Genderfail des Tages

Inzwischen ist die Sprache ja zu einem politischen Statement verkommen. Wie jemand spricht und schreibt ist eine politische Aussage nicht zuletzt ob man Anhänger des Genderwahnsinns ist oder nicht.
Auffällig dabei, dass es sowohl den Überzeugungstätern als auch den Mitläufern selten, in der Regel nie gelingt die ein oder andere Ausdrucksweise durchzuhalten und so Missverständnisse provoziert werden, ganz abgesehen davon, dass das Gendern die Sprache um geschlechtsneutrale Ausdrucksmöglichkeiten beraubt. Letzteres ist auch als Gedankenspiel interessant. Bei Artikeln in denen häufig Personenbezeichnungen vorkommen mache ich mir einen Spaß daraus mich zu fragen wie eine gegenderte Ausdrucksweise wohl aussehen würde, wenn die geschlechtsneutrale Form eigentlich kaum eine andere Wahl als diese lässt. Und natürlich zu schauen wie lange das eine oder andere durchgehalten wird und wann es zuerst inkonsequent wird.
Ein schönes aktuelles Beispiel ist der Telepolis-Artikel von Stephan Schleim über den akademischen Adel in Deutschland in Form von offiziellen Namenszusätzen wie Doktor- und Professorentitel. Mal abgesehen davon, dass ich der Ansicht bin, dass der Doktorwahn der Politiker und die damit verbundenen Plagiatsaffären schlicht Ausdruck ihres Standesdünkel, ihrer Arroganz und ihrer chauvinistischen Grundhaltung sind mit denen sie sich als „von der Vorsehung auserwählte“ Herrscher von Gottes Gnaden über das Volk erheben und sie in Folge dessen auf die Guillotine zu schicken sind, ist der Artikel ein schönes Beispiel für die innere Zerrissenheit die der Genderwahn produziert.
Einerseits wimmelt nur so vor generischem Maskulinum wie „Betreuer“, „Gutachter“, „Kollegen-„, „Wissenschaftler“, „Mediziner, „Parlamentariern“, „Akademiker~“, „Doktoranden“, „Politiker“ und nicht zuletzt „der Doktor“. Auf der anderen Seite das krampfhafte Bemühen um „Geschlechtergerchtigkeit“ (die auch als solche im Artikel Erwähnung findet) in der Sprache, mitunter bei den gleichen Personen(gruppen)ausdrücken: „zur Ärztin/zum Arzt“, „Doktorinnen und Doktoren“, „Politikerinnen und Politiker“, „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“, „Wählerinnen und Wähler“. „Promovierende“ usw.
Einmal mehr der Eindruck: halb gewollt und halb gekonnt. Der Verzicht auf Genderzeichen oder gar die Verwendung von weiblichen Formen als „geschlechtsneutral“ lässt die Vermutung aufkommen, dass der Autor kein Überzeugungstäter beim Gendern ist, sondern eher ein Mitläufer (was nicht unbedingt weniger schlimm ist), der entweder versucht es allen irgendwie Recht zu machen, statt klare Kante zu zeigen oder dem seine Sprachzentren einen Streich spielen und er im Sprachfluß immer wieder ins generische Maskulinum zurück fällt. Einem Psychologen wie Herrn Schleim sollte letzteres allerdings nicht passieren, was ersteres wahrscheinlicher macht.
Das Zuckerl im Artikel ist der Ausdruck „Lehrer-Schüler-Beziehungen“. Wie würde man das wohl gendern ohne sexuell anzügliche Assoziationen hervorzurufen? Schon im normalen Deutsch ist es ja schwierig bzw. sehr kontextanbhängig, wenn von einer „Freundin“ oder einem „Freund“ gesprochen wird, insbesondere bei gegengeschlechtlichen Konstellationen oder bei homosexuellen Beziehungen. Wenn man nun von „Lehrer:innen-Schüler:innen-Beziehungen“ spricht, also die Sexualität der Personen hervorhebt, rückt es das Wort „Beziehungen“ ebenfalls in die Nähe eines sexuellen Kontext. Man kann eben schwer einerseits das biologische Geschlecht betonen um dann von asexuellen „Beziehungen“ zu sprechen.

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