Norwegen – das Japan Europas

Norwegen und Japan sind schöne Länder mit einer beeindruckenden Natur und Landschaft. Bis vor Corona zogen beide Länder jedes Jahr Millionen von Touristen an. Beide Länder pflegen das Image eines Saubermanns: in Japan ist das sehr wörtlich zu nehmen, alle Menschen sind zu Ausländern freundlich und hilfsbereit, Norwegen ist führend in Sachen Elektromobilität und Nutzung der Wasserkraft und als skandinavisches Land weltoffen und global. Und nicht zuletzt sind beide Länder hochindustrialisiert und mit einem hohen Wohlstandsniveau gesegnet.

Aber wehe man schaut auf die hässlichen Seiten der beiden Länder, denn da kommen schnell sehr, sehr unschöne Eindrücke auf. Schon als klassisch kann man die in beiden Ländern „gepflegte“ Tradition des Abschlachtens von Meeressäugern, gern archaisch brutal oder auch mit modernem Gerät unter dem Deckmantel der „Wissenschaft“ ansehen. Wer als Ausländer in Japan in die Mühlen der Justiz gerät, macht schnell sehr schlechte Erfahrungen. Wer es in der Vergangenheit mit Japanischen Soldaten zu tun bekam ebenfalls. In Norwegen macht man schlechte Erfahrungen wenn man ein Wal, eine Robbe, ein Fisch oder ein anderes Wildtier ist, das man jagen, töten und aufessen kann. Norwegen ist eine Nation von Jägern und Fischern und wer das in Frage stellt, der macht auch als Mensch schnell schlechte Erfahrungen, wie z.B. der im November 2021 verstorbene Odd F. Lindberg der es wagte in den 1980ern öffentlich die in Norwegen übliche Praxis des Robbenabschlachtens zu kritisieren. Um sein Leben fürchtend wanderte er nach Schweden aus. Die ZDF-Reihe 37° dokumentierte den Fall in der Folge „Blutroter Schnee – die Jagd auf Odd F. Lindberg und die Robbenbabies.“ (Gunther Scholz, Cintec Berlin, 30min, BetacamSP) (ich hab wohl irgendwo noch eine alte VHS-Aufnahme davon, denn das wurde schon im Jahr 1998 produziert und gesendet).

Dass sich an dieser Mentalität bis heute nicht viel geändert hat, beweist der aktuelle Fall des Walrosses Freya das sich ins südliche Norwegen verirrt hatte. Hiess es noch vor kurzem, dass die Tötung die letzte Option sei, hat die Norwegische Fischereidirektion mit dem 600kg schweren Tier jetzt doch kurzen Prozess gemacht und es „eingeschläfert“. Als Begründung muss die angebliche Gefährdung von Menschen, die absichtlich dem Tier zu nahe kommen, herhalten. Einerseits musste nun das Tier, das als Tierart eigentlich geschützt ist, für den Unverstand und Sensationsgier von einigen Menschen büssen, so die Gefahr nicht ohnehin doch wenig konkret und begründet ist, schließlich sind jetzt Walrosse zwar Wildtiere, aber keine Eisbären, sibirische Tiger oder vergleichbare Beutegreifer, die gewohnheitsmäßig Menschen angreifen oder eine Gefährdung zumindest naheliegend wäre. Es ist mal wieder typisch für das Land Norwegen, dass man dort nicht viel auf ein Tierleben gibt. Die Begründung Menschenleben – die bestenfalls Kandidaten für den Darwin-Award sind – schützen zu wollen, entbehrt da nicht einer gewissen Ironie, denn für Jagdkritiker wie ein Odd F. Lindberg gilt dieser Schutz offensichtlich nicht.

Und da gesellt sich dann Deutschland als Jägerlobby-Nation und traditioneller Verbündeter Japans nahtlos dazu. Es sei an vergleichbare Fälle präventiver Wildtiertötung wie im Fall des „Problembären“ Bruno erinnert, oder wie ich selbst hier in Rheinland-Pfalz einmal die Tötung von zwei aus ihrem Gehege entflohenen Wölfen miterlebte. Ja und nicht zuletzt war der Vertreter Norwegens neben dem Deutschlands einer von drei Richtern der großen Kammer am EGMR, die in der causa //Herrmann gegen Deutschland (EGMR)// gegen die laufende Rechtsprechung des EGMR stimmten und für die Beibehaltung der Privilegien der Jagd in Deutschland betreffend die Zwangsmitgliedschaft von Grundstückseigentümern in der örtlichen Jagdgenossenschaft. Es passt eben mal wieder alles ins Bild. Manche Dinge ändern sich eben nie und andere noch später.

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2 Antworten zu Norwegen – das Japan Europas

  1. cassiel schreibt:

    Japan beginnt wieder mit dem Delphinabschlachten. Finanziert wird das durch die Nachfrage von Delphinarien nach lebend gefangenen Delphinen. Und nein, es sind nicht nur ein paar japanische Fischer, die illegal handeln würden, sondern es ist staatlich geschützter Delphinmord, also ist Japan als ganzer Staat dafür verantwortlich.

  2. cassiel schreibt:

    Das es auch anders geht zeigt man Großbritannien:
    Ein Walross durchkreuzt die Neujahrsfeier im britischen Scarborough
    Man hat die Umgebung um das Walroß Thor einfach abgesperrt (darauf muss man mal kommen) und sogar das Silvesterfeuerwerk abgesagt um dem Tier keinen Stress zu machen. In Norwegen wohl undenkbar sowas m(
    Naja, dafür geht man mit unliebsamen Menschen in GB auch weniger zimperlich um …

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