresse. Die Autorin sucht sich einfach irgendwelche Aussagen, die ihr in den Kram passen heraus und fügt diese „logisch“ aneinander. Eine (selbst-)kritische Hinterfragung der Prämissen findet nicht statt, sondern werden einfach als „wahr“ dargestellt, so wie die der Gegenseite als „Lüge“. Das alles kann nur schwerlich kognitiv, sachlich und wissenschaftlich und selbst journalistisch als akzeptabler Diskurs hingenommen werden. War das Rezo-Video noch mit wissenschaftlichen Fußnoten ohne Ende gespickt, werden hier nur irgendwelche Wetterfrösche im mdr-Fernsehen, Artikel-Schlagzeilen aus Spiegel, Welt&Co., TV-Ausschnitte von mündlichen Anhörungen angeblicher „Experten“ im Bundestag usw. usw. so aneinander gepappt, wie es der Autorin in den Kram passt. Die Argumente der Gegenseite werden auf „Quatsch“-Zitate reduziert. Ernstzunehmende Wissenschaftler der Gegenseite wie z.B. ein Stefan Rahmsdorf kommen in dem Video trotz der Länge mit einer Schnittgeschwindigkeit eines Musikvideoclips, gar nicht zu Wort, von einem Diskurs mit wissenschaftlichem Anspruch ganz zu schweigen. Ein Journalist hätte wenigstens eine Stellungsnahme zu den Vorwürfen eingeholt. Ich kann alle, die zu den vor dem Klimawandel warnenden Wissenschaftlern halten, verstehen, dass ihnen zu einem so polemischen Propaganda-Video, wie es die Erdölmafia fast nicht hätte besser machen können, nicht viel einfällt außer name calling, aber ich finde es ist wichtig, sachlich und auf Metaebene die mangelnde wissenschaftliche und diskursive Satisfaktionsfähigkeit des Videos heraus zu stellen. Denn auch wenn das Video wissenschaftlich nicht ernst zu nehmen ist, politisch muss man es ernst nehmen, denn es hat öffentliche Wirkung, so wie auch das Rezo-Video. Die Kommentare unter dem Video und dem Lassahn-Artikel sprechen Bände, welche Folgen solche rabulistische Desinformation hat.

Ich habe das Video wie schon gesagt mir nicht in seiner unhöflichen Länge angetan, denn es war für mich nicht im geringsten unterhaltsam, sondern eine Beleidigung meines kritischen Intellekts. Da was da angeblich zum „selberdenken“ anregen sollte, war wohl nicht auf eine kritische Rezeption des Videos selbst gedacht, sondern nicht mehr als das unkritische Nachplappern der Halbwahrheiten im Video. Ich tu mir vielleicht das Video noch mal irgendwann in seiner unhöflichen Länge an, aber jetzt hier jede einzelne Lüge und Halbwahrheit herauszuarbeiten ist eine kaum leistbare Arbeit. Z.B. soll der eine „Wissenschaftler“ in der Anhörung der den Treibhauseffekt leugnet von RWE gekauft sein.
Man müsste da eigentlich jede von der Autorin hingerotzte Prämisse hinterfragen und die Hintergründe recherchieren und die vielen wissenschaftlichen und argumentativen Lücken auffüllen. Wenn das jemand machen kann und will, dann hat der meinen Respekt und meine Achtung und ich helfe gerne dabei, wenn ich soll.


Soweit der Einschub. Was mich bei einem Bernhard Lassahn wundert ist, dass ihm seine eigenen Widersprüche zum Video nicht auffallen. Wie soll jemand, der das Rezo-Video „gut“ fand, dieses Jasinna-Video als „Ergänzung“ auffassen, wo es das krasse Gegenteil davon ist? Rezo hat mit keinem Wort den menschengemachten Klimawandel geleugnet und ganz klar hinsichtlich dieser Frage genau das vertreten, was die Wissenschaftler des IPCC oder des PIK wie Stafan Rahmsdorf sagen. Nicht der leiseste Hauch von Klimawandelleugnen ist bei Rezo zu finden. Das Jasinna-Video besteht praktisch nur aus Klimawandelleugnen bzw. -FUD.

„Alles gut“? Oh, nein, Herr Lassahn, nichts ist gut an diesem Video von Jasinna, außer, dass es als abschreckendes Beispiel für die rabulistische Desinformation der Klimawandelleugner dienen kann. Und dass jemand wie Sie, der ob seiner Intelligenz Naivität nicht für sich in Anspruch nehmen kann, dem auf den Leim geht und nicht die krassen, diskursiven Lücken in der Argumentation erkennt, ist schwer enttäuschend.
Es sei denn Ihr Artikel war eine Satire auf die Klimawandelleugner, aber dann sollten Sie vielleicht noch mal Ihren Ratgeber „Wie unterscheide ich Satire von der Wirklichkeit“ lesen. Das einzige was ich bedingt gelten lassen würde, ist die Tatsache, dass Sie zwar eine akademische Bildung haben, aber nicht Naturwissenschaft studiert haben und in der Folge mit fachlich ernstzunehmendem naturwissenschaftlichem Diskurs und dem Erkennen eines solchen nicht kompetent sind. Aber selbst dann sollte Ihnen ein rabulistischer FUD ins Auge fallen oder Sie schweigen besser dazu als sich auf fachfremdes Terrain zu begeben.
Einzig ihre Nachbemerkung:

Ich stelle meine Gedanken zur Diskussion – und bin bereit, mich belehren zu lassen und die Meinung zu ändern

lässt mich etwas hoffen, dass Sie einer Neubewertung dieses Videos von Jasinna nicht vollkommen negativ gegenüber stehen.

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Eine Antwort zu Was macht eigentlich Bernhard Lassahn?

  1. Carlo schreibt:

    In multidimensionalen, vernetzten Strukturen mit multiplen Ebenen auf denen multiple Prozesse ablaufen ist es nicht möglich, ein eindeutiges Optimum zu bestimmen, weil es kein objektives Verfahren zur Ermittlung der Gewichtung der einzelnen Dimensionen gibt. (Nebenbei: Das gleiche Problem betrifft gesellschaftliche Strukturen und Prozesse.) Das Universum, inklusive der Erde und das Leben bilden multidimensionale Strukturen ab. Optimum, Gleichgewicht, Gerechtigkeit sind der Natur unbekannt. Sonst gäbe es keine Bewegung und Entwicklung. Sie sind Phantome von Menschen in der modernen westlichen Gesellschaft, in der eine materialistische, ein- und zweidimensionale, von der Ökonomie geprägte, Denkweise vorherrscht.
    Ich habe bisher keine Quelle gefunden, die mir glaubhaft vermitteln konnte, wie groß die optimale CO2-Konzentration für die Erdatmosphäre sein sollte, warum und für wen sie optimal sein sollte und wann es dieses Optimum in der Erdgeschichte gab. Das Gleiche gilt für die optimale Erdtemperatur.
    Ich bin ganz sicher niemand, der daran glaubt, dass sich das Klima auf dem Planeten nicht wandelt. Vielleicht fungieren Menschen dabei sogar als Katalysator, weil sie massiv und auf katastrophale Weise in verschiedenste natürliche Kreisläufe eingreifen. Nur können mich die einfachen ein- oder zweidimensionalen Denkansätzen (viel und wenig, hoch und runter – ebenso wie links und rechts), welche dann zu CO2-Steuer und CO2-Emmissionshandel führen (es geht also um Geld – wie beim katholischen Ablasshandel) nicht davon überzeugen, dass das Thema wirklich Schutz des Planeten ist. Ich denke, dass es sich bei dem ganzen gegenwärtigen (Klima)Aktionismus um die Erhaltung des bestehenden westlichen Wirtschaftssystems dreht. Es musste nur eine neue Knappheit erfunden werden, die dann Geld wert ist, die Investitionen erfordert.
    Wenn wirklich der Schutz des Planeten gemeint ist, dann wäre zunächst einmal Frieden der nächstliegendste Schwerpunkt. Keine andere menschliche Aktion braucht in kürzester Zeit mehr Ressourcen und richtet gleichzeitig so viel Schaden an wie Krieg. Erstaunlich ist, dass man davon in den aktuellen Umweltbewegungen so gut wie nichts mitbekommt.

    P.S.: Ich habe bei Videos gesehen (Rezo und Jasinna) und bin von keinem begeistert.

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