Das ist das Ende der Elektromobilität!!111elf!!!

Falsch zugeordnetes Zitat des Tages:

Satiram non scribere difficile est

Mario Illien, Formel-1-Motorenkonstrukteur

Vorher noch kurz einen Check machen … nein, es ist nicht der 1. April.

Infosperber proudly presents by courtesy of Niklaus Ramseyer:
Der weltbeste(!)¹ Konstrukteur von Formel-1-Motoren erklärt uns warum Elektroautos $¢ħ€ı$$€ sind:

Er stellt fest: «Elektroautos sind keine Lösung für das globale Klima.»

Na, wenn der das sagt, dann muss es ja stimmen.

Denn: «Die ganze Effizienz eines Systems ist wichtig, und nicht nur ein Teilgebiet, um das Image zu pflegen und das Gewissen zu beruhigen.» Und noch in den oft betonten «Teilgebieten» sieht es für das Elektroauto vergleichsweise eher schlecht aus: Ingenieur Illien rechnet vor, dass von jener Energie, die zum Laden ihrer Batterien in Elektrizitätswerke einfliesst, die Stromer letztlich gerade mal noch 11 Prozent als Schub über ihre Antriebsräder auf die Strasse bringen. Der viel geschmähte Diesel ist mit über 20 Prozent schon doppelt so effizient. Die Triebwerke der effizientesten Benzinverbrenner bringen es auf 50 Prozent Wirkungsgrad. Es sind die Formel-1-Motoren, bei denen Effizienz über Sieg oder Niederlage im Rennen entscheidet.

Und ich Dummerchen hab mir ein Elektroauto gekauft und bin auch noch total zufrieden damit. Das kann nur mein schlechtes Gewissen sein. Mea culpa. Mea maxima culpa. Mein nächstes Auto wird mit Sicherheit wieder ein Formel-1-Volkswagen.

Der heute bald 72-jährige Illien hat sich sein Leben lang mit dieser Thematik befasst – und seine Erkenntnisse laufend als Konstrukteur in den weltbesten Hochleistungsmotoren umgesetzt

Logisch. Wer sein Leben lang Formel-1-Verbrennungsmotoren konstruiert hat, der muss sich mit Elektromotoren auskennen.

Heute betreibt der Ehrendoktor der Universität Leeds unter dem Namen «Ilmor Engineering» noch eine kleine Forschungs- und Entwicklungsfirma für Motoren.

Für einen richtigen Doktor hat es wohl nicht gereicht. Und dass er um die Existenz seiner Firma fürchtet ist natürlich böswillig erfunden.

Dabei ist Illien es gewohnt, Detailprobleme ganzheitlich und umfassend anzugehen.

Klar, das Klimaproblem lösen wir ganzheitlich mit Formel-1-Motoren für alle 7 Milliarden Menschen auf der Welt.

Dabei ist der «hundsmiserable» (Illien) Wirkungsgrad der E-Triebwerke noch das kleinere Problem: «Katastrophal» wird die Ökobilanz der Stromer erst recht bei deren Produktion und speziell wegen ihrer zentnerschweren Batterien.

Und wer die Wörter „hundsmiserabel“ und „katastrophal“ benutzt ist natürlich über jeden Zweifel oder einem wissenschaftlichen Beweis seiner Aussagen erhaben.

Die NZZ hat am 17. Juli (S. 57) vorgerechnet, was es schon nur zum Bau der Batterie eines einzigen Tesla braucht: 85 kg Kupfer, 56 kg Nickel, 7 kg Kobalt und 6,6 kg Mangan. Das Blatt rechnet vor: Um die Diesel- und Benzinfahrzeuge schon nur in der Schweiz durch Elektroautos zu ersetzen, «würden 40’000 Tonnen Kobalt benötigt – ein Drittel der jährlichen Weltproduktion». Untertitel des Artikels: «Elektroautos haben eine Schwachstelle: Batterien aus Rohstoffen, die weltweit knapp werden.»

Die NZZ beim infosperber wieder mal als wissenschaftlich unumstrittene Quelle der Wahrheit. Diskussion beendet. Case closed.

Er sagt: Die anderen gut 99 Prozent – also weit über eine Milliarde Autos mit meist noch gut laufenden Explosionsmotoren – lange vor ihrer maximalen Lebensdauer staatlich gefördert durch Elektrowagen zu ersetzen, wäre eine gigantische Verschwendung.

Und diese nach wie vor weiter zu produzieren und mit fossilen Kraftstoffen zu füttern ist natürlich keine Verschwendung, weil natürlich in jedem dieser Kfz ein höchst effizienter Formel-1-Motor von Illien steckt.

Und die Batterieproduktion dafür wäre ökologisch nie tragbar. Denn: «Unsere Ressourcen sind begrenzt und wir sollten ein Interesse daran haben, sparsam und vernünftig damit umzugehen.»

Also lieber das unbedenkliche, unbegrenzt verfügbare Erdöl sauber aus der Erde pumpen, um auch noch den Rest der Menschheit mit Illiens Formel-1-Motoren höchst sinnvoll im Kreis fahren zu lassen, während andere dabei zuschauen und sich am säuselnden Klang der Verbrennungsmotoren erfreuen.

Batterieautos, die mit 1000 oder noch mehr PS einen einzigen Menschen in knapp 3 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen, haben mit solcher Vernunft sicher nichts zu tun.

Wieviel vernünftiger ist dagegen doch ein Launch-control-Start eines Formel-1-Rennwagens.

Mit übelsten Folgen für die Umwelt: «Raubbau, Verschmutzung und die Zerstörung von Landschaften und Leben sollten uns im Zusammenhang mit der Elektromobilität beschäftigen», fordert Motorenbauer Illien.

und nicht so viel auf die Umweltfolgen von der Förderung fossiler Brennstoffe schauen. Das lenkt nur von den Gefahren der Elektromobilität ab.

Konkret stellt er fest: «Lithium wird mit Wasser aus dem Gestein herausgespült. Es gibt Vorkommen in Argentinien, Bolivien, Chile oder Peru, also in ziemlich trockenen Gegenden, wo es ohnehin nicht viel Wasser hat. Und nun wird der lokalen Bevölkerung auch noch das Grundwasser für diesen Prozess entzogen. Da wird keine Rücksicht genommen, ganze Täler werden auf den Kopf gestellt.» Und die Batterieentsorgung stellt am anderen Ende der Kette ein weiteres, weitgehend ungelöstes Problem dar: Schon nur von den modischen E-Bikes (im Volksmund böse, aber treffend «Viagra-Velo» genannt) bescherten allein in der Schweiz letztes Jahr 44 Tonnen Altbatterien, die irgendwo entsorgt werden müssen.

Logisch. Die oben erwähnten Tonnen von Kupfer, Nickel, Kobalt und Mangan zu „entsorgen“ macht natürlich Sinn. Machen wir ja mit den Bleibatterien aus den Verbrennerautos ja auch so. Das Wort „Recycling“ ist ja noch nicht erfunden worden. Das verbrannte Erdöl können wir natürlich problemlos im Kreis führen und aus dem Auspuff wieder in den Tank füllen. Für Supereffizient-Illien alles kein Problem.

Angesichts dieser Fakten …

Yup. Beweis durch Behauptung.

E-Mobilität ist höchstens eine partikulare Scheinlösung für begüterte Führungskräfte weltweit.

Logisch. Einen Formel-1-Rennwagen zu fahren ist dagegen die Rettung der Menschheit. Einen Ferrari zu fahren kann sich ja auch jeder leisten.

…während die Ärmsten auf dem Land mit ihren kleinen Dieselfahrzeugen die Zeche zahlen müssen

Wie ich diese Wohltäter der Menschheit, die sich aus der Formel-1-Cockpit oder dem Hubschrauber heraus um die Ärmsten der Welt und das Klima kümmern, liebe. Und diese urbanen Ökofuzzis sind dagegen natürlich reine Egoisten ohne Sinn und Verstand:

Doch marktwirtschaftlich-freisinnig orientierte Lifestyle-Linke und -Grüne meinen auch hierzulande, mit der Verteuerung der Verbrenner-Treibstoffe sei der Umwelt geholfen. Dabei ist dies nicht nur asozial, sondern auch ökologisch unsinnig

Der Fachmann Illien hält klar fest: «Das Vernünftigste ist immer noch ein Dieselauto.» Das gilt insbesondere für Kleinwagen mit Kat, wenn man sie möglichst lange fährt und immer wieder repariert.

Logisch. Die fahren ja auch alle mit Illiens supereffizienten Formel-1-Dieselmotoren. Moment mal …

Illien argumentiert technologisch: «Mir schwebt ein sogenannt serieller Hybrid vor. Also ein Verbrennungsmotor, der im optimalen Wirkungsgradbereich mit synthetischem Kraftstoff Strom erzeugt.»

Hybrid? Das sind doch auch Elektromotoren, oder? Ich dachte der Formel-1-Motor von Illien sei so viel effizienter …

Entscheidend sei dabei, «dass kinetische Energie beim Bremsen und Bergabfahren rekuperiert wird» (wie das bei den Eisenbahn-Lokomotiven teilweise schon geschieht). Also zum Batterieladen verwendet statt in Wärme und Bremsbelag-Abrieb verschwendet wird.

Eisenbahn-Lokomotiven und Batterieladen mit Formel-1-Motoren? Und Elektroautos verschwenden beim Bremsen und Bergabfahren Wärme und Bremsbelag-Abrief? Jetzt bin ich aber doch etwas verwirrt, Herr Illien.

Solarenergie ist auch keine breit anwendbare Lösung. Mario Illien rechnet vor: Um ein einziges Elektroauto im Raum Zürich von November bis Februar mit Solarstrom zu laden, wäre eine Anlage mit 175 Quadratmetern Solarzellen nötig (deren Produktion auch wieder «öko-bilanziert» werden müsste).

Uhhh, auch noch Solarenergie- und Kalenderexperte. Ein Jahr besteht jetzt nur noch aus den Monaten November bis Februar. Und Wind weht in Illiens Welt keiner und ein Stromnetz gibt es auch nicht. Klar. Wozu Windkraftanlagen erfinden, wenn es keinen Wind gibt. Und dass ein Stromnetz überflüssig ist hat schon Thomas Alva Edison mit seinen Gleichstromkraftwerken bewiesen, die er jedem Kunden in den Keller gestellt hat. Das ist ja auch heute noch so.

Auf die Frage, wie er denn die Zukunft sehe, wenn alle nur noch Elektrofahrzeuge hätten (und diese jede Nacht neu laden müssten), antwortet er lakonisch: «Das wird sich von alleine lösen. Dann geht am Abend in den Häusern einfach das Licht aus.»

Auch logisch. War ja auch schon früher so. „Atomkraft oder Kerze“. Und dass ich mein Elektroauto als Notstromversorgung benutze und keinen Notstromgenerator mit Formel-1-Motor von Illien ist nur meiner grenzenlosen Ignoranz geschuldet.

Mario Illien sagt es so: «Brauchen wir täglich Lebensmittel aus aller Welt im Regal? Können wir Dinge wiederverwerten oder reparieren? Braucht bald jeder einen SUV?» Die Fragen stellen, heisst eine ehrliche Antwort suchen.

Yup. Neue To-Do-Liste: statt Elektroauto einen Formel-1-Boliden von Illien, statt das Auto für Nutztransporte zu verwenden, lieber mal öfter auf den Nürburgring und im Kreis fahren, statt jeden Monat die Batterien aus dem Elektroauto entsorgen müssen, den Formel-1-Motor bis zum St.Nimmerleinstag reparieren. Garantiert alles „ehrliche“ Antworten auf die Klimakrise.

Ach, ja, ich vergass: künftig öfter die neue Motorsportpostille infosperber lesen. Keine weiteren Fragen, euer Ehren.

¹ bei „weltbeste“ denke ich immer an den „besten Dampfmaschinenaufpasser der Welt“, dessen glorreiche Karriere mit einer explodierenden Dampfmaschine endete.

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