Reaktionen auf Klimabericht: Hilflosigkeit trifft auf heiße Luft

In zwei Beiträgen auf heise, einer davon eine dpa-Meldung der andere von Stefan Krempl kommen Reaktionen auf den Klimabericht des Weltklimarates zu Wort. Man kann es grob zusammenfassen: Hilflosigkeit und „krallen- und zahnlose Tiger“-Forderungen auf Seiten der Wissenschaftler, Umweltverbände und Klima-Aktivisten und andererseits weiter heiße Luft und Heuchelei auf Seiten der Politmarionetten. Die wirklich Reichen und Mächtigen hüllen sich weiter in den Nebel des Schweigens.
Das zeigt einmal mehr wie weit wissenschaftlicher Anspruch und umweltpolitische Realität auseinander klaffen. Die einen können nicht bzw. nur mehr oder weniger lautstark protestieren und demonstrieren. Und die anderen wollen bzw. dürfen nicht. Die Ohnmacht auf der einen Seite steht die diktatorische Staatsgewalt auf der anderen Seite gegenüber. Das hat psychologische Konsequenzen: Ohnmacht oder die mangelnde Selbstwirksamkeit das „Heft¹ des Handelns“ nicht in der Hand zu haben erzeugt Angst und das ist ein ungutes Gefühl. Um das zu vermeiden ergötzt sich die Psyche an schein-selbstwirksamem Handeln, also Aktionen, die nicht wirklich der Ohnmacht abhelfen, sondern die nur eine Selbstwirksamkeit suggerieren. Man macht sich schlicht was vor z.B. dass „wir“ „jetzt“ „handeln“ „müssen“ – gleich vier Lügen bzw. Selbstbetrug auf einmal: das „wir“ gibt es nicht, „handeln“ geht nicht weil dazu die politischen Rechte fehlen (nein, wählen nützt auch nichts), „müssen“ geht nicht weil realpolitisch andere entscheiden und „jetzt“ passiert genau – gar nichts! wie immer! Und die Politiker machen genau das was sie auch schon immer gemacht haben: sie geben nur heiße Luft von sich, rabulisieren wild herum indem sie sogar den Forderungen offen zustimmen und dabei ihre Verantwortung für eben genau jene Tatenlosigkeit unter den Teppich kehren und natürlich passiert wie immer auch hier – nichts! Dazu kommt dass wir gerade im Wahlk(r)ampf sind und eh gelogen wird, dass die Balken sich biegen und viel versprochen wir von dem nichts gehalten wird – wie immer bei jeder Wahl.
Und wer wie ich den reality check macht und genau das ankreidet, der bekommt den Sturm des Unwillens sich der Realität zu stellen zu spüren und wird als Sprachrohr des Climate Doomism hingestellt, während unbeirrt mehr des in der Vergangenheit nachweislich als untauglich Erwiesenen (Protestieren, Demonstrieren, Wählen, Parteien, Verbände, Umweltklagen, persönlicher Klimaschutz²) gefordert wird und das vor allem von den anderen. Dass sich jemand wie ein Roland Schüren in das Haifischbeckendie Kloake Parteipolitik und Parlamentarismus begibt ist in meiner Wahrnehmung äußert selten. Ein Barbara Rütting hatte das in Bayern auch gewagt und schließlich entnervt aufgegeben. Jemanden wie Schüren, den ich bisher ähnlich wie einen Christian Ude oder einen Gerald Häfner als integer wahrgenommen habe, würde ich vielleicht sogar wählen, wenn ich es denn könnte. Nur leider ist das Meiste was von der Politik angezogen wird und folglich zur Wahl steht der moralische Abschaum der Gesellschaft. Es bleibt abzuwarten wie es Roland Schüren im Bundestag ergeht. Die Tatsache, dass er für die Bündnis90/Die Grünen antritt macht diese für mich nicht wählbarer. Eine Schüren-, Ude- oder Häfner-„Schwalbe“ machen eben noch keinen Politik-„Sommer“.
Und ganz im Sinne des Backfire-Effekts bekommt man die abstrusesten Ausreden und Ausflüchte zu hören, bis hin zu rabulistischen Tricks um sich nicht der Realität stellen zu müssen, speziell von intellektuellen „Klimaschützern“, die Dummheit als Ausrede nicht für sich in Anspruch nehmen können. Meine Erklärung für dieses irrationale Verhalten: Angst vor dem Tod. Dies ist ja auch in der aktuellen Corona-Krise der dominierende Faktor. Alle Menschen leben da in einem offensichtlichen Widerspruch: einerseits wollen sie leben und überleben, andererseits ist schon mit der Geburt das Ende besiegelt. Rein vom Kopf her weiß das jeder Mensch. Trotzdem lebt der größte Teil der Menschheit so als würden sie ewig leben bzw. beteiligen sich mit pro-aktiver Reproduktion am großen Wettrennen, wessen Nachkommen überleben. Da ist der Tod oder auch nur die Erinnerung an die eigene Sterblichkeit und die der Menschheit und des Lebens überhaupt ein unwillkommener Gast, den man möglichst schnell wieder los werden möchte, zur Not auch rausekeln. Aber die Klimafrage ist die permanente Todesdrohung für diese Menschen. Und da es dafür keinen realistischen Weg gibt um diese im Sinne des Erhalts unserer Zivilisation, so wie wir sie kennen, zu lösen, gibt es nur eine Scheinlösung indem man dissoziiert, sprich das Bewußtsein davon abspaltet und sich in eine Traumwelt der Ideologie flüchtet in der man sich vor dieser ultimativen Todesgefahr sicher glaubt. Aber natürlich kann man den Sensenmann nicht austricksen und die Gesetze der Natur sind unerbittlich.
Ich ziehe es da dann doch vor diesen Selbstbetrug nicht zu leben, mir nichts vorzumachen und mit Würde abzutreten. Das ist für jemanden der Kinder hat natürlich schwerer, da er sich für diese in der Verantwortung sieht. Aber wie sagt der Anglophile: no risk, no fun! Die Freuden eigener Kinder sind keine Einbahnstraße. Und wer Kinder kriegt muss auch deren Tod verantworten, denn der ist mit Zeugung und Geburt unweigerlich verbunden. Und: wir sind zwar alle Abkömmlinge der Gewinner der Evolution, aber die Gewinner von gestern sind die Verlierer von morgen. In jeder Generation pflanzt sich nur ein Teil fort und der andere Teil bleibt auf der Strecke. Eine Garantie der ewigen Fortpflanzung gibt es nicht. Und irgendwann muss die Menschheit sowieso abtreten. Und ich habe nicht den Eindruck, dass sie das mit Würde tun wird. Nur selbst kann ich bestimmen ob und wie ich mit Würde abtrete.

¹ damit ist kein Schreibheft, sondern das Heft z.B. einer Feile, also dessen Griff mit dem man diese steuert, gemeint.
² persönliches umweltfreundliches Verhalten ist nach wie vor sinnvoll, aber man sollte sich der sehr begrenzten politischen Wirkung, die schon am Zaun zum Nachbarn aufhört, bewußt sein.

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Eine Antwort zu Reaktionen auf Klimabericht: Hilflosigkeit trifft auf heiße Luft

  1. cassiel schreibt:

    Ein weiterer Artikel bei heise/Telepolis dokumentiert die Hilflosigkeit mit einer wenn-, Konjunktiv- und Forderungs-Tirade:

    … wenn …sei …müssten …dürften … müssten … sollten … wenn … könne … fordert … müsste … Forderung … fordert … gefordert … hätte helfen können … wären … hätte … gefordert … wäre … würde …

    und dazu im Kontrast wie unbeirrt die Politmarionetten „auf einem anderen Planeten“ (Australien, Sachsen-Anhalt) und Konzerne weiter das Gegenteil machen

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