Klimaschutzziele: Wir schaffen das … nicht!

oder: warum man nicht versuchen sollte die Realität an eine Ideologie anzupassen.
oder: warum ich trotzdem klimaschutzfreundliches Verhalten persönlichen für sinnvoll halte und im Rahmen meiner Möglichkeiten umweltschädliches Verhalten auch in dieser Hinsicht zu vermeiden versuche.

Falsch zugeordnetes Zitat:

Reichtum ist die leiseste Sache der Welt

Wir alle

Und es geht nahtlos weiter mit Leuten, die versuchen die Realität an ihr Weltbild anzupassen und in der Folge nicht den geringsten Selbstzweifel haben. Nur diesmal nicht ganz so plump und durchsichtig wie der weltbeste(!) Motorenkonstrukteur beim infosperber, sondern mit vielen richtigen, aber leider unvollständigen Beobachtungen und den falschen Schlüssen daraus.

Ich verfolge am Rande auch das Thema Astronomie, so wie damals die Fernsehserie „alpha-centauri“ mit Harald Lesch. Konkret den Astrodicticum Simplex Blog von Florian Freistetter, seines Zeichens promovierter Astronom und seine Serie: „Die neuen Klimamythen„. Insgesamt 13 Teile inkl. Einleitung und Fazit. Vorweg so ganz falsch ist das nicht was er schreibt, allerdings auch nicht ganz richtig bzw. als Astronom scheint er wenig Ahnung von Politik bzw. hier eine ideologisch gefärbte, die großen Verursacher verschleiernde Weltsicht zu haben und Klimaschutzziele sind eben auch und gerade eine politische und soziale Frage. Ich werde jetzt bis auf Teil 12 nicht auf jeden einzelnen Teil en détail eingehen und nur grob zusammenfassen was ich von den jeweiligen Teilen halte bzw. wo ich die Schwachpunkte sehe:

Teil 01: Einleitung
Teil 02: Um die Klimakrise zu lösen, muss das Bevölkerungswachstum gestoppt werden (erscheint am 05.07.2021)

Ein generelles Problem ist, dass Herr Freistetter sich immer die dümmsten Argumente heraussucht und dann ebenso einseitig und mit Scheuklappen dagegen argumentiert, was nicht schwer fällt. Die Frage des Bevölkerungswachstum muss man eigentlich auch so beantworten, dass es nur ein kleiner, vorwiegend sehr reicher Teil der Menschheit ist, der die THG-Emissionen in Vergangenheit und Gegenwart zu verantworten hat. Der größte, ärmere Teil der Menschheit ist nur für einen Bruchteil dessen verantwortlich was die Reichen der Menschheit zu verantworten haben. Und je weiter man nach oben in der Finanzhierarchie geht um so absurder und verschwenderischer wird es, bis hin zu Multimilliardären die eben mal aus Jux und Dollerei sich in den Weltraum schießen lassen. Ganz zu schweigen von einem Staat wie die USA, die sich ein Militär leisten, das den THG-Ausstoß eines ganzen Landes wie Schweden hat. Die soziale Frage, die untrennbar mit der Klimafrage ist, kommt bei Freistetter generell zu kurz.

Teil 03: Kernkraft ist nötig, um die Klimakrise zu bekämpfen (erscheint am 07.07.2021)

Diese Ansichten teile ich weitestgehend. In meinem Blog hier komme ich zu ähnlichen Schlüssen hinsicht der Kernkraftnutzung und ihrem realistischen Anteil am Klimaschutz.

Teil 04: Sternengeschichten Folge 450: Kippelemente im Klimasystem (erscheint am 09.07.2021)

In dem Teil geht es nicht wirklich um Klima“mythen“.

Teil 05: Die Kernfusion wird die Klimakrise für uns lösen (erscheint am 12.07.2021)

Das gleiche in grün, wie die Kernspaltung und wie alle anderen Wundertechnologien für den Endsieg über die Klimakrise.

Teil 06: Das Klima ist so komplex, dass man den Modellen der Forschung nicht vertrauen kann (erscheint am 14.07.2021)

Sehe ich ähnlich. Wissenschaft macht zwar viele Fehler, ist nicht frei von menschlichen Schwächen und wir irren uns empor, aber es ist methodisch das Beste was wir hinsichtlich der Erkenntnis der Naturgesetze haben. Ich habe allerdings den Vorteil selbst ein naturwissenschaftliches Studium abgeschlossen zu haben und daher vielleicht etwas mehr Verständnis für eine wissenschaftliche Vorgehensweise.

Teil 07: Sternengeschichten Folge 451: Der Treibhauseffekt auf anderen Himmelskörpern (erscheint am 16.07.2021)

Auch kein Teil in dem es um „Mythen“ geht

Teil 08: Elektro- und Wasserstoffautos sind die Lösung für die Klimakrise (erscheint am 19.07.2021)

Über die Unsinnigkeit einer technologischen Wasserstoffnutzung habe ich mich ja in diesem Blog schon des öfteren ausgelassen.
Und zum Elektroauto als Klimaretter habe ich mich ja gerade geäußert.
Also im wesentlichen das Gleiche und teilsweise identische Gedankengänge.

Teil 09: Solange wir das CO2 nicht aus der Atmosphäre entfernen können, brauchen wir mit dem Klimaschutz gar nicht anfangen (erscheint am 21.07.2021)

Auch hier gehe ich mit Freistetter weitestgehend d’accord. Treibhausgase erst in die Luft pusten und sich verteilen lassen um sie dann wieder energieaufwändig heraus zu filtern ist ungefähr so sinnvoll wie Salzgewinnung in dem man Salz erst in Wasser auflöst um danach das Wasser wieder aus dem Salz heraus zu kochen (oder durch eine Entsalzungsanlage zu schicken).

Teil 10: Sternengeschichten Folge 452: Die Keeling-Kurve (erscheint am 23.07.2021)

Auch kein Mythen-Teil.

Teil 11: Was Deutschland (Österreich) tut, hat auf das globale Klima doch keinen Einfluss (erscheint am 26.07.2021)

Auch hier weitestgehende Übereinstimmung. Es ist klar, dass das Klima eine globale Angelegenheit ist und folglich global gelöst werden muss, so es denn eine Lösung gäbe. Und die Staaten haben sich ja 2015 in Paris zu den Klimazielen – zumindest moralisch – verpflichtet. Sofern man das ernst nimmt, hat jeder seine Hausaufgaben zu machen. So zumindest die Theorie.

Teil 12: Es ist doch eh längst zu spät, etwas gegen die Klimakrise zu unternehmen (erscheint am 28.07.2021)

Dieser Teil verdient mehr Aufmerksamkeit, denn hier verlässt Freistetter das wissenschaftlich-technologische Terrain und begibt sich in die Politik und Psychologie, worin er aber nicht allzuviel Erfahrung und Wissen zu haben scheint, was er aber durch ideologische Argumentation und rabulistische Tricks zu verschleiern versucht um keine Zweifel an seiner Position aufkommen zu lassen, ebenso wie die Verschleierung der großen „Player“ wenn es um die THG-Emissionen geht.

Als erstes fällt auf, dass er sehr häufig unspezifisch von „wir“ spricht. Das scheint er bei unserer sozialistisch sozialisierten „Wir schaffen das“-Kanzlerin abgeschaut zu haben. Damit unterschlägt er stillschweigend, dass die Menschheit nicht als monolithischer Block agiert, sondern vielerlei konträre Interessen vom Einzelnen bis auf geopolitischer Staatenebene das Handeln mitbestimmen. Es gibt kein globales „Wir“. Das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn er davon spricht was „wir“ alles können sollen und was nicht.

Wir können das beim Pariser Abkommen beschlossene Ziel, die Erwärmung der Erde gegenüber der vorindustriellen Zeit auf 1,5 Grad zu beschränken, noch erreichen.

Dieser Satz ist so ziemlich eine Nullaussage. Es ist unklar wer „wir“ sein soll und ebenso was mit „erreichen können“ gemeint ist. Wir, die ganze Menschheit? Wir, als Nationalstaat? Wir in der WG? Wir, plurale majestatis? Und „erreichen können“: theoretisch? praktisch? realistisch? und wenn ja, unter welchen Handlungs-Prämissen vom Einzelnen bis in die Politik.

Mittlerweile ist es nicht mehr einfach, dieses Ziel zu erreichen. Aber es ist nicht unmöglich. Wir müssen halt JETZT SOFORT anfangen, etwas zu tun.

Diese Durchhalteparole, dass wir „SOFORT“ (hat ihm jemand eigentlich mal gesagt, dass fette Buchstaben wie schreien klingt? aber Computer und Internet ist ja auch nicht sein Fachgebiet) handeln müssen, höre ich schon seit Jahren. Und was hat es bewirkt? Nichts! Das sind Sonntagsreden wie in der Kirche, die niemanden erreichen und die die Erfahrungen aus der Vergangenheit komplett ausblenden.

Wir haben das CO2 ja auch alle gemeinsam in die Atmosphäre gebracht. … Und wir müssen auch alle gemeinsam wieder einen Weg dort raus finden.

Gegen dieses „wir“ werden sicher einige Länder der sogen. „Dritten Welt“ entschieden Einspruch erheben. Und gleichermaßen kann jeder auf jeden mit dem Finger zeigen, der es noch doller getrieben hat oder immer noch treibt. Dieses „Wir“ hat was von „Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren“. Warum sollte ich das ausbaden, wenn mein Nachbar mit dem SUV und 200 Sachen über die Autobahn donnert? Oder den CO2-Fußabdruck eines durchgeknallten Milliardärs mir zu eigen machen? Hier wird der Mangel an Beantwortung der sozialen Frage und wer mehr und wer weniger Verantwortung auch finanziell trägt deutlich.

Wir alle sind – zum Teil – “die Politik” und “die Wirtschaft”. Wenn wir in ausreichender Zahl darauf bestehen, bestimmte Produkte nicht mehr zu kaufen und dafür andere schon, dann hat das Auswirkungen auf das, was “die Wirtschaft” produziert. Wenn wir in ausreichender Menge die eine Partei wählen und die andere nicht, ändern wir “die Politik”.

Wieder dieses „wir“, jetzt sogar „wir alle“. Ja, ich kann mich entscheiden: kaufe ich ein Auto oder nicht? und wenn ja welches? ein sparsames Elektroauto oder ein Verbrenner-SUV, das über 10Liter auf 100km säuft. Aber schon bei meinem Nachbarn hört dieser Einfluß auf, ob und welches Auto er kauft. Beim automobilen Schwanzvergleich in der Nachbarschaft gilt ja immer noch das Prinzip „Größer, schneller, schwerer und mehr Wumms“. Und ob „wir“ als Wähler die Politik ändern können, das bezweifle ich stark und nicht mit den schlechtesten und sogar wissenschaftlichen Argumenten.
Erst wenn wir so etwas wie eine (direkte) Demokratie, wie der Schweiz haben, dann kann der Einzelne sagen „L’etat c’est moi!“ und auch dann die Verantwortung dafür übernehmen. Aber solange wir von der Politik wie unmündige Kinder entsprechend herablassend behandelt werden und nur als Wahlvieh etwas taugen, ist ein demokratischer Einfluß des Volkes auf die Politik eine hohle Phrase.

Die Politik und die anderen entscheidenden Gremien der Welt müssen handeln

Ein weiteres rabulistisches Wort, das Wort „müssen“. Also wenn man früher meinem Vater gesagt hat, was er alles müsse, hat er immer geantwortet: wenn ich was muss, dann aufs Klo. Und viel mehr „müssen“ unsere lieben Politiker auch nicht, denn eine effektive (direktdemokratische) Kontrolle dessen was die Politiker tun durch das Volk gibt es hierzulande und auch in Österreich nicht. Dieses „müssen“ ist nur der Ausdruck einer faktischen, aber negierten Ohnmacht und der klägliche Versuch die Realität an die eigenen Vorstellungen anzupassen, womit wir uns im Bereich der (Klimaschutz-)Ideologie befinden.

Woraus aber ebenso wenig folgt, dass wir als Individuen das nicht tun müssen und vor allem nicht folgt, dass wir diese Handlungen nicht einfordern können.

Fordern können wir viel. Nur einfordern können wir von der Politik nichts. Mehr als Bettelbegehren (aka Petitionen) bzw. unverbindliche „Volksbegehren“ (Österreich) sind als „Druckmittel“ gegen unwillige Politiker nicht vorgesehen. Und wie sehr sich Politiker, einmal gewählt, an das halten was sie vor der Wahl versprochen haben … Wählen bedeutet den Politbock zum Gesetzesgärtner zu machen. Wer das nicht erkennt, der lebt vermutlich in einem parallelen Universum oder lügt sich selbst in die Tasche.

Sieht man sich die Liste an, dann steht an erster Stelle der effektiven Maßnahmen der Verzicht auf ein Auto. Das spart pro Jahr und Person im Schnitt 2,5 Tonnen CO2-Emissionen.

Mittelwerte ohne Standardabweichung, sind ungefähr so sinnvoll wie eine mittlere Tagestemperatur im Wetterbericht. Ob und wieviel Abweichungen es da nach oben oder unten gibt bleibt vollkommen intransparent.

Würden wir alle auf unsere Autos verzichten, würden wir alle die unnötigen Flugreisen sein lassen, und so weiter: Dann hätte das einen relevanten Einfluss auf das Klima.

Würde, müsste, hätte … alles Konjunktive oder auch Irrealis genannt und genauso realistisch ist das auch. Pikanterweise schreibt er nur bei Flugreisen „unnötig“. Welche Flugreise ist denn wirklich nötig? Ich bin einmal in meinem Leben „in den Urlaub“ geflogen, also mit einem Verkehrsflugzeug. Aber als „nötig“ oder „notwendig“ würde ich das nicht betrachten.
Aber das ist wieder der Mythos der durch eine gemeinsame Willensbildung monolitisch handelnden Menschheit. Die gibt es aber nicht. Dazu befinden wir uns politisch noch im Mittelalter. Und da auf eine systemische Besserung zu hoffen kann ich nach über 25 Jahren Engagement für (direkte) Demokratie in Deutschland nur konstatieren: wenn sich in den nächsten 30 Jahren so viel tut wie in den letzten 30 Jahren (und davon ist auszugehen), dann kommt das wie jede Wundertechnologie garantiert zu spät. Dagegen haben Korruption und Vetternwirtschaft immer Konjunktur – auch und gerade auf Kosten des Klimaschutzes.

Aber, und auch das ist wissenschaftlich untersucht: Wir Menschen orientieren uns an anderen Menschen. Dort wo eine Person ein klimafreundliches Leben führt, sind andere eher bereit, sich auch so zu verhalten.

Meine höchstwissenschaftliche Lebenserfahrung in meinem sozialen Umfeld kommt zum gegenteiligen Ergebnis. Dass meine Familie schon seit Jahrzehnten vegetarisch bzw. vegan lebt hat niemanden beeindruckt. Im Gegenteil: Unverständnis und soziale Ausgrenzung war die Regel, selbst in der vegetarischen Jugendgruppe. Auch mein Elektroauto hat niemanden nachhaltig beeindruckt. Andere Elektroautofahrer treffe ich nur an der Ladesäule. Ökostromanbieter, das Gleiche. Ökologischer Garten, das Gleiche. Komposttoilette, das Gleiche. Japanisch Heizen, das Gleiche. Selbst innerhalb der Familie sind dem enge Grenzen gesetzt, vor allem wenn es unbequem oder eben wie von Freistetter gefordert mit Verzicht verbunden ist.

es braucht den Willen aller einzelnen Menschen

Was es nicht alles braucht. Dumm nur, dass es auch Menschen gibt, die nur auf ihren Vorteil bedacht sind. Die wenigsten handeln rein altruistisch. Solange es individuell verschiedene Interessen gibt und kein politisches System, das eine demokratische Entscheidung in die eine oder andere Richtung erlaubt, die mehrheitlich vom Volk getragen wird, wird es diesen Konsens nicht geben. Konsens ist Nonsens.
Freistetter verschleiert hier – wissentlich oder unwissentlich – dass es gerade die „Big Five“ sind, die für den Großteil der THG-Emissionen verantwortlich sind:
Politik, Militär, Wirtschaft, Reiche und Luxuskonsum.

Und es braucht die großen, politischen Entscheidungen. Und genau die können wir auch als Individuen mit beeinflussen. Greta Thunberg ist das beste Beispiel dafür …

Ab hier wird es richtig krude und realitätsfremd. Ausgerechnet Greta Thunberg soll das beste Beispiel sein? Was hat sie oder ihre Klimabewegung denn politisch signifikant bewegt? Also ich kann da zumindest in Deutschland keinen politischen Durchbruch erkennen, nicht mal ansatzweise. Sie reden nur alle sehr viel und zerreden alles. Und hinterher: business as usual. Außer Spesen nichts gewesen.

Die Klimakrise ist noch nicht durch. Es ist tatsächlich noch nicht zu spät. Wer sagt, es gäbe keine Hoffnung mehr, hat entweder keine Ahnung oder will nur von den Maßnahmen ablenken, die wir ergreifen müssen.

Man kann Herrn Freistetter nicht hindern von sich auf andere zu schließen. Dass er von Politik und Psychologie keine Ahnung hat, demonstriert er jedenfalls eindrucksvoll. Und mit seinen rabulistischen Tricks will er nur davon ablenken, dass die Menschheit die Klimalatte von Paris da bis heute viel zu wenig Anlauf reissen muss bzw. aufgrund der Erfahrung in der Vergangenheit die von den Staaten vereinbarten Klimaschutzziele nur noch theoretisch erreichbar sind. Und er will von den „Big Five“ ablenken.

Verzichtet doch mal auf das Auto.

Da soll Herr Freistetter mal hierher kommen, im Winter bei -10°C Außentemperatur und dann bei Eis und Schnee 11km einfache Strecke mit Fahrrad und Anhänger den Familieneinkauf erledigen. Er kann es auch gerne mit dem ÖPNV, sprich Bus, der am Wochenende gar nicht fährt, versuchen. Oder jetzt im Sommer ökologisch korrekt 3ha Wiese mit der Sense mähen. Oder im Herbst acht Zentner Mostäpfel ohne Auto und Anhänger zur nächsten Mosterei fahren und den Saft zurück. Das möchte ich erst mal alles von Herrn Freistetter erledigt sehen und ob er dann noch Autoverzicht predigt. Wer städtisch urban lebt, keine Garten und keinen Beruf in dem er auf ein Auto angewiesen ist, der hat gut reden. Da kann ich das auch. Aber wie wärs, soll Herr Freistetter doch einmal ein Jahr lang seine Miete, die irgendeinen Immobilienbesitzer fett füttert, nicht zahlen. Oder auf seine – vom Vermieter vorgegebene – fossile Heizung verzichten. Das ist ähnlich „realistisch“.

Das sind politische Entscheidungen und die kann man beeinflussen! Man kann sich engagieren, man kann demonstrieren und man kann protestieren.

Nur entscheiden können „wir“ eben nicht! Und das ist das Entscheidende. Politisch entscheiden in dieser institutionellen Diktatur eben immer andere: Politiker, Bürokraten, Richter, Lobbyisten.
Passend dazu diese Karrikatur, die zeigt was passiert wenn man nur demonstrieren und protestieren kann.

Es gibt genug Menschen, die genau das tun, und die man unterstützen kann.

Abgesehen davon, dass es verschwendete politische Energie ist und bestenfalls ein mediales Strohfeuer ergibt, sich mit demonstrieren und protestieren zu bescheiden: ich habe die Erfahrung gemacht, dass auch und gerade in solchen Gruppen nicht wenige ihre eigenen Profilneurosen an den anderen ausleben. Selbst dort ist man sich selten einig und entsprechend viel Stress gibt es da.
Bei dem im Artikel eingebundenen Foto von Fridays-for-future „Streik fürs Klima! Wir streiken bis ihr handelt!“ musste ich laut prusten. Ja, dann streikt mal schön bis der Arzt oder der Winter kommt. Das wird die Politik sicher mächtig beeindrucken, wenn ein paar Hanseln „streiken“ (was eigentlich?). Eine echte Lachnummer!

Oder geht direkt in die “etablierten” Partien: Sie sind es ja, die derzeit die Politik machen. Und dort kann man die Politik auch direkt mitgestalten.

Ja, sicher. Neulinge werden erst mal auf die Ochsentour und Plakate kleben geschickt. So sieht „Mitgestaltung“ in Parteien aus!
Wie ging noch mal die Komparation von Feind: Feind, Todfeind, Parteifreund.

Je mehr Leute in die Parteien eintreten, denen Klimaschutz wichtig ist, desto eher wird dieses Thema mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Nur mit vielleicht, höchst zweifelhaft mehr Aufmerksamkeit ändert sich nichts im und am politischen System und dessen Pseudo-Klimaschutz-Ergebnissen. Dem Klima ist das übrigens auch vollkommen egal.

Das muss jetzt übrigens nicht heißen, dass alle bei den Grünen eintreten sollen! Geht in die SPD, die CDU oder die FDP. Geht zur ÖVP, zur SPÖ oder zu den NEOS (bei den rechtsextremen Parteien ist es wohl eher aussichtslos). Oder welche Parteien in euren Ländern halt eben existieren und wo ihr euch ideologisch zu Hause fühlt.

Ich sehe mich schon in die CDU eintreten … Aber, ja, man muss schon ideologisch verbohrt sein um sich in den korrupten Haufen machtgeiler Politchauvinisten einer etablierten Partei hinein zu wagen. Das System lässt eben nur zwei Sorten von Parteien/Politikern zu: die einen sind korrupt und die anderen bedeuteungslos. Herzlichen Dank für Backobst und solche „Ratschläge“, wie man seine Lebenszeit vergeuden kann, Herr Freistetter. Aber schon sehr bezeichnend, dass er jedem eine Ideologie unterstellt. Naja, man kann niemanden hindern von sich auf andere zu schließen.

Wenn ihr keine Zeit dafür habt, dann spendet den Organisationen Geld.

Einen Haufen korrupter Profilneurotiker und Vereinsmeier auch noch finanziell pampern? Ich glaub es hackt!

Wenn ihr kein Geld habt, dann fragt, wie ihr ansonsten helfen könnt.

Außer willigen Spendern und gehorsamen Parteisoldaten wird dort keine „Hilfe“ benötigt.

Wir haben noch eine Chance. Wir dürfen allerdings nicht mehr warten. Wenn wir etwas tun wollen, dann müssen wir es jetzt tun!

Wir haben, wir dürfen nicht, wir wollen, wir müssen, wir wir wir. Eher: wirr, wirr, wirr!
In dieser atomisierten, hyper-individuellen Gesellschaft gibt es dieses „wir“ nicht. Dieses „wir“ hat was von „hoch lebe die internationale Solidarität“. Der ganze Artikel strotz nur so vor ideologischen, dogmatischem agenda setting: „denn daraus schliesst er messerschaft, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.“
Der Wunsch als Vater des Gedankens mag zwar verständlich sein, sollte aber nicht den Blick für die Realitäten vernebeln. Das hat schon mal in Großdeutschland (wozu auch damals Österreich gehörte) nicht funktioniert. Auch damals hat man versucht die Realität an die Ideologie anzupassen. Das Ergebnis ist bekannt.
Und auch sollte man sich von Freistetter nicht den Blick vernebeln lassen und die Schuld weg von den Reichen und Mächtigen – die unsichtbar werden – schieben hin zum Einzelnen, der nicht nur selbst klimaverträglich handeln soll, sondern auch noch die Politiker (nicht die wirklichen Drahtzieher hinter den Marionetten) zum handeln bewegen soll.

Teil 13: Fazit und Zusammenfassung(erscheint am 02.08.2021)

Im Westen nichts Neues …

Mein Fazit: es bringt absolut nichts seine politische, finanzielle, psychische oder sonstige Energie in einem aussichtslosen politischen Kampf für mehr Klimaschutz innerhalb(!) des Systems zu verplempern. Ein politisches Engagement für einen Systemwechsel z.B. für echte (direkte) Demokratie wäre zwar sinnvoll, kommt nur leider in der Frage des Klimaschutzes auch zu spät. Ganz individuell kann und sollte man dagegen verstärkt aktiv werden, sprich da wo man selbst entscheiden und selbst effektiv handeln kann. Ganz im Sinne des Prinzips:

Ich will den Mut die Dinge zu ändern, die ich ändern kann.
die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann
und die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden

Die Begründung für klimarelevant verantwortliches Handeln ist bei mir also eine ganz andere. Ich handele klimarelevant verantwortlich nicht weil ich meine damit das Klima zu retten. Ich handele klimarelevant verantwortlich, weil ich erkannt habe, dass der Klimawandel die menschliche Zivilisation, so wie wir sie kennen, ernsthaft bedroht und weil das der einzige(!) Bereich ist wo ich wirklich etwas entscheiden und ändern kann. Das ist gelebte Selbstwirksamkeit, die mir gut tut. Und noch wichtiger: ich bin allen profitgeilen, konsum- und klimawandekantreibenden @®$©ħłö©ħ€®n ein PITA. Bekanntlich ist das in einer Welt voller @®$©ħłö©ħ€® der Traumjob. Und ja, das macht mir Spaß mich der Profitwirtschaft so weit es geht zu entziehen bzw. meinen Konsum als wirtschaftliche Waffe einzusetzen.

Würde ich versuchen über Demonstrationen, Proteste, wählen gehen, Engagement in Vereinen, Verbänden oder gar politischen Parteien Klimaschutz zu betreiben würde ich versuchen Dinge zu ändern, die ich nicht ändern kann und früher oder später nur frustriert sein. Das tut mir nicht gut und deswegen tue ich es nicht. Das mag sehr egoistisch klingen, ist es auch. Aber es ist ein gesunder Egoismus, denn wenn es mir schlecht geht, dann ist erst Recht niemandem geholfen, weder mir noch anderen, noch dem Klima. Geht es mir dagegen gut, ist meine Psyche also einigermaßen in Ordnung, dann ist zuerst mal mir geholfen, dann kann ich anderen helfen z.B. in einer Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatt anderen bei klimafreundlicher Mobilität helfen. Das große Rad drehen zu wollen oder gar die Menschheit vor der Klimakatastrophe zu bewahren, kann früher oder später nur entweder frustrieren oder man muss sich selbst in die Tasche lügen. Beides tut nicht gut.
Deswegen und nur deswegen ist das was ich tue auch häufig klimafreundlich. Ich sehe mich auch nicht als „Vorbild“, auch aus der Erfahrung heraus, dass es nichts bringt ein solches sein zu wollen. Die anderen Menschen machen eh was sie wollen oder denken sich meistens gar nichts dabei was sie tun. Als PITA habe ich eher das Motto: „Schaut her wieviel klimafreundlicher ihr hättet leben können und wenn alle das gemacht hätten, was sie hätten machen können, dann wär uns das was wir jetzt haben und noch kommen wird vielleicht erspart geblieben“. Das genügt mir als Genugtuung. Aber Hoffnung, dass die Menschheit klimatechnisch noch mal die Kurve kriegt, habe ich keine und nach dem Gesagtem meiner Ansicht nach auch zu Recht.

Auf Telepolis ist gerade ein passender Artikel erschienen, der in ähnlicher Weise wie mein Beitrag hier deutlich macht, dass es dieses „wir“ nicht gibt bzw. dies nur eine rabulistische Verschleierungstaktik darstellt um diejenigen auf deren Konto das Meiste der THG-Emissionen geht, die „Big Five“, mit diesem „wir“ unsichtbar zu machen und den schwarzen Peter dem Einzelnen und seinem Verhalten zuzuschieben:
CO2-Fußabdruck: Wie ein PR-Trick von den Machern des Klimawandels ablenkt

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Eine Antwort zu Klimaschutzziele: Wir schaffen das … nicht!

  1. cassiel schreibt:

    In dem Telepolis-Artikel Die blinden Flecken der Klimaschutzbewegung(en) geht es um eine ähnliche Frage. Genderverseucht, leicht schwafelig und langatmig kommt er zu dem Schluß:

    Wenn die Bevölkerung nicht Souverän im eigenen Haus wird bzw. die Gesellschaft nicht zum eigenen Haus einrichtet, dann wird es auch mit solch vermeintlich klaren Zielen wie „menschenfreundliche klimatische Bedingungen erhalten“ schwierig.

    und

    Der Klimaschutz kann erst gelingen als Nebeneffekt der Aneignung der Gesellschaft durch die Bevölkerung.

    Das ist es was die Quaschnings, Freistetters und Graslutscher dieser Welt komplett ausblenden.
    Nur wie diese Aneignung der Gesellschaft noch gelingen kann bevor alles zu spät ist, kann auch der Artikel nicht verraten.
    Ich sehe nur echte (direkte) Demokratie als einzig brauchbare Form dieser Aneignung der Gesellschaft durch die Bevölkerung. Davon sind wir nur Lichtjahre entfernt, da sich die Machthaber des bestehenden System vehement dagegen wehren und dafür von ihrer institutionellen Macht hemmungslos Gebrauch machen. Und selbst wenn bräuchte es Zeit für die Umsetzung des Klimaschutzes, Zeit die die Menschheit nicht mehr hat. Die THG-Emissionen durch die Menschheit steigen unbeirrt an. Die von den Wissenschaftlern errechneten Rest-THG-Budgets schmelzen dahin wie Eis in der Sonne und sind in wenigen Jahren aufgebraucht. Und da es so weiter geht, ja, systembedingt gehen muss, wie es die letzten 30 Jahre gegangen ist, dann sind alle Klimaschutzziele bereits heute Makulatur. Es geht nur noch um die Frage: wieviel Zeit haben wir noch bis die globale Zivilisation, so wie wir sie kennen, zusammen bricht. Wenn wir dann in 10 Jahren auf den gleichen globalen THG-Emissionsanstieg zurück blicken wie die letzten 10 Jahre, dann gute Nacht Marie.

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