Gates‘ Toilette für Entwicklungsländer: Was soll der $©ħ€I$$?

Ja, das ist ausnahmsweise einmal wörtlich zu nehmen: Samsung und die Gates-Stiftung haben – nach eigenen Angaben – eine Toilette für Entwicklungsländer entwickelt:

Besonderen Wert haben die Entwickler nach den Vorgaben der Stiftung auf die Hygiene gelegt. Feste menschliche Ausscheidungen werden energieeffizient dehydriert, getrocknet und verbrannt. Flüssige Ausscheidungen werden zusammen mit dem Spülwasser einer biologischen Reinigung unterzogen. Krankheitserreger sollen abgetötet, das Spülwasser könne wiederverwendet werden, teilt Samsung mit.

Da ich mich selbst schon seit Jahren mit alternativer Toilettentechnik in Theorie und Praxis befasse meine ich hier eine fundierte Meinung zu haben. Scheiße energieeffizient dehydrieren? Das mag unter Weltraumbedingungen sinnvoll sein, wo jeder Liter Wasser den man in den Orbit transportieren muss, 10.000 US$ kostet. Ansonsten ist Dehydrieren ein ziemlich energieintensives Verfahren wie man am Preis von gefriergetrockneten Erdbeeren, Instant-Kaffee, Sojamilchpulver, Meersalz usw. erahnen kann. Ist auch ziemlich logisch, denn um eine wasserhaltige Substanz auf die Trockensubstanz zu reduzieren muss das gesamte(!) darin enthaltene Wasser ausgetrieben werden, sprich von flüssig nach gasförmig verdunstet oder verkocht werden. Und da auch Samsung und die Gates-Stiftung die Hauptsätze der Thermodynamik noch nicht widerlegt haben, wird es auch hier ein energieintensiver Prozess bleiben. Wohlgemerkt es geht hier nicht um Lebensmittel, die danach einen höheren Gebrauchswert haben, sondern um Scheiße! die danach verbrannt werden soll. (Der prinzipielle Unterschied zwischen dehydrieren und trocknen ist mir nicht klar).
Und das ganze soll nur 0,05 Cent pro Tag und Nutzer kosten. Da kann man sich schon fragen ob das Ganze nicht schon Betrug ist. Über die Investitionskosten schweigt der Artikel, aber ich glaube kaum, dass Samsung und die Gates-Stiftung das in die 0,05 Cent schon einkalkuliert haben bzw. sich mit einer Miete auf dieser Basis zufrieden geben.

Dabei ist eine hygienische, wasserlose und umweltfreundliche Toilette keine große Kunst, denn es gibt sie schon lange. Man muss nur einmal der Natur abschauen wie sie es (mit kleinen Mengen) Fäkalien auf dem Boden macht: Mikroorganismen und Bodenlebewesen bauen Kot und Urin aerob zu pflanzenverfügbaren Nährstoffen ab und die Pflanzen nehmen diese wieder aus dem Boden mit Hilfe von Mikroorganismen auf. Wenn man dies nun in einem Bioreaktor nachahmt, dass es ohne das Grundwasser zu belasten, auch mit größeren Mengen funktioniert, dann bekommt man am Ende hervorragenden festen und flüssigen Dünger. Und das nennt sich dann schlicht Komposttoilette. Die kosten im Gebrauch gar nichts und auch die Herstellung ist für minimale Kosten sogar in Eigenproduktion möglich. Was es hauptsächlich braucht ist Know-how, sprich man muss das Prinzip verstanden haben und es richtig anwenden.

Bei mir hat sich z.B. ein Zwei-Kammer-System bewährt: zwei 200L-Behälter werden im 3-Monat-Rythmus gewechselt. Also einer ist in aktiver Benutzung, während der andere ruht und nur mit Urin feucht gehalten wird bzw. Pischerol produziert. Nach drei Monaten wird der aktive Behälter zum passiven, der fertige Kompost aus dem passiven wird ausgeräumt und gelagert und zum neuen aktiven Behälter. Als Behälter haben sich 200L-Spundlochfässer aus HDPE-Kunststoff bewährt. Die gibt es aus der industriellen Fertigung, häufig gebraucht für einen Spottpreis von ca. 20 €. Das teuerste vom Material her dürfte der Toilettensitz sein, da wohl eher neu als gebraucht sein sollte (auch wenn gebrauchte Computertastaturen angeblich deutlich unhygienischer sind).

Wie man sieht geht es mit Know-how, Low-Tech und wirklich wenig Kosten. Das Rad muss nicht noch mal erfunden werden.

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2 Antworten zu Gates‘ Toilette für Entwicklungsländer: Was soll der $©ħ€I$$?

  1. cassiel schreibt:

    Gates wollte ja auch die Malaria mit Hightech bekämpfen und die die Malaria übertragenden Mücken mit Lasern töten, also einen Raum mit Laserstrahlen mückenfrei halten. Da hat jemand jetzt auch eine low-budget Lösung gefunden und aus „verdorbender“ Kuhmilch eine Mückencreme entwickelt die bis zu 12 Stunden schützt. Ist vielleicht in einem Land mit einem hohen Anteil von Laktoseintoleranten auch die bessere Verwendung als sie als Lebensmittel zu konsumieren.

  2. Pingback: Scheisse und Pisse: man kann es auch kompliziert machen | wwwahnsinn

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