Backfire-Effekt der anderen Art

Falsch zugeordnetes Zitat des Tages

Gewalt erzeugt Gegengewalt

Sir Isaac Newton

Nicht wenige Menschen empören sich über die diversen Corona-Zwänge, andere meinen, dass die Maßnahmen sinnvoll seinen, manche sehen sich zum Hilfssheriff berufen, andere stehen dem eher fatalistisch gegenüber und ordnen sich dem staatlich verordneten Gruppenzwang unter. Nur wirklich mögen tut diese Maßnahmen wohl niemand. Und das bleibt nicht ohne Folgen, ganz unabhängig wie man dazu bewußt steht. Wenn man für alles eine unangenehme Maske tragen muss, diese nicht vergessen darf und dran denken muss, wenn man für jeden Besuch im Restaurant, im Schwimmbad, whatever seine persönlichen Daten an- und abgeben muss und alle anderen Corona-Regeln befolgen muss, dann macht alles nicht mehr so viel Spaß wie sonst. Besonders deutlich wird dies an den jetzt zaghaft wieder öffnenden Schwimmbädern. Alle Schwimmbäder müssen nicht nur die Corona-Auflagen erfüllen, sondern jedes Schwimmbad verfolgt sein eigenes „Sicherheits“-Konzept, dessen Vermittlung an die Badegäste ein halbes Hochschulstudium erfordert. Dazu kommen die Einschränkungen, die gerade in Späßbädern und Saunen das Vergnügen doch deutlich einschränken. Ein Blick ins lokale, seit dem 1. Juli wiedereröffnete Freibad spricht Bände: gähnende Leere. Die Anzahl der Bademeister übertrifft fast die der Badegäste.
Die Folgen bleiben nicht aus: alles was durch Corona-Zwänge eingeschränkt ist, wird von der Bevölkerung gemieden – bewußt oder unbewußt, auf jeden Fall tendenziell. Und das verdirbt eben auch die Konsumlaune. Wer mit Maske einkaufen gehen muss, der arbeitet so schnell wie möglich die Einkaufsliste ab und schaut nicht mehr links uns rechts, sondern sieht zu dass er bald wieder draußen durchatmen kann. Doch das Geschäftsmodell vieler Einzelhändler lebt vom „Bummeleffekt“, dem ungeplanten Spontankauf der Kunden. Wenn alle nur noch das kaufen, was sie unbedingt brauchen, dann hat der Einzelhandel ein Problem, zumal das häufig Waren sind die in der Mischkalkulation preislich eher unten rangieren, früher auch „Bückware“ genannt.
Bei mir selbst sehe ich auch die Tendenz deutlich weniger einkaufen zu gehen und dafür gleich auf Vorrat einzukaufen. Das reduziert die Wahrscheinlichkeit von Spontankäufen weiter. Und bei vielen wird auch das Geld nicht mehr so locker sitzen, auch wenn jetzt ein paar Cent Mehrwertsteuer gespart wird. Die Rezession ist ja auch nur aufgeschoben und nicht aufgehoben.
Die Zwangsmaßnahme sind also ein sehr zweischneidiges Schwert. Statt auf Überzeugung auf Repression und Zwang zu setzen, hat auch seinen Preis. Der (zweifelhafte) Vorteil durch die Einschränkungen wird durch weiteren Konsumverzicht erkauft. Vor allem wenn man bedenkt, dass im Restaurant, im ÖPNV, im Schwimmbad, im Einzelhandel nicht das Gemeinschaftserlebnis im Vordergrund steht und man generell Körperkontakt vermeidet und auch selten sangesfreudig alkoholisiert jeden herzelt, der einem begegnet. Die bekannten Ansteckungsherde waren Karneval, Apres-Ski-Parties usw. Wie die Heinzberg-Studie nahelegte, war selbst in gemeinsamen Haushalten, das Ansteckungsrisiko deutlich unter 100%. Masken und spezielle Vorschriften mögen zwar die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung von einem Infizierten auf andere reduzieren, die Frage ist nur: wie hoch ist sie in solchen Alltags-Situationen überhaupt? wie oft wird man von Fremden beim Einkaufen, im Schwimmbad, in der Sauna, beim Arzt angehustet, angeniest, feucht angesprochen oder tut dies bei anderen? und stehen die Nachteile im Verhältnis zum Nutzen? Letztere Abwägung findet nicht statt. Stur werden die Verordnungen durchgezogen und befolgt, so wie es im Obrigkeitsstaat Deutschland schon immer war. Demnächst wird sicher noch im Einzelfall mit Metermaß der Sicherheitsabstand nachgemessen. Ein entsprechendes Autoritätsgehabe durfte ich bereits erleben. Manche Dinge ändern sich eben nie, und andere noch später.

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Eine Antwort zu Backfire-Effekt der anderen Art

  1. cassiel schreibt:

    Die Corona-Zwangsverordnungen haben noch weitere sozial negative Auswirkungen:
    700 Millisekunden können Karrieren schädigen

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